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Auto fahren trotz Parkinson? In einigen Fällen ist das möglich.

Gerade ältere Menschen verbinden mit Autofahren Freiheit und Selbstständigkeit, die sie ungerne aufgeben möchten.
© Model colourbox.de/HighwayStarz

Mi. 29. Juli 2015

Wann Parkinson-Patienten nicht mehr Auto fahren dürfen

Autofahren bedeutet für viele Menschen ein Stück Selbstständigkeit, die auch Parkinson-Kranke nicht gern aufgeben wollen. Ob sie trotz Krankheit noch fahren können oder nicht, kann individuell sehr verschieden sein. Worauf es hierbei ankommt, erklärt Privatdozent Dr. Carsten Buhmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

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Parkinson-Patienten dürfen nur bei erfolgreicher Therapie oder wenn die Krankheit noch leicht verläuft selbst ein Auto führen. Dagegen sprechen schwere motorische Beeinträchtigungen wie Zittern, im Fachdeutsch Tremor, oder Bewegungsstarre (Freezing), Demenz, Aufmerksamkeitsstörungen, Halluzinationen oder Sehstörungen, wie beispielsweise Doppelbilder. "Schon eines dieser Symptome reicht, um seine Fahreignung zu verlieren", sagt Buhmann. Er ist unter anderem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Auch Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit können die Fahrfähigkeit einschränken. Sie machen zum Teil müde, führen zu Schlafattacken, zum Verlust der Impulskontrolle oder fördern aggressives Verhalten.

Doch ganz so einfach ist es nicht. "Wer zum Beispiel morgens seine Medikamente einnimmt und danach kurz müde wird, kann abends durchaus fahrtauglich sein, weil die Nebenwirkungen nach einigen Stunden abnehmen", erklärt Buhmann. Da es keine allgemeingültigen Richtlinien gibt, wird über die Fahreignung immer im Einzelfall entschieden. Wie die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung der Bundesanstalt für Straßenwesen festlegen, muss die Fahreignung alle ein bis vier Jahre durch einen Arzt oder Psychologen neu beurteilt werden. Um weder sich noch andere einer Gefahr auszusetzen, ist hier ein ehrliches Gespräch mit dem Arzt unerlässlich. Eine wichtige Rolle bei der Einschätzung der Fahrtauglichkeit spielen zudem die Angehörigen. "Ihnen fällt schnell auf, wenn ihr Partner plötzlich unsicher fährt, zu nah an parkenden Autos entlangsteuert, zu langsam reagiert oder eine rote Ampel erst spät erkennt – das sind Warnsignale", sagt der Neurologe.

Darüber hinaus könnten Parkinson-Patienten ihre Fahrtauglichkeit in Fahrschulen prüfen lassen, die speziell auf Menschen mit Handicap ausgerichtet sind. Auch der TÜV biete solche Fahrstunden mit einem Fahrlehrer an. Über das Ergebnis der Fahrstunde herrsche Schweigepflicht, so Buhmann, der hier an die Eigenverantwortung der Betroffenen appelliert. Des Weiteren gebe es technische Hilfsmittel, die Menschen mit Parkinson das Autofahren ermöglichen, zum Beispiel ein Auto mit Automatikgetriebe, breitere Bremspedale oder anders angeordnete Armaturen und Sitze, welche die Koordination beim Autofahren verbessern.

HH/DGN

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