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Wer abhängig von Alkohol ist, hat eine gestörte Impulskontrolle.

Bei einer Abhängigkeit verlieren Betroffene zunehmend die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum.
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Mi. 31. August 2016

Bei Alkoholsucht fehlt ein wichtiges Enzym

Bei einer Alkoholsucht spielt ein gewisses Enzym, das an der Impuls-Kontrolle im Gehirn beteiligt ist, eine wichtige Rolle. Fehlt dieses Enzym, lässt sich der Wunsch nach Alkohol schlechter kontrollieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gruppe von Wissenschaftlern um den schwedischen Professor Markus Heilig.

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Schon länger vermuten Forscher, dass bei Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit die Funktion der Frontallappen im Gehirn beeinträchtigt ist. Ist dies der Fall, fällt es Menschen schwerer, Impulse zu kontrollieren – und so beispielsweise Alkohol zu widerstehen. Und tatsächlich zeigte sich: Bei einer Alkoholabhängigkeit geht in Nervenzellen des Frontallappens die Produktion des Enzyms PRDM2 zurück, das für die Impulskontrolle eine wichtige Rolle spielt. Dies geht aus Versuchen mit Laborratten hervor, wie die Forscher der Linköping Universität in Schweden und der University of Miami in den USA im Fachblatt Molecular Psychiatry berichten. Der Enzymmangel ging bei den Tieren also mit einer Störung der Impuls-Kontrolle einher, so dass sie trotz unangenehmer Auswirkungen weiter Alkohol konsumierten. Das gleiche Verhalten konnten die Wissenschaftler bei Versuchstieren beobachten, nachdem sie die Produktion dieses Enzyms bei Ratten, die nicht alkoholabhängig waren, ausgeschaltet hatten.

Eine Person mit intakter Impuls-Kontrolle könne zum Beispiel an einem heißen Tag an einer Bar vorbeigehen und denken: "Ein Bier wäre jetzt schön, aber ich kann gerade keines trinken, weil ich gleich weiterarbeiten muss", erklärt Heilig. Ein Alkoholiker habe dagegen nicht genug Impuls-Kontrolle um den Gedanken "Es ist heiß und ich bin durstig" zu verdrängen. Unklar war bislang, welche molekularen Mechanismen dem Ganzen zugrunde liegen. Mit den neuen Erkenntnissen könnten sich ganz neue Wege eröffnen, um die Alkoholkrankheit zu behandeln, so die Hoffnung der Forscher.

HH

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