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Nutzen und Risiken von Methylphenidat bei ADHS nicht eindeutig geklärt.

Der Wirkstoff Methylphenidat soll bei ADHS dafür sorgen, dass die Kinder ruhiger und konzentrierter werden.
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Mi. 25. November 2015

Nutzen und Risiken von Methylphenidat bei ADHS nicht eindeutig

Methylphenidat ist ein Wirkstoff, der in der Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, seit Jahrzehnten eingesetzt wird. Obwohl sich schon viele Studien mit Nutzen und Risiken beschäftigt haben, ist die Datenlage unklar. Deshalb raten Wissenschaftler dazu, vorsichtig mit dem Verschreiben zu sein.

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Aus einer Übersichtsarbeit, in die Forschern der Cochrane Collaboration zufolge alle derzeit verfügbaren randomisierten Studien zu Methylphenidat und ADHS eingegangen waren, ergab sich folgendes Bild: Der Wirkstoff führte einerseits zu einer geringen Verbesserung der ADHS-Symptome, dem allgemeinen Verhalten und der Lebensqualität. Auf der anderen Seite traten bei Kindern unter dem Einfluss des Medikaments häufiger Schlafprobleme und Appetitverlust auf.

Die Forscher unter Leitung des dänischen Psychologen Professor Ole Jakob Storebø kritisieren allerdings Mängel bei der Durchführung der Studien. So sei es zum Beispiel den an den Studien Beteiligten zum Teil möglich gewesen, zu wissen, wer Methylphenidat und wer ein Placebo oder kein Präparat erhalten hatte. Außerdem seien die Ergebnisse in vielen Studien nicht vollständig angegeben gewesen und in manchen Analysen waren sie nicht eindeutig. Aufgrund der insgesamt schlechten Qualität der Studien haben die Forscher nur ein geringes Vertrauen in die Ergebnisse.

Sie empfehlen Ärzten und Eltern, Methylphenidat mit Vorsicht zu verwenden und die Risiken gegenüber dem Nutzen abzuwägen. "Die Erwartungen, die an dieses Mittel gestellt werden, sind möglicherweise höher, als sie sein sollten", warnt Koautor Dr. Morris Zwi. Allerdings sollte eine bestehende Therapie auch nicht von heute auf morgen abgesetzt werden. Wenn ein Kind oder junger Mensch einen Nutzen davon habe und keine Nebenwirkungen auftreten, könnten dies gute Gründe sein, die Behandlung weiterzuführen, so Zwi. Die Entscheidung, ein Medikament abzusetzen, sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

HH

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