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Zecken können unter Umständen gefährliche Krankheiten übertragen.

Zecken lauern nicht nur im Wald und auf Feldern, sondern auch im heimischen Garten.
© Fotowerk

Mi. 12. August 2015

Thema der Woche: Schutz vor Zecken

Sonnenlicht und Wärme regen Mensch und Tier an, aktiver zu werden. Leider gilt das auch für Zecken. Die zähen Spinnentiere, saugen Blut und können dabei gefährliche Krankheiten übertragen. Doch vor Zecken kann man sich schützen und so den Sommer trotz Zecken genießen. Wie das geht, erfahren Sie hier.

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Eigentlich muss man sie fast schon bewundern: Zecken können zum Beispiel tagelang unversehrt unter Wasser überleben, sich dort sogar häuten. Selbst einen Waschgang bei 40 Grad Celsius überstehen sie, in einem Gefrierfach bei minus acht Grad waren in Tests nach einem Tag noch etwa die Hälfte der ausgewachsenen Zecken am Leben. Den absoluten Härtetest haben ihnen japanische Wissenschaftler zugemutet: Sie steckten Zecken in das Vakuum eines Rasterelektronenmikroskops und setzten sie dort Elektronenstrahlen aus. Das übersteht normalerweise kein Tier, doch die zähen Zecken lebten nach dieser Tortur noch viele Tage. Und sie sind, wenn es sein muss, sehr genügsam: Zecken können Jahre ohne Nahrung aushalten, um dann bei einer einzigen Blutmahlzeit das 100- bis 200-Fache ihres Gewichtes in ihren dehnbaren Darm aufzunehmen.

Rein biologisch gesehen ist das alles recht beeindruckend. Weniger bewundernswert ist aus Sicht des Menschen, dass die winzigen Blutsauger mitunter gefährliche Krankheiten übertragen. An erster Stelle steht in der nördlichen Hemisphäre die Borreliose, deren Hauterscheinungen man schon seit gut 100 Jahren kennt. Doch erst 1982 entdeckte der aus der Schweiz stammende US-Forscher Professor Dr. Willy Burgdorfer, dass Borreliose durch Bakterien verursacht wird, die im Darm von Zecken leben. Saugt eine Zecke Blut, gelangen die auch als Borrelien bezeichneten Bakterien in den Blutkreislauf des Zeckenopfers.

Ein Mensch erkrankt dann nicht in jedem Fall. Dazu das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin: "In Deutschland ist nach bisherigen Erkenntnissen nach einem Zeckenstich bei 1,5 bis 6 Prozent der Betroffenen mit einer Infektion und bei 0,3 bis 1,4 Prozent mit einer manifesten Erkrankung zu rechnen."

Zeckenschutzmittel aus Automaten

Insekten- und Zeckenschutzmittel vergessen? Kein Problem, falls man im Harz wandert. Dort gibt es testweise Automaten, aus denen man sich nach Einwurf von einem Euro für etwa 20 Sekunden mit einem Insekten und Zecken abwehrenden Mittel einsprühen kann. Es enthält unter anderem den Wirkstoff Icaridin. Dieses Jahr haben die Anbieter des Automaten geplant, fünf bis zehn der Geräte an Standorten im Harz aufzustellen. Hundertprozentigen Schutz können Insekten und Zecken abwehrende Mittel allerdings nicht bieten, zumal die Wirkung einer Anwendung nicht unbegrenzt anhält. Übliche Vorsichtsmaßnahmen gegen Zeckenbefall sollte man also trotzdem beachten und sich in FSME-Risikogebieten gegen das auslösende Virus impfen lassen, wenn man dort mit Zecken in Kontakt kommen kann. Nach Angaben des Robert Koch-Institutes machen sich nach der Infektion mit FSME-Viren in etwa einem Drittel der Fälle Krankheitserscheinungen bemerkbar. Es kommt in der Regel zunächst zu grippeähnlichen Symptomen. Jeder zehnte davon Betroffene entwickelt nach einer fieberfreien Phase eine Hirnhautentzündung mit Fieber, Erbrechen und neurologischen Symptomen. Oft, so das Robert Koch-Institut, komme es auch nach schweren Verläufen einer FSME zur Heilung. Schwere Krankheitsverläufe würden fast nur bei Erwachsenen beobachtet.

Borreliose: Warnzeichen Wanderröte

Kommt es nach der Borrelien-Infektion tatsächlich zu einer Erkrankung, kann sie in mehreren Stadien ablaufen. Im Frühstadium erscheint sehr oft, aber nicht immer, Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Das ist eine sich kreisförmig von der Stichstelle ausbreitende schmerzlose Hautrötung, die im Zentrum oft eine Aufhellung aufweist. Möglicherweise kommt es zu Gelenk- und Kopfschmerzen, Fieber oder Nachtschweiß. Bemerkt man die beschriebenen Symptome nach einem Zeckenstich, sollte man sich unbedingt beim Arzt untersuchen lassen.

Unbehandelt kann sich die Infektion in einigen Fällen Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich ausbreiten, das Nervensystem, die Gelenke oder das Herz befallen und Schmerzen verursachen. In seltenen Fällen entwickelt sich nach Monaten bis Jahren eine späte, chronische Erscheinungsform der Borreliose mit Hautveränderungen und Befall des Zentralen Nervensystems mit Ausfallerscheinungen wie Gangstörungen. Eine Borreliose kann in jedem Stadium stoppen oder Stadien überspringen. Auf jeder Stufe wird sie mit Antibiotika behandelt.

Bei einer anderen durch Zecken übertragbaren Erkrankung helfen die nur bei Bakterien wirksamen Antibiotika jedoch nicht, denn sie wird von Viren verursacht. Diese gelangen aus Speicheldrüsen von Zecken rasch in die Wunde des Zeckenopfers und können eine Hirnhautentzündung verursachen, fachlich als Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) bezeichnet. Der Name ist etwas irreführend, da die Krankheit längst nicht nur im Frühsommer vorkommt.

Gegen FSME schützt eine Impfung

Schutz bietet eine vorbeugende Impfung gegen FSME. Sie ist vor allem für FSME-Risikogebiete in großen Teilen Baden-Württembergs, Bayerns und Südhessens wichtig. Zudem ist die FSME in Teilen der Schweiz und Österreichs und in Südost- sowie Osteuropa verbreitet. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Instituts empfiehlt die FSME-Impfung allen Menschen, die in Risikogebieten wohnen oder dorthin reisen und sich in der Natur aufhalten, so dass sie mit Zecken in Berührung kommen können.

Am besten ist es natürlich, man würde gar nicht erst von Zecken gestochen. Wer aber nicht den ganzen Sommer in der Wohnung bleiben will, wird das nicht immer vermeiden können. Es gibt jedoch Schutzmaßnahmen, die das Risiko mindern, dass sich Zecken auf der Haut festsetzen. Von Experten oft genannt:

  • Wenn möglich, nicht durch hohes Gras oder Unterholz gehen, sondern auf Wegen bleiben.
  • Geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und lange Hosen halten Zecken fern.
  • Socken zieht man, soweit machbar, über die Hosenbeine, da Zecken meist im Unterholz und an Gräsern sitzen.
  • Helle Kleidung ist günstiger als dunkle, da man Zecken darauf besser erkennen und noch vor einem Stich entfernen kann.
  • Mit Insekten und Zecken abwehrenden Mitteln aus der Apotheke, sogenannten Repellenzien, kann man Zecken für eine gewisse Zeit fernhalten.
  • Nach Aufenthalten in der Natur sollte man sich am ganzen Körper nach Zecken absuchen. Die Blutsauger sind winzig und krabbeln auf Körper und Kleidung herum, bis sie eine gute Einstichstelle zum Blutsaugen gefunden haben. Sie bevorzugen dafür dünne Hautstellen an den Armen, in den Kniekehlen, am Hals, am Kopf und im Schritt.

Hunde vor Zecken schützen

Auch Hunde, die sich beim Herumtollen in der Natur leicht Zecken einfangen, erkranken mitunter an von den Blutsaugern übertragenen Krankheitserregern. Dazu gehören neben Borrelien und FSME-Viren mittlerweile auch in Deutschland vereinzelt Babesien. Überträger dieser einzelligen Parasiten sind hierzulande Auwaldzecken. Die für Hunde sehr gefährliche Babesiose ähnelt menschlicher Malaria, daher spricht man manchmal auch von "Hundemalaria". Weitere von Zecken übertragene Erreger, die Hunde befallen können: Anaplasma-Bakterien oder das unter anderem in Südeuropa vorkommende Bakterium Ehrlichiacanis. Vorbeugend kann man Hunde mit geeigneten Spot-on-Präparaten oder präparierten Hundehalsbändern vor Zeckenbefall schützen. Man sollte sich vom Tierarzt zu geeigneten Präparaten beraten lassen. Findet man Zecken im Fell oder der Haut des Hundes, gilt es, sie rasch zu entfernen. Gegen Borreliose gibt es für Hunde, im Gegensatz zu Menschen, eine Impfung. Auch hierzu beraten Tierärzte.

Zecken rasch, aber ohne Hektik entfernen

Entdeckt man eine Zecke, sollte man sie rasch entfernen. So kann man zumindest eine Borrelien-Infektion möglicherweise verhindern, da sie oft erst nach 12 bis 24 Stunden erfolgt. Bei der Entfernung gilt es, Folgendes zu beachten:

  • Zecken nicht mit Benzin, Klebstoff, Nagellackentferner oder Alkohol attackieren. Damit steigt das Risiko für eine Übertragung von Borrelien.
  • Zecken werden nicht wie eine Schraube herausgedreht, sondern hautnah, langsam und kontrolliert herausgezogen. Vierteldrehungen hin und her sorgen aber mitunter dafür, dass der Blutsauger eher loslässt.
  • In der Apotheke bekommt man Werkzeuge, um Zecken leichter entfernen zu können. So etwa Zeckenkarten, Zeckenschlingen oder geeignete Pinzetten. Apotheker erklären die Handhabung dieser Hilfsmittel.
  • Um entfernte Zecken sicher zu töten, kann man sie in ein Papier einfalten und dann ein Glas oder einen anderen harten Gegenstand fest darüber ziehen, so dass die Zecke unter dem Papier
    zerdrückt wird.
  • Wo eine Zecke ist, könnten andere sein. Daher den Körper nach erfolgreichem Entfernen einer Zecke nach weiteren absuchen.
  • Die Stichstelle mit einem Desinfektionsmittel aus der Apotheke desinfizieren.
  • Die Wunde wiederholt begutachten! Sollte sie sich entzünden beziehungsweise bildet sich die Wanderröte, auf jeden Fall zum Arzt gehen. An den kann man sich auch wenden, wenn die Zeckenentfernung nicht sicher gelingt.
  • Um Zecken aus Kleidern zu entfernen, kann man Sie – wenn möglich − in den Wäschetrockner bei etwa 60 Grad Celsius geben oder bei mindestens 60 Grad Celsius waschen.

Von März bis Oktober besonders aufpassen

Zecken sind nicht nur im Sommer aktiv. Der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zufolge muss man von März bis Ende Oktober mit dem Auftreten von Zecken im Wald, auf Wiesen und Feldern rechnen. Und sie sind auch in Gärten aktiv. In wärmeren Regionen wie etwa dem Rheintal würden sie teils überhaupt nicht mehr in Winterstarre fallen, so die Schutzgemeinschaft.

Doch gut informiert, zur Zeckenentfernung richtig ausgerüstet und bei Bedarf gegen FSME geimpft, kann man Aufenthalte in der Natur trotz der Zecken genießen.

Dr. Frank Schäfer

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