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Welche Antibiotika greifen den Aufbau der bakteriellen Erbsubstanz an?

Die Erbsubstanz der Bakterien ähnelt der des Menschen, hat aber auch charakteristische Unterschiede. Zu den Antibiotika, die hier angreifen, gehören beispielsweise die Sulfonamide.

Zu dieser Gruppe von Antibiotika gehören außerdem:

  • Diaminopyrimidine
  • Gyrasehemmer
  • Nitrofurane

Wie wirken Sulfonamide?

Sulfonamide verdrängen einen für das Wachstum bestimmter Bakterien essentiellen Stoff von seiner Bindungsstelle. Dadurch kommt es primär zu einem Folsäuremangel. Folsäure ist essentiell für den Aufbau von Eiweiß- und Erbsubstanzbausteinen. Somit wird, nachdem die Vorräte der Bakterienzelle aufgebraucht sind, der Eiweiß- und Erbsubstanzaufbau gehemmt. Da der menschliche Organismus Folsäure nicht selbst aufbaut, sondern mit der Nahrung aufnimmt, sind keine zellschädigenden Reaktionen zu erwarten. Sulfonamide können durch lokale Reizungen Magen-Darm Beschwerden hervorrufen. Sulfonamide können auch Allergien auslösen, die sich hauptsächlich als Hautausschläge äußern. Schwangere im Geburtszeitraum und Neugeborene dürfen keine Sulfonamide erhalten. Sulfonamide können bei Neugeborenen einen bereits hohen Bilirubinspiegel weiter erhöhen. Dieses kann eine bereits bestehende Neugeborenengelbsucht verstärken und unter Umständen zu Schädigungen des Gehirns führen.

Die Zunahme der gegen Sulfonamide resistenten Bakterienstämme und die Entwicklung wirksamerer Antibiotika hat die Anwendung von Sulfonamiden weitgehend zurückgedrängt. Sulfonamide, besonders Sulfamethoxazol, werden hauptsächlich noch in Kombination mit einer zweiten Gruppe von Antibiotika, die in den Folsäureaufbau eingreifen, eingesetzt. Alleine werden sie bei bestimmten Augeninfektionen verwendet. Wirkstoffe sind beispielsweise:

  • Sulfadiazin
  • Sulfamethoxazol
  • Sulfalen
  • Sulfacetamid

Wie wirken Diaminopyrimidin-Antibiotika?

Diaminopyrimidin-Antibiotika hemmen einen Biokatalysator, der bei der Bildung der Folsäure notwendig ist. Dadurch ist der bei der Zellteilung notwendige Aufbau von Erbsubstanz und Eiweißen nicht mehr möglich, da Folsäure dazu benötigt wird. Diaminopyrimidine wirken gegen zahlreiche Bakterien, sie werden jedoch wegen der schnellen Resistenzbildung selten allein angewandt. Diaminopyrimidine werden meist mit Sulfonamiden kombiniert. Durch die Hemmung des Folsäureaufbaus an zwei verschiedenen Stellen kommt es zu einer Wirkungsverstärkung, die Resistenzbildung wird verzögert und das Wirkungsspektrum erweitert. Als Nebenwirkungen werden Übelkeit und vereinzelt Hautausschläge beobachtet. Die Kombinationen werden häufig bei Atemwegs- oder Harnwegsinfektionen eingesetzt. Wirkstoffe sind beispielsweise:

  • Trimethoprim
  • Cotrimoxazol (Trimethoprim + Sulfamethoxazol)
  • Trimethoprim + Sulfadiazin
  • Trimethoprim + Sulfamerazin
  • Tetroxoprim + Sulfadiazin

Wie wirken Gyrasehemmer?

Gyrasehemmer hemmen einen Biokatalysator, der bei der Verdoppelung der Erbsubstanz während der Zellteilung und bei der Reparatur der Erbsubstanz notwendig ist. Die Hemmung führt zum Tod der Bakterien. Magen-Darm-Beschwerden, Störungen im zentralen Nervensystem wie Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen können bei Einnahme von Gyrasehemmern auftreten. Allergische Reaktionen, die sich zum Beispiel in Hautausschläge äußern, wurden beobachtet. Gyrasehemmer dürfen in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kinder und Jugendlichen wegen des möglichen Auftretens von Knorpelschäden nicht angewendet werden.

Ältere Gyrasehemmer werden sehr schnell über die Niere ausgeschieden und können deshalb nur bei Harnwegsinfektionen eingesetzt werden. Zudem wirken sie nur gegen wenige Bakterienarten.

  • Nalidixinsäure
  • Cinoxacin
  • Pipemidsäure

Neuere Gyrasehemmer besitzen ein breiteres Wirkungsspektrum. Sie werden außer bei Harnwegsinfektionen unter anderem auch bei Atemwegsinfektionen eingesetzt. Wirkstoffe sind beispielsweise:

  • Ciprofloxacin
  • Norfloxacin
  • Ofloxacin
  • Enoxacin
  • Fleroxacin
  • Moxifloxacin
  • Levofloxacin
  • Lomefloxacin
  • Gatifloxacim
  • Sparfloxacin

Wie wirken Nitrofurane?

Nitrofurane schädigen die bakterielle Erbsubstanz, indem sie Strangbrüche hervorrufen. Von Bedeutung ist nur Nitrofurantoin, welches nur im Harn wirksame Konzentrationen erreicht und deshalb bei Harnwegsinfektionen eingesetzt wird. Nitrofurantoin wird nur noch als Reserveantibiotikum eingesetzt. Häufig treten Magen-Darm-Beschwerden auf, selten allergische Hautreaktionen, die zum Teil schwerwiegend sein können. Wirkstoffe sind beispielsweise:

  • Nitrofurantoin
  • Nitrofural

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Letzte Änderung: 10.09.2003