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Was wir essen bestimmt auch, wie wir uns fühlen.

Du bist was Du isst – dass an diesem Sprichwort etwas dran ist, haben Wissenschaftler jetzt bewiesen.
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Mo. 18. Januar 2016

Wie die Nahrung unsere Gefühle beeinflusst

Ernährungsqualität und mentale Gesundheit hängen zusammen. Das haben großangelegte wissenschaftliche Untersuchungen jüngst gezeigt. So kann es tatsächlich am schlechten Fast Food liegen, wenn jemand eine Depression entwickelt. Diese Zusammenhänge erklärte Professor Dr. Peter Holzer von der Medizinischen Universität Graz anlässlich einer internationalen Fortbildungswoche für Apotheker.

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Die richtigen Nährstoffe in der Nahrung sorgen nicht nur für eine flotte Verdauung und ein intaktes Immunsystem. Essen und Trinken wirkt auch auf unsere Stimmung und bestimmt womöglich unser Sozialverhalten. Und das nicht nur, weil Hunger traurig macht und Sättigung zufrieden.

Die Nährstoffe werden im Magen-Darm-Trakt aus der Nahrung gefiltert. Wie aber erfährt das Gehirn davon? Eine Erklärung für die Darm-Hirn-Achse sehen Forscher in der Bakterienbesiedlung im Darm. Die mikrobielle Gesellschaft, die sich auf uns und in uns behauptet, beziffern die Forscher auf 100 Billionen Zellen. Damit gehören unsere eigenen menschlichen Zellen zur absoluten Minderheit im Körper. Trivial ausgedrückt leben allein im menschlichen Darm bis zu zwei Kilogramm Mikroben. Welche Bakterienstämme im Darm des Menschen wohnen, bestimmt offenbar große Teile eines Menschen und seiner Persönlichkeit: dick oder dünn, krank oder gesund, fröhlich oder depressiv.

Wie funktioniert das? Das Darmmikrobiom – wie die Bakteriengesellschaft medizinisch heißt – nutzt die körperinternen Kommunikationswege, um Botschaften bis in das Gehirn zu senden. Die Bakterien produzieren Stoffwechselprodukte, die für Hormonausschüttungen sorgen und diese Neurohormone auf den Weg zu den Nervenbahnen und in das Immunsystem schicken. Das ist insbesondere der Fall, wenn durch Entzündungen oder Stress die Darmschleimhaut durchlässiger wird. Auf diese Weise veranlassen die Bakterien das Gehirn, auf die Entzündung heilend zu wirken. Anderes Beispiel: Kurzkettige Fettsäuren sind in der Lage, Darmhormone freizusetzen, die im Gehirn nicht nur den Appetit regulieren, sondern auch unsere emotionale Stimmungslage beeinflussen.

Eine Störung der Zusammensetzung der Bakteriengesellschaft im Darm scheint ein Risikofaktor für eine Reihe von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen zu sein. Experimentelle Untersuchungen bestätigen einen solchen Zusammenhang und zeigen, dass das Darmmikrobiom schon bei der Entwicklung des Gehirns eine wichtige Rolle spielt. Dies hieb- und stichfest zu beweisen, fällt den Wissenschaftlern allerdings nicht leicht. Denn zufällige Parallelen müssen von kausalen Zusammenhängen unterschieden werden. Zu Hilfe nahmen die Forscher bei ihren Studien Mäuse, die zunächst von allen Darmbakterien befreit wurden, und denen dann Stuhl verschiedener Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen transplantiert wurden. Und so wurden die Mäuse dick, die Kot von Übergewichtigen bekamen, und die Mäuse ängstlich, die Kot von Angstpatienten erhielten.

Trotzdem mahnte Holzer noch zur Vorsicht bei den Interpretationen, da Mäuse und Menschen doch sehr unterschiedlich seien. Die Schlussfolgerung, Menschen zur Therapie von Depressionen oder Angst einfach die richtigen Bakterien – genannt Probiotika – zu geben, liegt zwar nahe. Welche genau das aber bei den jeweiligen Patienten wären, muss noch erforscht werden.

JPL

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