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Manche Patienten mit Frontotemporaler Demenz  fallen durch taktloses, enthemmtes oder aggressives Verhalten auf.

Manche Patienten mit Frontotemporaler Demenz fallen durch taktloses, enthemmtes oder aggressives Verhalten auf.
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Mo. 19. September 2016

Seltene Demenzform betrifft auch Jüngere

Vergesslich und orientierungs im hohen Alter: Das sind häufige Zeichen einer Demenz – aber nicht bei der sogenannten Frontotemporaler Demenz (FTD). Sie kann schon in jüngeren Jahren beginnen und die Persönlichkeit verändern. Von dieser Form sind in Deutschland rund 33.000 Menschen betroffen.

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"Jede FTD verläuft sehr individuell", sagte Professor Dr. Janine Diehl-Schmid bei der Internationalen FTD-Angehörigen-Konferenz in München. Auslöser der FTD ist ein massiver Untergang von Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns, dem sogenannten Frontotemporal-Lappen. In diesen Hirnregionen sind unter anderem Sprache, Emotionen, Persönlichkeit und Sozialverhalten verankert. "Je nachdem wo die Degeneration stattfindet, entwickeln die Patienten unterschiedliche Symptome", sagte Diehl-Schmid. Sie verändern sich meist sehr stark in ihrem Wesen, während das Gedächtnis oft lange erhalten bleibt. Manche fallen durch taktloses, enthemmtes oder aggressives Verhalten gegenüber anderen Menschen auf, andere sind teilnahmslos und apathisch. Andere Varianten äußern sich mit Wortfindungs- und Sprachstörungen. Drei Viertel der Patienten erkranken vor dem 65. Lebensjahr, berichtete die Fachärztin für Psychiatrie. Bis zur richtigen Diagnose dauert es oft Jahre.

Es gibt keine gezielte medikamentöse Therapie. Es sei auch kein klares Defizit eines nervenbotenstoffsbekannt, wie beispielsweise Dopamin bei Parkinson-Patienten oder Acetylcholin bei Alzheimer-Patienten, erklärte Diehl-Schmid. Bei Apathie werden Antidepressiva eingesetzt, gegen zwanghaftes Verhalten und Aggression Antipsychotika. Auch Beruhigungsmittel kämen zum Einsatz. Veränderungen der Umwelt und nicht medikamentöse Therapien seien aber oft effektiver als Medikamente. Da die Erkrankung die Patienten und ihre Familien sehr belastet, sei die frühzeitige Hilfe durch Selbsthilfegruppen sehr wichtig, ergänzte Helga Schneider-Schelte von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. Inzwischen gebe es bundesweit mehr als 18 Selbsthilfegruppen und eine Internetgruppe für die Angehörigen.

bmg/PZ/RF

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