Wie werden Gerinnungsstörungen behandelt?
Da es sich bei Gerinnungsstörungen um lebensbedrohliche Zustände handelt, gehört die Therapie auf jeden Fall in die Hand eines Arztes.
Übermäßige Blutgerinnung
Eine übermäßige Blutgerinnung kann dagegen durch die Gabe von gerinnungshemmenden Medikamenten unterdrückt werden. Zu den gerinnungshemmenden Arzneimitteln gehören die Vitamin-K-Antagonisten, die Thrombozytenaggregationshemmer, Heparin und Hirudin. Das Problem ist allerdings, das richtige Maß zu finden. Man spricht davon, dass der Patient auf einen bestimmten Gerinnungswert "eingestellt" wird: er darf nur soviel von dem Medikament nehmen, dass keine Thrombenbildung mehr stattfindet, aber es darf auch noch nicht zu Blutungen kommen. Der angestrebte Zielwert ist bei unterschiedlichen Erkrankungen unterschiedlich hoch. Je höher das Risiko des Patienten ist, eine Thrombose zu bekommen desto höher wird der Ziel-INR-Wert sein bzw. desto niedriger der Quickwert. Da die gerinnungshemmende Wirkung der oralen Antikoagulantien erst nach einigen Tagen voll einsetzt, wird bei Patienten, bei denen eine schnelle Gerinnungshemmung nötig ist, in den ersten Tagen zusätzlich Heparin gespritzt.
Wie wirken Vitamin-K-Antagonisten?
Zur Bildung bzw. Aktivierung einiger wichtiger Gerinnungsfaktoren (II, VII, IX und X sowie Protein C und S) in der Leber wird Vitamin K benötigt. Dabei wird das Vitamin-K in einer Art Kreislauf "wieder aufbereitet". Die oralen Antikoagulantien (OAK) unterbrechen diesen Kreislauf und verhindern so die wichtige Neubildung der Gerinnungsfaktoren.
Die Wirkung tritt aber erst nach einigen Tagen ein, wenn die vorhandenen Gerinnungsfaktoren vom Körper abgebaut wurden. Alle oralen Antikoagulantien stammen von einem Wirkstoff ab, der im Süßklee gefunden wurde und werden als "Cumarine" zu einer Wirkstoffgruppe zusammengefasst.
Wirkstoffe sind unter anderem:
Wie wirken Thrombozytenfunktionshemmer?
Diese Stoffe verhindern die Zusammenlagerung und -verklebung der Blutplättchen sowie die damit verbundene Freisetzung von bestimmten Inhaltsstoffen, die zur Gefäßverengung führen.
Aufgrund der verschiedenen Angriffspunkte unterscheidet man verschieden Arten von Wirkstoffen.
Hemmstoffe der Cyclooxygenase:
ADP (Adenosinphosphat)-Hemmstoffe
Glykoprotein (GP)-IIb/IIIa- Antagonisten
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Abciximab
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Eptifibatid
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Tirofiban
Verstärkung der aggregationshemmenden Wirkung von Adenosin und Prostaglandin E
Wie wirkt Heparin?
Heparin ist ein körpereigener Stoff und besteht aus sehr vielen aneinandergehängten Zuckermolekülen (Polysaccharid), das heißt, es hat eine sehr komplexe Struktur. Als große Kettenmoleküle können sie nicht über den Verdauungstrakt in das Blut aufgenommen werden sondern müssen gespritzt bzw. infundiert werden.
Heparin verhindert die Blutgerinnung durch Angriff an verschiedenen Stellen des Gerinnungssystems und wirkt sofort. Leider wird es aber vom Körper auch schnell wieder abgebaut, so dass die Wirkung nur einige Stunden anhält.
Die Gewinnung von Heparin erfolgt aus Schweinedarm oder Rinderlunge. Man erhält ein sogenanntes Standard-Heparin, das sich aus vielen unterschiedlich langen Molekülen zusammensetzt. Durch Fraktionierung kann man Moleküle mit einer bestimmten Kettenlänge "aussortieren", die sogenannten Niedermolekularen Heparine. Sie werden nicht ganz so schnell vom Körper wieder abgebaut und es genügt, wenn sie einmal am Tag subkutan (unter die Haut) gespritzt werden. Bei dieser Therapie muss man die Gerinnungswerte nicht kontrollieren. Im Gegensatz zum unfraktionierten Heparin, wo die Gerinnungswerte anhand der PTT (partielle Thromboplastinzeit) laufend vom Arzt kontrolliert werden müssen.
Unfraktioniertes Heparin Niedermolekulare Heparine:
Wie wirkt Hirudin?
Hirudin ist ein Eiweißmolekül, das aus dem Drüsensekret des Blutegels gewonnen wird und das die Blutgerinnung in den letzten Schritten hemmt, indem es den Faktor IIa, das Thrombin hemmt.
Verwendet werden in Deutschland zwei gentechnologisch hergestellte Abkömmlinge:
Verminderte Blutgerinnung
Die einzige Möglichkeit zur Behandlung der Bluterkrankheit ist das Ersetzen der fehlenden Gerinnungsfaktoren. Dies geschieht durch Infusion von Blutplasma bzw. bestimmten Plasmakonzentraten. Zu einem geringen Teil gibt es mittlerweile auch schon gentechnisch hergestellte Gerinnungsfaktoren. Da diese als Eiweißstoffe im Körper relativ schnell wieder abgebaut werden, müssen sie direkt in einer Notfallsituation gegeben werden.
ados
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