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Manche Lebensmittel haben Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Grapefruits enthalten Substanzen, die sich mit oft verschriebenen Arzneistoffen nur schlecht vertragen.
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Sa. 01. August 2015

Thema der Woche: Passt das zusammen? Wechselwirkungen bei Medikamenten

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker", heißt es so treffend in der Arzneimittel-Werbung. Auch zu Wechselwirkungen zwischen Medikamenten sind Apotheker die richtigen Ansprechpartner, denn sie wissen, wie verschiedene Arzneimittel aufeinander reagieren. Sogar manche Nahrungsmittel haben Wechselwirkungen mit Medikamenten.

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Wenn von Arzneimittel-Wechselwirkungen die Rede ist, bedeutet das nicht immer etwas Negatives. Manche sind sogar erwünscht oder vom Arzt beabsichtigt. Etwa das Zusammenspiel verschiedener blutdrucksenkender Medikamente, die gemeinsam mehr Druck aus den Gefäßen nehmen als einzeln. Lästig oder gar gefährlich kann es jedoch werden, wenn Nahrungsmittel oder andere Medikamente die Wirkung eines Arzneimittels abschwächen oder ungewollt verstärken.

Im ersten Fall wirkt beispielsweise ein dringend benötigtes Antibiotikum nur unvollständig, weil Nahrungsbestandteile stören. Im zweiten Fall verstärkt Alkohol eine Allergie-Tablette und löst plötzlich bleierne Müdigkeit aus. Um das möglichst zu verhindern, muss man das Arzneimittel genau auf den Patienten abstimmen, denn Wechselwirkungen treten bei bestimmten Personengruppen häufiger auf als bei anderen. Dazu gehören:

Senioren

Leber, Nieren und Magen-Darm-Trakt bestimmen, wie der Körper Arzneistoffe verarbeitet. Diese Organe werden mit zunehmendem Alter schlechter durchblutet, was großen Einfluss auf ihre Funktion hat. Zudem müssen ältere Menschen häufig Medikamente gegen mehrere Erkrankungen einnehmen.

Menschen mit eingeschränkter Funktion der Nieren oder der Leber

Leber und Nieren sorgen dafür, dass der Körper Arzneistoffe ausscheidet. Wenn sie nicht mehr 100-prozentig arbeiten, verbleiben die Substanzen länger im Körper.

Raucher

Tabakrauch enthält Stoffe, die Leberstoffe beeinflussen. Das kann dazu führen, dass manche Arzneimittel schneller aus dem Körper ausgeschieden werden als gewünscht.

Alkohol-Abhängige

Auch übermäßiger Alkoholgenuss verändert die Leberfunktion. Manche Leberstoffe arbeiten dadurch schneller, andere langsamer.

Menschen, die mehrere Arzneimittel einnehmen

Die Zahl der Wechselwirkungen steigt mit der Zahl der eingenommenen Medikamente. Das heißt jedoch nicht, das Arzneimittel einfach abzusetzen, wenn eine Wechselwirkung in der Packungsbeilage steht. Manche der dort aufgeführten Effekte sind extrem selten oder für den jeweiligen Patienten nicht zutreffend. Daher das Problem mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Menschen, die Nahrungsergänzungsmittel einnehmen

Nahrungsergänzungen enthalten häufig Mineralstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Calcium, Zink oder Eisen. Diese können sich mit einigen Arzneistoffen zu Komplexen verbinden, die der Körper nicht aufnehmen kann. Folge: Das Medikament wirkt kaum oder gar nicht.

Zwei Arten von Wechselwirkungen

Fachleute unterteilen Wechselwirkungen in zwei große Bereiche. In den ersten fällt alles, was mit der Wirkung des Arzneistoffs im Körper zu tun hat. Dazu gehört beispielsweise, dass zwei Medikamente einen gegensätzlichen Effekt ausüben – eines senkt den Blutzucker und das zweite treibt ihn wieder hoch.

Der zweite Bereich betrifft die Aufnahme, Verarbeitung und Ausscheidung des Arzneistoffs. Hierzu gehört der bereits angesprochene Effekt auf Leberstoffe. Muss ein Patient zwei unterschiedliche Arzneistoffe gleichzeitig abbauen, dauert das länger. Ähnlich wie an der Supermarktkasse samstags mittags, wenn viele Kunden auf einmal bezahlen möchten und die wenigen offenen Kassen belagern.

Beipackzettel als Lotse

Um von vornherein die meisten Wechselwirkungen zu umschiffen, dient der Beipackzettel als Lotse. Natürlich gibt es dort den Abschnitt "Wechselwirkungen". Dieser interessiert jedoch erst in zweiter Linie. Vielen unerwünschten Wirkungen kann man sehr einfach aus dem Weg gehen, indem man die Einnahmevorschriften genau beachtet. Jeder Wirkstoff hat seine Eigenheiten, für die der Hersteller ein individuelles Einnahmeschema entwickelt und in Studien getestet hat. Es sieht vor, wie oft am Tag und zu welcher Tageszeit, ob vor oder nach dem Essen das Medikament verwendet wird. Nur bei korrekter Einnahme entfaltet es seine Wirkung optimal, weil der Wirkstoff erst dann die für die Behandlung gewünschte Konzentration im Blut erreicht. Manche Medikamente sollen mit einer Mahlzeit eingenommen werden, weil der Körper sie mithilfe bestimmter Nahrungsbestandteile wie Fett schneller aufnimmt. Auf leeren Magen werden solche Medikamente eventuell viel zu langsam aufgenommen und erreichen deswegen keinen ausreichend hohen Wirkspiegel im Körper.

Andere Arzneimittel wiederum muss man unbedingt mit deutlichem Abstand zu einer Mahlzeit schlucken. Mineralstoffe als Störenfriede Im Abschnitt »Wechselwirkungen« macht der Beipackzettel konkrete Angaben zu bestimmten Nahrungsmitteln oder anderen Arzneimitteln, die die Wirkung des Medikaments beeinflussen. Besonders relevant: die Wechselwirkungen mit gängigen Nahrungs- oder Nahrungsergänzungsmitteln sowie mit rezeptfreien Arzneimitteln wie Schmerzmitteln und Johanniskraut.

Leber, Nieren und Magen-Darm-Trakt bestimmen, wie der Körper Arzneistoffe verarbeitet. Mineralstoffe und Spurenelemente wie Calcium-, Magnesium-, Eisen-, Zink- oder Aluminium-Salze beeinflussen am häufigsten die Wirkung folgender Arzneimittelgruppen:

  • Antibiotika aus der Reihe der Tetracycline und der Gyrasehemmer
  • Osteoporose-Medikamente aus der Gruppe der Bisphosphonate
  • Schilddrüsenhormone

Die Mineralstoffsalze verbinden sich mit den Arzneistoffen zu schwer löslichen Komplexen. Diese gelangen nur vermindert aus dem Magen-Darm-Trakt in den Körper, was ihre Wirkung stark behindert. Da sich diese Mineralien in vielen Nahrungsmitteln befinden, lohnt es sich, bei diesen Medikamenten besonders darauf zu achten, was man zeitgleich mit der Einnahme isst.

Milch und Pampelmuse als Übeltäter

Calcium befindet sich beispielsweise in Milch und Milchproduktion wie Käse und Joghurt oder in Mineralwasser. Damit diese Wechselwirkung nicht auftritt, kann man die Mineralstoffe entweder 30 Minuten nach dem Arzneimittel einnehmen oder einen Abstand von zwei Stunden davor einhalten.

Dass Grapefruit die Wirkung verschiedener Arzneimittel stört, steht in vielen Beipackzetteln. Die Pampelmuse enthält Inhaltsstoffe, die bestimme Stoffe in der Darmwand für mehrere Tage blockieren. Diese bauen normalerweise einen Teil der eingenommenen Arzneistoffe ab, bevor sie aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen. Wenn sie dies aufgrund der konsumierten Grapefruit nicht mehr tun, nimmt der Körper erheblich größere Arzneistoffmengen auf. Die Wirkung verstärkt sich also unkontrollierbar. Das betrifft vor allem blutfettsenkende Medikamente, sogenannte Statine, wie Lovastatin oder Simvastatin, und blutdrucksenkende Mittel, sogenannte Calciumkanalblocker, wie Nifedipin oder Verapamil. Um diese Wechselwirkung zu vermeiden, muss man auf den Verzehr von Pampelmusen verzichten – das gilt auch für den entsprechenden Saft.

Vorsicht mit Alkohol

Während die Wechselwirkung von Alkohol und Antibiotika oft überbewertet wird, gilt bei vielen anderen Medikamenten Vorsicht bei Wein, Bier & Co. Das betrifft rezeptfreie Schmerzmittel, Arzneimittel gegen Diabetes und besonders Medikamente, die im weitesten Sinne beruhigend wirken. Hierzu zählen unter anderem Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, starke Schmerzmittel, blutdrucksenkende Präparate und antiallergische Medikamente.

Die Kombination von Alkohol und Arzneimitteln führt dazu, dass sich die Wirkung beider Stoffe in unvorhersehbarer und manchmal gefährlicher Weise verändert wird. Das kann gerade im Straßenverkehr fatale Folgen haben. Da die Wechselwirkung mit Alkohol nicht immer im Beipackzettel des Medikaments steht, während der Behandlung am besten auf alkoholische Getränke verzichten. Auch der Apotheker weiß, ob es mit den Arzneimitteln
Probleme geben könnte.

Generell ist der Apotheker ein guter Ansprechpartner, wenn Verdacht besteht, dass ein Medikament nicht richtig oder zu stark wirkt. Es könnte durch eine Wechselwirkung verursacht sein, die der Fachmann – auch mithilfe spezialisierter Computerprogramme – in der Apotheke erkennen kann. In vielen Fällen lassen sich diese Wechselwirkung vermeiden, wenn man die Ernährung auf das Arzneimittel abstimmt oder die Therapie in Absprache mit
dem Arzt verändert.

Apotheker Rüdiger Freund

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