Sie sind in: Startseite Aktuelles Aus Gesellschaft und Politik Schwere Depression: 18 Prozent ohne Hilfe

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Verängstigte Frau steht am Fenster, blickt durch die Jalousie nach draußen und hält die zur Faust geformten Hände an den Mund

Bei Patienten mit schweren Depressionen weist die Therapie häufig Mängel auf.
© Petro Feketa - Fotolia

Do. 20. März 2014

Alarmierend schlechte Therapie bei Depressionen

Drei von vier Patienten, die an einer schweren Depression leiden, bekommen keine ausreichende Therapie bestehend aus Antidepressiva und Psychotherapie. Damit werde dem Großteil der schwer Erkrankten nicht angemessen geholfen, kritisiert die Bertelsmann-Stiftung in ihrem aktuellen "Faktencheck Gesundheit".

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18 Prozent der schwer Depressiven bekommen gar keine Therapie. 56 Prozent erhalten nur Medikamente oder nur Psychotherapie. Bei den Patienten mit chronischer Depression, unabhängig vom Schweregrad, bleiben 31 Prozent völlig unbehandelt. Nur 12 Prozent, also jeder Achte, erhält eine angemessene Therapie aus Antidepressiva plus Psychotherapie. Vor allem die Psychotherapie kommt zu kurz: "Wenn behandelt wird, dann fast ausschließlich mit Medikamenten", schreibt die Bertelsmann-Stiftung. Der Großteil der Erkrankten bekomme keinen Therapieplatz oder die Therapie sei zu kurz angesetzt. Die Wartezeit betrage durchschnittlich 17 Wochen.

Die Studie zeigte zudem, dass die Versorgungslage bundesweit sehr unterschiedlich ist. Vor allem Bayern und Baden-Württemberg fielen durch hohe Diagnose-, aber niedrige Behandlungsraten auf. Doch selbst in Nordrhein-Westfalen und Hessen mit den höchsten Versorgungsquoten bekommen nur 30 beziehungsweise 29 Prozent der schwer Depressiven eine leitliniengerechte Therapie. Studienautor Professor Dr. Martin Härter vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf sagt: "Die Ergebnisse sind alarmierend. Werden Depressionen nicht angemessen behandelt, können sie chronisch werden." Noch gravierender sei die Suizidgefahr bei schweren Depressionen: Jeder siebte Betroffene nimmt sich das Leben. Um die Situation zu verbessern und die Betroffenen aufzufangen, fordert die Stiftung, Netzwerke zwischen Fachkräften zu bilden. Auch die Diagnose müsse verbessert werden und nicht zuletzt dürfe die Erkrankung in der Gesellschaft kein Tabu mehr sein.

db/RF/PZ

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