Welche Antibiotika greifen in bakteriellen Eiweißaufbau ein?
Die Eiweißbildung der Bakterien unterscheidet sich von der des Menschen. Zu dieser Gruppe der Antibiotika gehören unter anderem die Tetracycline.
Außerdem gehören dazu:
- Makrolide
- Ketolide
- Aminoglykoside
- Lincosamide
- Amphenicole
- Fusidinsäure
- Mupirocin
- Streptogramine
- Oxazolidinone
Wie wirken Tetracycline?
Tetracycline binden an eine Struktur im
Inneren des Bakteriums, die für den Eiweißaufbau verantwortlich
ist und hemmen dadurch die Eiweißproduktion. Tetracycline wirken
gegen ein breites Spektrum von Bakterien. Tetracycline werden zum
Beispiel bei Atemwegs- oder Hautinfektionen eingesetzt.
Tetracycline lagern sich in die Knochen- und
Zahnsubstanz ein. Schwangere und Kinder bis zwölf Jahren dürfen
deshalb keine Tetracycline einnehmen. Häufig verursachen sie
Magen-Darm-Beschwerden. Allergische Reaktionen können bei der
Einnahme von Tetracyclinen ebenfalls vorkommen. Bei manchen
treten auch lichtbedingte Hautreaktionen auf, wie z. B. bei
Doxycyclin. Deshalb sollte während der Einnahme starke
Sonneneinstrahlung vermieden werden. Tetracycline sollten nicht
zusammen mit kalzium-, eisen- oder magnesiumreichen
Nahrungsmitteln, wie zum Beispiel Milch, eingenommen werden.
Dadurch wird die Aufnahme aus dem Darm in den Körper behindert.
Hierbei kommt es zu einer abgeschwächten Wirksamkeit, zudem
bilden sich auch schwerlösliche Komplexe, die zur Schädigung der
Darmflora führen und Superinfektionen begünstigen können.
Wirkstoffe sind beispielsweise:
- Doxycyclin
- Minocyclin
- Tetracyclin
- Oxytetracyclin
- Chlortetracyclin
Wie wirken Makrolide?
Makrolide hemmen eine Struktur, die für den
Eiweißaufbau in Bakterien zuständig ist. Selten kommt es zu
Magen-Darm Beschwerden, wie Durchfällen oder allergischen
Hautausschlägen. Makrolide werden meist bei vorliegender
Penicillinallergie eingesetzt. Makrolide werden oft angewandt bei
Atemwegs-, Harnwegs- oder Hautinfektionen.
- Azithromycin
- Clarithromycin
- Erythromycin -
Ester
- Roxithromycin
- Josamycin
- Spiramycin
Wie wirken Ketolide?
Ketolide sind eine neue Gruppe von
Antibiotika, die mit den Makroliden verwandt sind. Wie diese
hemmen Ketolide ebenfalls die bakterielle Proteinsynthese.
Ketolide werden bei Atemwegsinfektionen eingesetzt. Die häufigste
Nebenwirkung ist Durchfall. Zu den Ketoliden gehört
beispielsweise
Telithromycin.
Wie wirken Aminoglykoside?
Aminoglykoside binden wie Tetracycline und
Makrolide an eiweißaufbauende Strukturen und hemmen dadurch die
Eiweißproduktion. Zusätzlich wird bei den Aminoglykosiden auch
eine Hemmung der Zellmembran vermutet. Bei lokaler Anwendung auf
Haut und Schleimhaut kommt es häufig zu Allergien in Form von
Hautausschlägen. Bei oraler oder Gabe als Infusion können
Aminoglykoside die Nieren schädigen sowie das Innenohr, was zu
Schwindel oder irreversiblen Hörstörungen bis zur Taubheit führen
kann. Bei oraler Gabe treten auch Magen-Darm-Beschwerden auf.
Aminoglykoside können aufgrund der fruchtschädigenden
Eigenschaften nicht in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Sie
werden innerlich bei bestimmten schweren Infektionen eingesetzt
sowie äußerlich bei bestimmten Haut-, Darm- und Augeninfektionen.
Zu den Wirkstoffen gehören beispielsweise:
- Gentamicin
- Neomycin
- Streptomycin
- Tobramycin
- Amikacin
- Netilmicin
- Paromomycin
- Spectinomycin
- Kanamycin
- Dibekacin
Wie wirken Amphenicole?
Amphenicole wirken gegen eine große Anzahl
von Bakterien. Sie unterbinden den Eiweißaufbau, indem sie ein
Enzym hemmen, der die einzelnen Eiweißbausteine miteinander
verbindet. Amphenicole können einen Teil der menschlichen
Eiweißproduktion hemmen, was zu einer reversiblen Störung der
Blutkörperchenentwicklung führt. Hierbei kommt es zu einer
verminderten Bildung vor allem von roten Blutkörperchen.
Magen-Darm-Beschwerden, zum Beispiel Durchfälle, sind relativ
häufig. Chloramphenicol wird während Schwangerschaft und bei
Neugeborenen nicht eingesetzt, da es nicht ausgeschieden werden
kann, und deshalb durch die erhöhte Konzentration das
Grey-Syndrom verursacht. Beim Grey-Syndrom kommt es zu Erbrechen,
Blähungen, Atemnot, grauer Verfärbung der Haut und
Kreislaufkollaps, der zum Tod führen kann. Wegen der schädigenden
Wirkung auf die Blutkörperchen werden Amphenicole innerlich nur
als Reservemittel eingesetzt. Äußerlich werden sie bei bestimmten
Infektionen am Auge eingesetzt. Wirkstoffe sind
beispielsweise:
- Chloramphenicol
- Azidamfenicol
Wie wirken Lincosamide?
Lincosamide hemmen den bakteriellen
Eiweißaufbau. Lincosamide werden als Reserveantibiotika zum
Beispiel bei Patienten mit Penicillin-Allergie eingesetzt. Häufig
treten Magen-Darm-Beschwerden auf. Selten treten durch das
Abtöten der körpereigenen Bakterienflora im Darm Superinfektionen
auf, die zum Teil tödlich verlaufen. Wirkstoffe sind
beispielsweise:
Wie wirkt Fusidinsäure?
Fusidinsäure hemmt den Eiweißaufbau der Bakterien. Es ist
nur gegen wenige Bakterien wirksam. Das Antibiotikum ist
abgesehen von Magen-Darm-Beschwerden gut verträglich und wird
innerlich als Reserveantibiotikum verwendet. Äußerlich wird es
bei bestimmten Hautinfektionen eingesetzt.
Wie wirkt Mupirocin?
Mupirocin
hemmt die bakterielle Proteinsynthese. Es wirkt nur gegen wenige
Bakterienarten und wird nur äußerlich zur Behandlung bestimmter
Hautinfektionen eingesetzt.
Wie wirken Streptogramine?
Streptogramine sind eine neue Gruppe von
Antibiotika, die die bakterielle Proteinsynthese unterbinden. Ein
Vorteil gegenüber älteren Antibiotika ist, dass Streptogramine
aufgrund ihres unterschiedlichen Wirkmechanismus auch gegen
solche Bakterien wirksam sind, die bereits Resistenzen gegenüber
den älteren Antibiotika aufweisen. Sie werden deshalb als
Reserveantibiotika bei schweren Infektionen eingesetzt, wenn
andere Antibiotika nicht mehr wirken, zum Beispiel bei im
Krankenhaus erworbenen Lungenentzündungen oder Haut- bzw.
Weichteilinfektionen. Streptogramine werden als Infusion
verabreicht; dabei kann es zu Entzündungen, Schmerzen oder
anderen Reaktionen an der Einstichstelle kommen. Es werden auch
Muskel- und Gelenkschmerzen beobachtet, die zum
Abbruch der Therapie führen können. Eingesetzt wird
beispielsweise Quinupristin /
Dalfopristin.
Wie wirken Oxazolidinone?
Wie bei den Streptograminen handelt es sich
bei den Oxazolidinonen um eine neue Gruppe von Antibiotika, die
die bakterielle Proteinsynthese hemmen. Aufgrund ihres
unterschiedlichen Wirkmechanismus wirken Oxazolidinone auch bei
vielen Bakterien, die gegenüber anderen Antibiotika bereits
resistent sind. Sie werden deshalb als Reservemittel eingesetzt,
wenn andere Antibiotika wirkungslos geworden sind, zum
Beispiel bei im
Krankenhaus erworbenen Lungenentzündungen oder Haut- bzw.
Weichteilinfektionen. Die am häufigsten auftretenden
Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Zu
den Oxazolidinonen gehört beispielsweise Linezolid.
bcwi
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