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Viele Kinder in Deutschland sind nicht gegen Masern geimpft.

Impfstoffe enthalten abgeschwächte und für gesunde Menschen ungefährliche Erreger, die das Immunsystem anregen, Antikörper zu bilden.
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Fr. 28. Oktober 2016

Masern: 73.000 Kinder sind nicht geschützt

Um die Masern in Europa auszurotten, müssten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Davon ist Deutschland laut Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland weit entfernt: Nur 63 Prozent aller Kleinkinder sind hierzulande vor Vollendung des zweiten Lebensjahres komplett gegen Masern geimpft. Das bedeutet: 73.000 Kinder haben keinen ausreichenden Impfschutz.

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Zahlreiche Masern-Ausbrüche und knapp 2.500 gemeldete Masernfälle im Jahr 2015 zeigen, dass der Impfschutz löchrig ist. "Diese Impflücken bei Kleinkindern können in Kindertagesstätten und -horten fatale Folgen haben, wenn die Infektion eingeschleppt wird", sagt Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, der Leiter des Versorgungsatlas. "Anfang 2015 verstarb erstmals seit vielen Jahren in Deutschland wieder ein nicht geimpftes Kleinkind an Masern." Vor diesem Hintergrund ist es besonders alarmierend, dass in 13 Kreisen bei den Jahrgängen 2009 bis 2012 die Quote für die zweite Impfung durchgängig gesunken ist. Auffallend sind vor allem die regionalen Unterschiede der Impfquoten. Diese sind laut Versorgungsatlas innerhalb der Bundesländer größer als zwischen den Bundesländern. Die Spitzenreiter liegen in Niedersachsen: In Peine und in Wolfsburg sind 78 Prozent der Kleinkinder bis zu ihrem zweiten Geburtstag vollständig – zweimal – gegen Masern geimpft. Die Schlusslichter liegen im Süden der Republik: die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosenheim in Bayern. Dort erhalten nur 36 bis 42 Prozent der Kinder die erforderlichen zwei Impfungen.

Deutlich seien auch die Unterschiede zwischen den Quoten der ersten und der zweiten Impfung. Bei der ersten Immunisierung liegt die Quote auf Bundesebene kaum verändert bei 88 Prozent. Einzelne Landkreise erreichen sogar die Vorgaben der WHO: Im Saale-Orla-Kreis in Thüringen erhalten 96 Prozent der Kleinkinder die erste Impfung. Doch nach diesem starken Anfang liegt auch in diesem Kreis die Quote bei der zweiten Impfung mit 63 Prozent auf dem Bundesdurchschnitt. "Dies könnte mit der geringen Sensibilisierung der Eltern für die Notwendigkeit einer zweiten Impfung zusammenhängen", vermutet Benjamin Goffrier, der Erstautor der Studie. Dabei sorgt diese zweite Impfung dafür, dass jene knapp fünf Prozent der Kinder, bei denen die erste Impfung nicht anschlägt, noch eine Immunität aufbauen können.

Vor Einführung der Impfung in den 1970er Jahren waren die Masern eine weit verbreitete Kinderkrankheit, die jedoch keineswegs harmlos ist. Es sterben bis zu drei von 1.000 erkrankten Kindern. Insbesondere Kinder unter 5 Jahren und Erwachsene über 20 Jahren sind bei einer Infektion von Komplikationen betroffen.

NK

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