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Abführmittel machen nicht abhängig, wenn sie richtig angewendet werden.

Wenn Abführmittel gut wirken und der Patient sie verträgt, können sie auch längerfristig eingenommen werden.
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Di. 19. Januar 2016

Verstopfung: Was hilft wirklich?

Zur Verstopfung kursieren viele Missverständnisse. Zudem haben Abführmittel oft einen schlechten Ruf: Sie machen abhängig und entziehen dem Körper wichtige Mineralstoffe, heißt es beispielsweise. Das stimmt nicht, wenn man sie richtig anwendet, sagte Apothekerin Dr. Hiltrud von der Gathen aus Recklinghausen bei einem Fortbildungskongress in Schladming, Österreich.

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Viele halten die Verstopfung für eine reine Befindlichkeitsstörung, die selbst verschuldet und leicht zu beheben ist. Doch man müsse sie als Erkrankung ernstnehmen und dementsprechend behandeln, sagte von der Gathen. Darüber hinaus werde oft überschätzt, wie oft und wie viel Stuhlgang normal sei. Zwischen dreimal pro Woche und dreimal pro Tag schwankt dieser Wert. Als normales Stuhlvolumen bezeichnete die Apothekerin die Größe eines Joghurtbechers, also etwa 150 Gramm – selbst wenn man am Abend vorher viel gegessen habe. "Was man mehr isst, findet sich nicht in der Toilette wieder, sondern auf den Hüften", stellte von der Gathen fest.

Grundlage der Behandlung der sogenannten Obstipation bilden drei Maßnahmen: ausreichend trinken, sich bewegen und sich ballaststoffreich ernähren. Was das Trinken angeht, reichen die normalen 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag aus. Mehr zu trinken, wirke nicht stärker abführend, sagte die Apothekerin. Die empfohlenen 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag zu sich zu nehmen, hält von der Gathen bei vielen Patienten dagegen für schwierig. Gerade ältere Menschen schafften diese Menge aufgrund von geringerem Speichelfluss oder Problemen mit den Zähnen oft nicht. Und Bewegung allein bringe den Darm nicht in Schwung, wie Studien gezeigt hätten.

Sie gab jedoch einen einfachen Tipp, der hilft, die "Sitzungen" erfolgreicher zu gestalten. Wer auf der Toilette sitzt, könne die Füße auf ein Fußbänkchen stellen. Diese Haltung erleichtere das Herausgleiten des Stuhls aus dem Enddarm.

Wenn diese Basismaßnahmen keinen Erfolg bringen, kommen abführende Arzneimittel, fachsprachlich Laxanzien genannt, zum Einsatz. In den ärztlichen Behandlungsleitlinien werden verschiedene Präparate empfohlen. Als Mittel der Wahl gelten bei Erwachsenen die Wirkstoffe Macrogol, Natriumpicosulfat und Bisacodyl. Diese könnten auch über längere Zeit angewendet werden, ohne dass eine Abhängigkeit zu befürchten wären, so die Apothekerin. "Treten die Beschwerden nach Absetzen der Mittel wieder auf, spricht das nicht dafür, dass der Patient sich an das Mittel gewöhnt hätte, sondern dass die Verstopfung als Erkrankung nach wie vor besteht", so die Apothekerin.

Mittel wie die Lactulose oder die sogenannten Anthrachinone, die zum Beispiel in Sennesblättern oder Aloe enthalten sind, wirken ebenfalls gut. Wegen häufigerer Nebenwirkungen gelten sie jedoch nur als zweite Wahl. Lactulose könne zu Blähungen führen und die Anthrachinone zu Bauchkrämpfen. Ein Verlust von Mineralstoffen durch die Mittel sei jedoch nur möglich, wenn Durchfall auftrete, erklärte von der Gathen. Bei normal geformtem Stuhl nicht.

Was die Wahl der Abführmittel angeht, gibt es unterschiedliche Empfehlungen für verschiedene Patientengruppen. So muss der Arzt bei Schwangeren, Kindern oder kranken Menschen andere Kriterien berücksichtigen als bei ansonsten gesunden Erwachsenen. Aber auch bei diesen Patientengruppen lassen sich Laxanzien sicher einsetzen, wenn der Arzt eine Verstopfung festgestellt hat, keine körperlichen oder Nervenstörungen vorliegen und die Basismaßnahmen mit Bewegung und Ernährung erfolglos geblieben sind.

Apotheker Rüdiger Freund

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