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Hörgeräte sollten besser früher als zu spät eingesetzt werden.

Eine Altersschwerhörigkeit verläuft schleichend: Schon ab dem 50. Lebensjahr lässt die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs nach.
© Alexander Raths - Fotolia

Fr. 29. Januar 2016

Hörgerät: Besser nicht zu lange warten

Abwarten und schlecht hören? Davon raten Experten ab. Wer zu lange auf eine notwendige Hilfe verzichtet, der entwöhnt sich vom Hören.

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Der Berufsverband der HNO-Ärzte warnt davor, die Behandlung einer Hörminderung zu lange hinauszuzögern. "Die Menschen können durch die Gewöhnung an das schlechtere Hören die ursprünglichen Höreindrücke regelrecht vergessen und verlernen", warnen die Ärzte. Dieses Problem tritt häufig auf. "Im Schnitt vergehen etwa sieben Jahre, bis Betroffene aktiv werden."

Plötzlich wieder Vogelgezwitscher

Nach diesem langen Zeitraum fällt schwerhörigen Menschen schwer, sich wieder an gutes Hören zu gewöhnen. "Mit Hörgeräten nehmen sie plötzlich wieder Geräusche wahr, die sie jahrelang nicht mehr gehört haben: Vogelgezwitscher, Windrauschen, Fahrgeräusche, Hintergrundmusik." Dies überfordert aus zwei Gründen: Einerseits entwöhnt sich das Gehirn von der Aufgabe, ständig zu unterscheiden, ob Geräusche eine Bedeutung besitzen oder nicht. Bei normal Hörenden unterdrückt der Hirnstamm uninteressante und unwichtige Nebengeräusche, die man ständig wahrnimmt. Sie gelangen erst gar nicht ins Bewusstsein. Andererseits muss das Gehirn bei schwierigen Signalen, wie bei Sprache oder Musik, in kürzester Zeit eine Fülle von Informationen verarbeiten. Normal Hörenden fällt das nicht schwer. Probleme bereitet dies hingegen Menschen, die lange auf ein Hörgerät verzichtet haben. Das hat Folgen. Untersuchungen zeigen: Nur etwa die Hälfte der Hörgeräteträger fühlt sich mit einem Hörgerät wohl. Besonders ältere Menschen gewöhnen sich nicht wieder an die Umwelt- und Nebengeräusche, die ihnen das Hörgerät plötzlich wieder liefert.

Frühe Warnsignale für Hörprobleme

• das Überhören von Naturgeräuschen wie Blätter-, Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher,

• das Überhören von Haushaltsgeräuschen, etwa das Surren des Kühlschranks oder das Ticken des Weckers,

• das Überhören von Telefon oder Klingel,

• ein verstärktes Gefühl, dass der Gesprächspartner nuschelt und Nachfragen erforderlich macht,

• schlechtes Sprachverstehen bei Geräuschkulisse (zum Beispiel bei Gesprächen in der Gruppe oder bei Unterhaltungen im Restaurant mit anderen Gesprächen und Musik im Hintergrund),

• Familienmitglieder oder Nachbarn beschweren sich über den zu lauten Fernseher oder das zu laute Radio.

Bei ersten Anzeichen dieser Art sollten Betroffene ihr Gehör von einem HNO-Arzt überprüfen lassen.

Technische Hörhilfen

"Abhilfe kann hier nur geschaffen werden, wenn hörbehinderte Menschen rechtzeitig über die Möglichkeiten einer technischen Hörhilfe informiert werden. Und wenn sie auch frühzeitig mit einem Hörgerät versorgt werden", empfiehlt der Verband der Hörgeräteakustiker. Nur so könne das Gerät vom Betroffenen als zweckmäßige und zufriedenstellende Hilfe akzeptiert werden. Nicht immer ist es Scham, die Betroffene dazu bringt, auf ein Hörgerät zunächst zu verzichten. Die Altersschwerhörigkeit verläuft schleichend. Sie beginnt meist mit dem Hörverlust hoher Frequenzen und nachlassendem Sprachverständnis in lautem Umfeld, auch Cocktail-Party-Effekt genannt. Welche Frühwarnzeichen man beachten sollte, steht in dem Infokasten unten auf dieser Seite.

Typische Alterserscheinung

Etwa ab dem 50. Lebensjahr nimmt die natürliche Leistungsfähigkeit des Gehörs auf beiden Ohren ab. Dies liegt an Verschleißerscheinungen an für das Hören wichtigen Haarsinneszellen des Innenohres. Zudem beeinträchtigt der Alterungsprozess den Hörnerv und das Hörzentrum im Gehirn. Darüber hinaus hinterlässt die Lärmbelastung durch die Umwelt ihre Spuren. Eine Altersschwerhörigkeit beschleunigt sich zudem, wenn zum Beispiel Herz-Kreislauf-und Stoffwechsel-Erkrankungen, erbliche Veranlagung oder Nikotinkonsum hinzukommen.

Peter Erik Felzer

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