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Biologische Rhythmen
Das Leben auf der rotierenden Erde ist gekennzeichnet durch zyklische Veränderungen: auf den Tag folgt die Nacht, auf den Sommer der Winter. Kein Wunder also, dass auch die Körperfunktionen lebender Organismen eine Zeitabhängigkeit aufweisen, die eine Anpassung an die wechselnden Umweltbedingungen erlaubt.
Bereits Ende des 18. und zu Beginn des 19.
Jahrhunderts wurden tageszeitabhängige Veränderungen, z.B. der
Pulsfrequenz und der Körpertemperatur, beschrieben und schon 1814
prägte der französische Mediziner Virey den Begriff der
"inneren Uhr", um den Motor dieser Rhythmen zu
charakterisieren.
Heute weiß man, dass alle Lebewesen, vom
Einzeller bis zum Menschen, und alle Organisationsebenen, vom
subzellulären Niveau bis zu Organsystemen, rhythmischen
Phänomenen unterliegen. Dabei umfasst der Periodenbereich
biologischer Rhythmen Bruchteile von Sekunden, wie beim
Aktionspotential, bis zu Jahren.
Das Wesen der inneren Uhr
Etwa 150 Jahre nachdem der Begriff der
inneren Uhr geprägt wurde, lieferten sogenannte
Isolationsexperimente den Beweis ihrer Existenz: Auch unter
Ausschluss jeglicher zeitlicher Information wie Tageslicht,
Geräuschen oder sozialen Kontakten blieben die biologischen
Rhythmen der vegetativen Funktionen erhalten. Allerdings zeigte
sich bei allen Versuchspersonen eine individuell
unterschiedliche Verlängerung der Periodenlänge auf etwa 25
Stunden, was auch die Bezeichnung "circadianer"
Rhythmus erklärt. Wissenschaftler sind sich heute einig, dass
dieser endogene Rhythmus in den Erbanlagen festgelegt ist und
somit ein Kennzeichen jedes lebenden Organismus.
Die äußeren Lebensbedingungen, wie z.B. der
Wechsel von Licht und Dunkel oder die sich mit den Jahreszeiten
verändernde Tageslänge und Außentemperatur, synchronisieren
dabei den inneren Takt mit dem äußeren 24-Stunden- Tag. Als
Synchronisatoren oder "Zeitgeber" sind für den
Menschen aber auch soziale Faktoren, etwa Mahlzeiten oder
geregelte Arbeitszeiten, von Bedeutung.
Allerdings kann die innere Uhr die endogen
vorgegebenen Rhythmen bei Veränderungen der Periode durch äußere
Zeitgeber über einen weiten Frequenzbereich anpassen. Deutlich
wird dies bei einer Reise in eine andere Zeitzone: die
biologischen Rhythmen der Körperfunktionen sind in der Lage, sich
an die Zeitverschiebung anzupassen. Wobei diese Anpassung nicht
schlagartig erfolgt - sicherlich hat jeder das Phänomen des
"Jet-lags" schon einmal am eigenen Körper verspürt.
Problematisch wird es für den Organismus dann, wenn die äußeren
Zeitgeberbedingungen ständig wechseln, wie etwa bei
Schichtarbeit. Hier kann es zu einer Entkopplung zwischen innerem
und äußerem Rhythmus kommen, der auch gesundheitliche Folgen
haben kann.
ABDA
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