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Viele Klinikpatienten bringen multiresistente Keime mit ins Krankenhaus.

Krankenhauskeime sind besonders gefährlich für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist.
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Mi. 17. August 2016

Krankenhauskeime: Patienten bringen multiresistente Keime mit

In Deutschland sterben bis zu 15.000 Patienten im Jahr an Krankenhausinfektionen. Das geht aus Schätzungen des Nationalen Referenzzentrums für die Überwachung dieser Infektionen hervor. Eine große Rolle spielen hierbei die multiresistenten Bakterien, gegen die gängige Antibiotika nicht mehr wirken. Doch wo kommen diese Keime her? Dieser Frage gingen DZIF-Wissenschaftler von der Universitätsklinik Köln nach.

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Den Ergebnissen zufolge bringt jeder zehnte Krankenhauspatient die gefürchteten Keime bereits von zu Hause mit. Von den 4376 Erwachsenen, die bei Aufnahme in eine der beteiligten Kliniken auf die multiresistenten Keime untersucht wurden, waren 416 Träger damit infiziert. Besonders häufig fanden die Wissenschaftler Escherichia coli-Bakterien, die Beta-Laktamasen produzieren, sogenannte ESBL-Enterobakterien. "Dass fast jeder zehnte Patient mit multiresistenten Keimen besiedelt ist, wenn er in der Klinik ankommt, war für uns überraschend", erklärt Dr. Axel Hamprecht von der Universitätsklinik Köln. Hamprecht hat gemeinsam mit Prof. Harald Seifert und Kollegen der Charité Berlin diese Studie koordiniert, an der sich sechs deutsche Universitätskliniken beteiligten.

Enterobakterien wie Escherichia coli sind Bestandteil der normalen Darmflora und haben – so lange sie auf den Darm beschränkt sind – keinen Krankheitswert. Sie können jedoch Infektionen in anderen Organen hervorrufen, zum Beispiel eine Harnwegsinfektion. Diese multiresistenten Darmbakterien haben sich in den vergangenen Jahren weltweit ausgebreitet. "Bei so vielen Betroffenen funktioniert die Strategie einer Isolation innerhalb des Krankenhauses nicht mehr", ist sich Hamprecht sicher. Die Wissenschaftler empfehlen daher bessere Hygienemaßnahmen in Kliniken und Praxen, einen rationalen Umgang mit Antibiotika sowie insbesondere eine Verringerung nicht gerechtfertigter Antibiotika-Gaben und mehr Schulungen für Ärzte.

NK

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