Wie wird Gicht behandelt?
Man unterscheidet einerseits die Dauertherapie, die den Harnsäurewert im Blut senken soll und andererseits die Akuttherapie des Gichtanfalls.
Ziel der Therapie ist die Vermeidung von
akuten Gichtanfällen und Spätschäden. Bereits bestehende
Harnsäuredepots sollen abgebaut und der Harnsäurewert dauerhaft
normalisiert werden.
Um dies zu erreichen, ist eine Einstellung
auf Werte zwischen 5,5-6,4 Milligramm pro 100 Milliliter Blut
erforderlich. Eine weitergehende Senkung der Harnsäure bringt
keinen zusätzlichen therapeutischen Gewinn.
Bei der primären Gicht durch
Ausscheidungsstörung oder Enzymdefekt gibt es keine ursächliche,
sondern lediglich eine symptomatische Therapie. Die
Therapiemaßnahmen müssen konsequent und dauerhaft durchgeführt
werden, ein Leben lang.
Obwohl die Erkrankung eine große Bedeutung
hat, gibt es nur wenige unterschiedliche Wirkstoffe und nur drei
Wirkstoffgruppen.
Welche Arzneistoffgruppen werden gegen Gicht eingesetzt?
Colchicin
wirkt nur im schmerzhaften akuten Gichtanfall. Der Inhaltstoff
aus der Herbstzeitlose ist ein Zellgift und muss genau nach
Dosierungsvorschrift verabreicht werden. In Abständen von einer
Stunde werden 0,5 Milligramm so lange eingenommen, bis die
Schmerzen abklingen. Colchicinhaltige Arzneimittel müssen vom
Arzt verordnet werden. Wenn Nebenwirkungen wie Übelkeit,
Durchfall oder Blasenbildung auf der Haut auftreten, muss das
Medikament abgesetzt werden. Colchicin hindert die weißen
Blutplättchen daran, Harnsäurekristalle aufzunehmen. Auf die
Entzündung oder den Schmerz hat das Mittel keinen direkten
Einfluss. Am ersten Behandlungstag dürfen maximal 8 Milligramm
eingenommen werden.
Um die Wirkung von Colchicin zu
unterstützen, kann der Arzt entzündungshemmende Schmerzmittel wie
beispielsweise Indometacin oder Diclofenac verordnen. Um die
Schwellung und Entzündung der Gelenke zu mindern, können
zusätzlich kortisonhaltige Arzneimittel zum Einnehmen verabreicht
werden.
Das "Urikostatikum" Allopurinol wird häufig in der
Dauertherapie angewendet. Es hemmt die Bildung der Harnsäure. Die
dadurch vermehrt anfallenden Vorstufen der Harnsäure sind
wesentlich besser wasserlöslich und können daher einfacher über
die Nieren ausgeschieden werden. Es hemmt das Enzym
(Xanthinoxidase), das im Purinstoffwechsel die Bildung von
Harnsäure ermöglicht. Dadurch werden bestimmte
Stoffwechselprodukte, die als Vorstufe bei der Bildung der
Harnsäure beteiligt sind (Hypoxanthin, Xanthin), verstärkt mit
dem Urin ausgeschieden. Die Folge ist eine Senkung des
Harnsäurebestandes. Das Arzneimittel kann die Gicht aber nicht
heilen, der Patient muss es meistens lebenslang einnehmen.
Allopurinol ist gut verträglich, selten kommt es zu unerwünschten
Wirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Reaktionen.
Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion kann es jedoch
zu Komplikationen kommen.
Die "Urikosurika" Benzbromaron und Probenecid werden ebenfalls
dauerhaft eingenommen. Sie bewirken durch eine Hemmung der
Rückresorption der Harnsäure in der Niere eine vermehrte
Ausscheidung dieser Substanz. Sie sind harnsäuretreibende
Medikamente. Es erhöht die Ausscheidung der Harnsäure über die
Nieren. Auf die Bildung von Harnsäure hat es keinen Einfluss. Im
Gegensatz zu Allopurinol wird Benzbromaron nicht über die Nieren
ausgeschieden. Es ist deshalb auch für Patienten mit Störungen
der Nierenfunktion geeignet.
Wenn es nötig ist, den Harnsäurespiegel sehr
rasch zu senken, kann das seit Mai 2001 zugelassene Medikament
Rasburicase eingesetzt werden.
Es wird nicht bei Gicht eingesetzt, sondern um die in Rahmen
einer Krebsbehandlung gesteigerten Harnsäurespiegel zu senken. Es
handelt sich dabei um ein gentechnisch hergestelltes Enzym. Es
wandelt Harnsäure in Allantoin um, das wiederum gut über die
Nieren ausgeschieden werden. Bereits nach einigen Stunden senkt
das Medikament die Harnsäurewerte in den Normalbereich. Es wird
als Infusion insbesondere dann verabreicht, wenn
Nierenerkrankungen ein sofortiges Handeln notwendig machen.
mba
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