Sie sind in: Startseite Aktuelles Forschung Bakterien verändern Arznei-Wirkung

Aktuelles

Arzt spricht mit Patientin.

Ob ein Arzneimittel sich eignet, könnte in Zukunft ein Bluttest klären.
© DAK/Schläger

So. 16. Oktober 2011

Darmbakterien beeinflussen Arzneistoff-Wirkung

Wie gut ein Arzneistoff wirkt, hängt nicht nur von Alter, Geschlecht und Gewicht des Patienten ab. Viele andere körperliche Gegebenheiten spielen eine Rolle - unter anderem die Art der Bakterien, die den Darm besiedeln. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler am Beispiel des Cholesterin-senkenden Wirkstoffs Simvaststin gezeigt.

Anzeige

Simvastatin senkt bei einigen Patienten zu hohe Blutfette sehr gut, bei anderen wirkt es dagegen kaum. In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler von der Duke University in Durham, USA, Blutproben von knapp 150 Testpersonen, die Simvastatin einnahmen. Dabei fanden sich im Blut der Personen, die sehr gut auf den Wirkstoff ansprachen, drei bestimmte Gallensäuren, die von ihren Darmbakterien produziert wurden. Bei den Personen, die weniger gut auf Simvastatin ansprachen, wiesen sie fünf andere Gallensäuren nach.

Da Simvastatin und Gallensäuren im Körper ganz ähnlich verstoffwechselt werden, stehen sie in Konkurrenz zueinander. Das gilt zum Beispiel, wenn solche Stoffe in der Leber zerlegt und ausgeschieden werden. Sind die körpereigenen Schneidewerkzeuge intensiv mit bestimmten Gallensäuren beschäftigt, können sie sich weniger um das Simvastatin kümmern: Der Arzneistoff bleibt länger im Körper und wirkt dadurch stärker. Sind dagegen kaum Gallensäuren vorhanden, die über dieselben Schneidewerkzeuge zerlegt werden, wird das Simvaststin schnell aus dem Körper verdrängt und wirkt schlechter.

Ein Bluttest auf diese speziellen Gallensäuren könnte einem Arzt also vor einer Verschreibung zeigen, ob sein Patient gut auf den Wirkstoff anspricht oder nicht. Daneben wäre es auch denkbar, die Zusammensetzung der Darmflora so zu beeinflussen, dass ein Arzneimittel besser wirkt. "Das ist personalisierte Medizin", sagte Studienleiter Dr. Rima Kaddurah-Daouk. "Es gibt keinen Zweifel, dass Stoffwechselprodukte von Bakterien in die Regulation des Körpers eingreifen. Doch wir beginnen gerade erst, zu begreifen, wie groß dieser Einfluss ist."

RF

Forschung

Aktuelle Meldungen aus dieser Rubrik

Kranke Leber bleibt oft unentdeckt

Häufig fehlen spezifische Warnzeichen, die auf eine erkrankte Leber hindeuten.

Prostatakrebs: Ist eine Biopsie ausreichend?

Für die Wahl der richtigen Therapie ist eine einzelne Biopsie womöglich nicht genug.

Angst vor öffentlichen WCs keine Seltenheit

Vielen Menschen ist es sehr unangenehm, in Gegenwart anderer auf die Toilette zu gehen.

Ist Einsamkeit eine Frage der Gene?

Dies könnte erklären, warum sich einige Menschen eher einsam fühlen als andere.

Erdbeer-Aroma macht E-Zigarette giftiger

Bestimmte Geschmacksrichtungen sind für die Bronchien besonders schädlich.

Bier verändert die Wahrnehmung

Eine Studie zeigt, wie Alkohol das Verhältnis zu unseren Mitmenschen beeinflusst.

Hörverlust: Häufiger als gedacht?

Frühe Schäden der Ohren lassen sich mit Hörtests oft nicht feststellen.

Die meisten Menschen sind neidisch

Einer Studie aus Spanien zufolge gibt es vier grundlegende Persönlichkeitstypen.

Sonnencreme: Nur ein hoher LSF schützt

Das Krebsrisiko ohne Sonnencreme kann in manchen Fällen geringer sein als mit Sonnencreme.

Stress senkt die Chance auf ein Kind

Neue Studie bestätigt, was schon lange vermutet wurde.

Vorsicht vor "aponet-shop"!

Identitätsdiebstahl: Eine Website macht illegale Geschäfte unter falscher Flagge.

Wie Antidepressiva besser wirken

Die Schlafdauer zu Beginn der Therapie scheint dabei eine Rolle zu spielen.

Einen Überblick über alle Nachrichten bekommen Sie auf aponet.de unter Aktuelles.

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen