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Arzneimittelwirkung im Tagesrhythmus

Welche Wirkungen und Nebenwirkungen haben Arzneimittel zu verschiedenen Tageszeiten?

In Anbetracht der rhythmischen Steuerung des Organismus erstaunt es nicht, dass sowohl die erwünschten als auch die unerwünschten Wirkungen von Arzneimit­teln durch die Tagesrhythmik verstärkt oder vermindert werden können. Chronopharmakologie heißt die wissenschaftliche Fachrichtung, die die Zeitabhängigkeit der Wirkungen und Nebenwirkungen von Pharmaka in Rela­tion zu biologischen Rhythmen untersucht.

Dabei können die tageszeitabhängigen Wirkunterschiede verschiedene Ursachen haben:

Der Körper nimmt den Wirkstoff anderes auf und baut ihn anders ab, wodurch die maximalen Konzentrationen im Blut verändert werden ("Chronopharmakokinetik") 

Die Empfindlichkeit und Reaktionsbereit­schaft des Organismus gegenüber einem Arzneimittel schwankt ("Chronopharmakodynamik")

Dass die Beeinflussung periodisch wech­selnder physiologischer Funktionen durch Medikamente abhängig ist von der Phase des circadianen Rhythmus, zu dem es gegeben wird, ist leicht einzusehen. Aber auch Veränderungen in Aufnahme und Abbau eines Medikaments  lassen sich auf der Grundlage biologischer Rhyth­men erklären. Einige Beispiele:

  • Durch eine schnellere Ma­genentleerung am Morgen gelangen Tablet­ten rascher in den Dünndarm als am Abend, die Wirkstoffaufnahme erfolgt also schneller.
  • Auch die Durchblutung der Darmgefäße ist in den frühen Morgenstunden am stärk­sten. Dadurch werden vor allem fettlösliche Arzneistoffe morgens häufig besser aufgenommen.
  • Auch die Funktionen von Leber und Niere schwanken im Verlauf des Tages, was sich auf die Umwandlung und die Ausscheidung von Arzneistoffen auswirken kann.

Das Ziel dieser Untersuchungen ist es letztlich, durch Beachtung der Zeitstrukturen die Arznei­mitteltherapie zu optimieren, also erwünschte Wirkungen zu fördern und Nebenwirkun­gen zu vermindern. Da die Chronopharma­kologie eine noch relativ junge Wissen­schaft darstellt, wurde bisher nur ein Bruchteil der Arzneimittel auf tageszeitab­hängige Wirkunterschiede untersucht.

Schon jetzt ist klar: Die Vorstellung, dass eine gleichmäßig über 24 Stunden verteilte Dosierung zu kon­stanten Blutspiegeln führt, und dass kon­stante Blutspiegel auch einen gleichblei­benden Effekt bewirken, ist eindeutig widerlegt.

Beispiel: Arzneimittel gegen Asthma

Wann sollten welche Mittel gegen Asthma eingenommen werden?

  • Theophyllin – abends höher dosieren oder nur alleinige abendliche Gabe
  • Beta-2-Sympathomimetika: Kurzwirksame abends höher dosieren, langwirksame nur abends nehmen.
  • Parasympatholytika: abends höher dosieren.

Beispiel Schmerzmittel

Wann sollten welche Mittel gegen Schmerzen eingenommen werden?

  • Bei Rheuma sollten die Schmerzmittel abends eingenommen werden, da sie so morgendliche Beschwerden verringern. Außerdem sind sie abends besser verträglich.
  • Herrschen die Schmerzen eher am späten Nachmittag vor, sollen die Schmerzmittel morgens eingenommen werden.
  • Bei Acetylsalicylsäure ist die abendliche Gabe empfehlenswert. Die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich sind so am geringsten.
  • Bei Tumorschmerzen werden nachts häufig höhere Dosierungen benötigt als tagsüber. Die opiumartigen Schmerzmittel sollten daher abends höher dosiert werden.

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Letzte Änderung: 01.07.2005