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60 Prozent der Deutschen wünschen sich, zu Hause zu sterben.

Die meisten Menschen wünschen sich, die letzten Stunden ihres Lebens zu Hause zu verbringen.
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Do. 20. Oktober 2016

DAK-Pflegereport: Deutsche wollen zu Hause sterben

Zwei von drei Deutschen verbringen die letzten Stunden ihres Lebens nicht an dem Ort, den sie sich wünschen. Nach einer aktuellen Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit wollen nur sechs Prozent der Deutschen im Krankenhaus oder Pflegeheim sterben. In der Realität sterben jedoch dreiviertel aller Menschen in solchen Institutionen. Diesen deutlichen Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit zeigt die Krankenkasse in ihrem Pflegereport 2016.

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Für den Report wurde erstmals untersucht, welche Wünsche, Vorstellungen und Erfahrungen die Menschen haben, wenn es ums Sterben geht. Insgesamt 60 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie zu Hause sterben möchten, 16 Prozent sind unentschlossen. Nur vier Prozent nennen das Krankenhaus, zwei Prozent das Pflegeheim. Die Tendenz ist noch deutlicher bei Menschen, die bereits Pflegeerfahrung haben. So sagen pflegende Angehörige zu 76 Prozent, dass sie zu Hause sterben möchten. Zu den Gründen sagen die meisten, dass die gewohnte Umgebung das Sterben erträglicher mache und dass es mehr Würde mit sich bringe. Dennoch sterben gut 75 Prozent aller Menschen in Deutschland im Krankenhaus oder Pflegeheim. Vergleicht man diese Zahl mit den Wünschen, sterben 69 Prozent nicht dort, wo sie möchten. "Diese Ergebnisse lassen eine ausgeprägte Skepsis gegenüber der palliativen Versorgung in Kliniken und Heimen erkennen", sagt Professor Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit.

Nicht nur widerspricht das Sterben im Krankenhaus den Wünschen der meisten Menschen. Es belastet auch das Solidarsystem. Für den DAK-Pflegereport wurden Daten von gut 60.000 verstorbenen Versicherten ausgewertet, die vor ihrem Tod pflegebedürftig waren. 64 Prozent dieser Personen waren im letzten Quartal vor ihrem Tod im Krankenhaus. Gerade Klinikaufenthalte sind teuer. "Die große Zahl von prämortalen Krankenhauseinweisungen widerspricht dem Grundsatz ‚ambulant vor stationär‘ der Pflegeversicherung. Man kann davon ausgehen, dass viele davon vermeidbar sind", sagt Rebscher. Diese seien nicht nur teuer, sondern stünden auch im klaren Widerspruch zu dem, was sich die meisten Menschen wünschen, wenn sie sterben müssen.

Der Pflegereport zeigt auch eine große Bereitschaft der Angehörigen, Pflege auch bis zum Tod zu übernehmen. Dafür müssten nun die richtigen Bedingungen geschaffen werden. Es gelte, auch mit Blick auf die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, Entlastungsmöglichkeiten systematisch zu etablieren. Rebscher sagt: "Die Ergebnisse des DAK-Pflegereports 2016 machen deutlich, dass das Hospiz- und Palliativgesetz nicht nur notwendig ist. Es muss auch dringend umgesetzt werden." Das Gesetz wurde Ende 2015 beschlossen und soll die palliative Versorgung vor allem im häuslichen Rahmen verbessern.

DAK/NK

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