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Die Stiftung Kindergesundheit erklärt, was gegen Warzen hilft.

Gerade im Sommer, wenn viele Menschen barfuß unterwegs sind, ist das Risiko für Warzen besonders groß.
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Sa. 20. August 2016

Thema der Woche: Warzen – behandeln oder abwarten?

Warzen sind hässlich und unberechenbar. Sie finden sich bei jedem zweiten Schulkind auf der Haut. Man rückt ihnen mit Medikamenten oder Messer auf die Pelle, sie werden verätzt, verkocht oder vereist. Dabei wäre Abwarten oft eine gute Alternative, sagt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

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Warzen werden durch über 100 Typen des humanen Papillomvirus (HPV) hervorgerufen. Sie sind bei direktem Kontakt ansteckend, wie andere Viruskrankheiten auch. Bis sich jedoch nach einer Ansteckung die ersten Warzen zeigen, können je nach HPV-Typ mehrere Wochen und sogar bis zu zwei Jahre vergehen. Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Körperkontakt von Mensch zu Mensch, oft aber auch über Hautschuppen am Boden beim Barfußlaufen in Schwimmbädern, Umkleidekabinen oder in der Turnhalle. Durch Kratzen können Papillomviren auch bei einer betroffenen Person auf andere Körperstellen übertragen werden. Das Risiko einer Ansteckung ist höher, wenn auch andere Familienmitglieder oder mehrere Mitschüler in der Klasse Warzen haben. Warzenviren sind allerdings nicht wählerisch und besiedeln gern auch Tiere. Deshalb sei eine Übertragung von HP-Viren auch durch befallene Haustiere auf den Menschen möglich, sagt Professor Dr. Johannes G. Liese, Infektionsspezialist der Universitäts-Kinderklinik Würzburg.

Für die Wissenschaft sind die meist gutartigen, knötchenförmigen Wucherungen der obersten Hautschicht nach wie vor ein ungelöstes Rätsel: Warum verschwindet manche Warze nach einiger Zeit ohne jegliche Behandlung? Und warum weichen bestimmte Warzen jahrelang nicht von der Stelle, obwohl der Arzt sich alle Mühe gibt? Fragen, die sich zwar mit dem Hinweis auf das komplizierte Immunsystem erklären, aber nicht schlüssig beantworten lassen.

Besonders oft siedeln sich Warzen an Körperstellen an, die häufigen Verletzungen ausgesetzt sind, z.B. Finger, Ellenbogen, Knie oder Gesicht, wuchern aber durchaus auch anderswo: Sie verunstalten schöne Hände, weil sie um die Nagelplatte herum wachsen oder plagen die Füße durch ihren Druck auf die Fußsohle beim Laufen. Als besonders problematisch erweisen sich Warzen, die um die Fingernägel (seltener um die Fußnägel) herum wachsen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Sie laden die Betroffenen Kinder geradezu dazu ein, an ihnen zu knibbeln, sie aufzukratzen oder beim Fingernägelkauen zu verletzen. Dadurch kann aber ansteckendes Virusmaterial zu anderen Körperstellen, insbesondere ins Gesicht weitergetragen werden, wo dann neue Warzen entstehen können. Da Kinder ihre Warzen häufig aufkratzen, wachsen die lästigen Hautgebilde oft an solchen Kratzlinien entlang.

Viele Optionen, mäßige Erfolge

Warzen können in jedem Alter auftreten, mit Vorliebe befallen sie jedoch ältere Kinder. "Die Liste der bei Warzen eingesetzten Behandlungen ist lang, die Therapieerfolge sind mäßig und das Risiko eines erneuten Warzenbefalls ist hoch", bedauert Professor Liese. Zur Behandlung der Warzen bieten sich zahlreiche Methoden an. Manche der Therapien sind schmerzhaft, andere nehmen viel Zeit in Anspruch, wiederum andere sind sehr teuer und trotzdem: Einen hundertprozentigen Erfolg garantiert keine von ihnen. Nach einer Metaanalyse der Cochrane Library ist die Wirksamkeit am besten belegt für das Auftragen von Salicylsäure oder die Abtragung der Warzen in Vollnarkose.

Wenn der Leidensdruck des Warzenträgers nicht allzu hoch ist, rät Infektiologe Professor Johannes Liese zum Abwarten. Eine erst kürzlich publizierte Studie von Kinderärzten an der Johns Hopkins Universität in Baltimore hat erneut gezeigt, dass viele Kinder ihre Warzen auch ohne Behandlung nach einiger Zeit verlieren. Die Mehrzahl der in der Studie beobachteten 214 Kinder wurde mit Salicylsäure oder einer Vereisung (Kryotherapie) behandelt, einige Kinder blieben dagegen unbehandelt. Das Ergebnis: Bei 16 Prozent der behandelten Kinder waren die Warzen nach einem halben Jahr komplett abgeheilt, unter den unbehandelten war das sogar bei 36 Prozent der Fall. Nach zwölf Monaten betrug das Verhältnis 39 Prozent (behandelt) gegenüber 46 Prozent (unbehandelt). Und ganz gleich ob behandelt oder ohne Therapie: Nach spätestens zwei Jahren waren zwei von drei Kindern (65%), nach vier Jahren 80 Prozent komplett warzenfrei. Warzen, die von allein verschwinden, hinterlassen auch keine Narben, im Gegensatz zu den aggressiveren chirurgischen Entfernung.

Virus bleibt oft im Körper

Salicylsäurehaltige Warzenpflaster, die auf das Warzenareal aufgeklebt werden, sind ebenfalls eine Möglichkeit. Nach drei bis vier Tagen kann der Arzt die aufgeweichten Hornschichten mit einem Hornhauthobel, einem Skalpell oder einer Kürette ("scharfer Löffel") abtragen. Direkt gegen die Warzenviren wirken die antiviralen Substanzen Cignolin und Glutaraldehyd, sowie die nur durch den Arzt anwendbaren Zellgifte Podophyllin und 5-Fluoruracil. Eine weitere Möglichkeit bietet die neuartige Substanz Imiquimod, ein auf der Haut wirksamer Immunmodulator, der gegen bestimmte Vorstufen von Hautkrebs entwickelt wurde. Der für Kinder nicht zugelassene Wirkstoff ist jedoch teuer, wirkt erst nach längerer Behandlung und hat starke Nebenwirkungen.

Wenn alles nichts hilft, kann der Arzt hartnäckige Warzen auch mit Elektroinstrumenten "verkochen", mit Kältetherapie vereisen, mit Laserstrahlen verdampfen oder bei einer Operation mit einem Skalpell oder einem scharfen Löffel entfernen. Ist die Warze endlich weg, sollte man allerdings nicht zu früh jubeln. Ganz gleich, mit welcher Methode der erfreuliche Erfolg erzielt wurde: Das Warzenvirus kann im Körper verbleiben und bei einem Schwächeanfall des Abwehrsystems durch Stress, als Folge einer immununterdrückenden Behandlung und auch während einer Schwangerschaft zu erneutem Befall führen.

Zur Vorbeugung sollte man bei Schwimmbadbesuchen Badeschuhe tragen und die Füße vor dem Wiederankleiden immer gut abtrocknen, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Jedes Familienmitglied sollte nur eigene Handtücher und Toilettenartikel benutzen. Statt Turnschuhen im Sommer besser Sandalen tragen: Schwitzende, feuchte Füße sind besonders anfällig für eine Infektion mit einem der lästigen Warzenviren. Für Menschen, die bereits Warzen unter den Fußsohlen haben, gibt es in Apotheken und Sanitätshäusern Schutzsocken und wasserfeste Pflaster. Sie bieten einen wirksamen Schutz gegen eine Übertragung der Viren und ermöglichen auch Kindern mit ausgeprägten Plantarwarzen die Teilnahme an Sportveranstaltungen. Letztlich aber gilt: bei Warzen scheint das geduldige Abwarten in der Regel genauso effektiv wie aufwendige und zum Teil belastende und schmerzhafte Therapieverfahren.

Stiftung Kindergesundheit/NK

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