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Immer mehr Deutsche sind krankhaft übergewichtig.

Vor einer bariatrischen Operation sollte der Arzt genau prüfen, ob der Patient tatsächlich für den Eingriff in Frage kommt.
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Do. 28. Juli 2016

Übergewichtige kosten Krankenkassen immer mehr Geld

Gut sieben Millionen Menschen mussten sich im Jahr 2014 wegen Fettleibigkeit behandeln lassen – das sind 14 Prozent mehr als noch im Jahr 2006. Viele von ihnen legten sich dafür sogar unters Messer, wie der aktuelle Krankenhaus-Report der Barmer GEK zeigt.

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Eine bariatrische Operation ist ein chirurgischer Eingriff am Magen-Darm-Trakt, der anschließend zu einem deutlichen Gewichtsverlust führen soll. Dazu zählt zum Beispiel ein Schlauchmagen, ein Magenbypass oder ein Magenband. Solche Operationen werden bei krankhaften Übergewichtigen aber erst durchgeführt, wenn eine Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung oder auch die Einnahme von Medikamenten keinen Abnehmerfolg brachten. Die Zahl dieser Operationen hat sich laut Krankenhausreport zwischen 2006 und 2014 mit 9.225 Eingriffen mehr als verfünffacht. Der Eingriff kommt für Patienten ab einem Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 40 in Frage. Wenn eine schwerwiegende Begleiterkrankung vorliegt, bereits ab einem BMI von 35. Die Patienten sollten jedoch sehr sorgfältig ausgewählt werden, denn der Eingriff birgt sowohl Chancen als auch Risiken: "Einerseits müssen Patienten nach einem Eingriff deutlich seltener aufgrund von Diabetes mellitus Typ 2, Schlafstörungen und Bluthochdruck stationär behandelt werden als vergleichbare Personen ohne eine Operation. Andererseits müssen Patienten nach einem bariatrischen Eingriff häufiger wegen Gallensteinen, Krankheiten des Verdauungssystems und Eingeweidebrüchen ins Krankenhaus", sagt Professor Boris Augurzky, Autor des Reports und Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

Doch auch aus finanziellen Erwägungen will eine Operation gut überlegt sein. Würden bundesweit alle Adipösen mit einem Body-Mass-Index von 40 und mehr operiert, kämen auf die gesetzliche Krankenversicherung kurzfristig rund 14,4 Milliarden Euro an zusätzlichen Ausgaben zu. "In der Adipositas-Chirurgie drohen massive Mehrkosten, die die Beitragszahler am Ende schultern müssten. Dies ist umso bedenklicher, weil eine bariatrische Operation für Kliniken lukrativ ist und daher die Tendenz zu immer mehr Eingriffen besteht", warnt Augurzky. Insgesamt legt der Report nah, eine Operation in einem Zentrum durchzuführen, das von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zertifiziert ist. Bislang bieten rund 350 Krankenhäuser in Deutschland bariatrische Operationen an, doch nur 44 Kliniken sind DGAV-zertifiziert. "In einer zertifizierten Klinik sind die Komplikationen bei einem bariatrischen Eingriff geringer als in einem herkömmlichen Krankenhaus, auch das Sterberisiko ist um 15 Prozent reduziert", so Augurzky. Dort seien die Operation und die Folgebehandlungen nach fünf Jahren im Schnitt außerdem um mehr als 3.800 Euro günstiger als in nicht zertifizierten Einrichtungen.

Barmer GEK/NK

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