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Bei vielen Patienten mit neuropathischen Schmerzen greifen die gängigen Medikamente nicht.

Ein Therapiebaustein bei neuropathischen Schmerzen ist die Physiotherapie: Werden gestörte Bewegungsabläufe behandelt, trägt das dazu bei die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten.
© Robert Kneschke - Fotolia

Mo. 30. Mai 2016

Botulinumtoxin: Nervengift lindert Nervenschmerzen

Wenn Nerven Schmerzen verursachen, stoßen Ärzte oft an ihre Grenzen, denn bei vielen Patienten mit neuropathischen Schmerzen greifen die gängigen Medikamente nicht. Eine vielversprechende Alternative könnte einer neuen Studie zufolge das Nervengift Botulinumtoxin A sein, das vor allem als Anti-Falten-Mittel bekannt ist.

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Wiederholte Injektionen des Nervengifts unter die Haut verringerten die Schmerzintensität deutlich. Mit dieser Behandlung fiel der Schmerzgrad bei Patienten, die schon mindesten ein halbes Jahr unter den chronischen Schmerzen litten, auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (maximal vorstellbarer Schmerz) nach 24 Wochen von 6,5 auf 4,6 Punkte. Waren Patienten stattdessen lediglich mit einer Kochsalzlösung behandelt worden, sank der mittlere Schmerzgrad nur geringfügig von 6,4 auf 5,8 Punkte. Dies berichtet ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Neurologen des Universitätsklinikums Würzburg in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology. Besonders gut sprachen offenbar Patienten mit Allodynie, denen schon leichte, für gesunde Menschen völlig harmlose Berührungen wehtun, auf die Botulinumtoxin-Injektionen an.

Schätzungen zufolge leiden mindestens 2,6 Millionen Menschen in Deutschland unter neuropathischen Schmerzen. "Unsere Behandlungsoptionen sind derzeit leider unbefriedigend", sagt Professorin Claudia Sommer, leitende Oberärztin der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikums Würzburg und Co-Autorin der Studie. Es gebe viele Patienten, die die gängigen Medikamente für die symptomatische Therapie dieser Schmerzen entweder nicht vertragen oder nicht einnehmen dürfen, wie beispielsweise trizyklische Antidepressiva, Duloxetin, Gabapentin und Pregabalin oder retardierte Opioide. "Für diese Patienten bräuchten wir dringend eine wirksame Alternative", sagt die Medizinerin.

Noch sei es allerdings zu früh, um Botulinumtoxin A im klinischen Alltag gegen neuropathische Schmerzen einzusetzen, heißt es von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Die Therapie sei derzeit noch nicht zugelassen und könne nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. "Die Anwendung sollte auch nach einer eventuellen Zulassung auf Spezialsprechstunden und große neurologische Kliniken beschränkt bleiben", so Professor Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN.

DGN/HH

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