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Welche Antibiotika greifen die bakterielle Zellwand an?

Zu dieser Gruppe von Antibiotika gehören unter anderem die Penicilline und die Cephalosporine. Da menschliche Zellen im Gegensatz zu Bakterien keine Zellwand besitzen, hemmen diese Antibiotika die Bakterien zielgerichtet.

Zusätzlich gehören zu dieser Gruppe:

  • Carbapeneme
  • Monobactame
  • Glykopeptide
  • Fosfomycin

Wie wirken Penicilline?

Penicilline zeichnen sich durch eine gute Wirksamkeit und eine relativ gute Verträglichkeit aus. Sie werden bei Infektionen durch penicillin-empfindliche Erreger zum Beispiel bei Atemwegs- und Harnwegsinfektionen als Mittel der ersten Wahl eingesetzt. Penicilline wirken bakterizid, dass heißt sie töten Bakterien ab. Dies gelingt ihnen, indem sie die Enzyme (Biokatalysatoren) hemmen, die die einzelnen Zellwandbausteine miteinander verbinden. Der menschliche Organismus besitzt diese Enzyme nicht, was die gute Verträglichkeit der Penicilline erklärt. Penicilline können auch während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.

Die häufigsten Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Penicillinen auftreten, sind Magen-Darm-Beschwerden, wie Übelkeit und Durchfall. Penicilline können Allergien hervorrufen, die sich häufig als Hautausschlag äußern. Bei einigen Penicillinen, wie Amoxicillin und Ampicillin, treten die Hautausschläge bei circa 5 bis 20 Prozent der Patienten auf, bei anderen Penicillinen in 0,5 bis 2 Prozent der Patienten. Sehr selten kann die Einnahme von Penicillinen zu einem so genannten anaphylaktischen Schock führen. Bei einem anaphylaktischen Schock handelt es sich um eine lebensbedrohliche Allergie. Der Betroffene klagt unter anderem über Schwindel und Atemnot, und muss sofort ärztlich behandelt werden.

Bei den Penicillinen unterscheidet man Penicilline, die gegen wenige Bakterienarten wirksam sind (Schmalspektrum-Penicilline) und solche die gegen eine größere Anzahl von Bakterienarten eingesetzt werden (Breitspektrum-Penicilline). Wirkstoffe sind beispielsweise:

Schmalspektrum-Penicilline

  • Benzylpenicillin (Penicillin G)
  • Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V)
  • Propicillin
  • Oxacillin
  • Dicloxacillin
  • Flucloxacillin

Breitspektrum-Penicilline

  • Ampicillin
  • Ampicillin + Sulbactam
  • Amoxicillin
  • Amoxicillin + Clavulansäure
  • Bacampicillin
  • Mezlocillin
  • Piperacillin
  • Piperacillin + Tazobactam

Wie wirken Cephalosporine?

Cephalosporine besitzen eine ähnliche Struktur wie Penicilline. Ihre Wirkungsweise entspricht der der Penicilline, das heißt sie hemmen den Zellwandaufbau der Bakterien. Sie haben ebenfalls eine gute Wirksamkeit und eine geringe Toxizität. Sie werden deshalb nach den Penicillinen als Antibiotika der ersten Wahl eingesetzt. Cephalosporine können auch in Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden.

Bei oral eingenommenen Cephalosporinen kommt es häufig zu Magen-Darm Beschwerden, wie Durchfall und Übelkeit. Hautausschläge treten bei weniger als fünf Prozent aller Patienten auf. Wird das Cephalosporin gespritzt, kann es an der Einstichstelle zu Irritationen kommen.

Cephalosporine werden eingeteilt nach ihrem Wirkungsspektrum und ob sie oral beziehungsweise parenteral (als Injektion oder Infusion) verabreicht werden können. Sie werden unter anderem bei Atem- und Harnwegsinfektionen eingesetzt. Zu den Wirkstoffen gehören beispielsweise:

Oralcephalosporine

Schmales Wirkungsspektrum

  • Cefaclor
  • Cefadroxil
  • Cefalexin
  • Loracarbef

Erweitertes Wirkungsspektrum

  • Cefixim
  • Cefuroximaxetil
  • Cefpodoximproxetil
  • Cefetametpivoxil

Parenteral-Cephalosporine

Schmaleres Wirkungsspektrum

  • Cefazolin
  • Cefuroxim
  • Cefoxitin
  • Cefotiam

Breitspektrum-Cephalosporine

  • Cefotaxim
  • Ceftazidim
  • Cefepim
  • Ceftriaxon

Wie wirken Carbapeneme?

Carbapeneme sind verwandt mit den Cephalosporinen und Penicillinen. Wie diese hemmen sie den Zellwandaufbau der Bakterien. Aufgrund ihres breiten Wirkungsspektrums und der relativ guten Verträglichkeit werden Carbapeneme oft als initiale Therapie bei schweren Infektionen eingesetzt. Es werden ähnliche Nebenwirkungen wie bei den Cephalosporinen beobachtet, zum Beispiel Reaktionen an der Einstichstelle und Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Übelkeit. Wirkstoffe sind beispielsweise:

  • Imipenem/Cilastatin
  • Meropenem
  • Ertapenem

Wie wirken Monobactame?

Monobactame hemmen ebenfalls den Aufbau der bakteriellen Zellwand. Sie wirken gegen ein breites Spektrum von Bakterien, auch gegen solche, die gegenüber anderen Antibiotika  resistent sind. Unter Monobactam-Behandlung kann es unter anderem zu Magen-Darm-Beschwerden und allergischen Reaktionen, vor allem Hautreaktionen, kommen. Monobactame werden unter anderem bei Nieren- und Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen, und Blutvergiftungen (Sepsis) eingesetzt. Zu den Monobactamen gehört beispielsweise Aztreonam.

Wie wirken Glykopeptid-Antibiotika?

Glykopeptid-Antibiotika binden an die Enden der Zellwandketten und verhindern die weitere Verlängerung und Querverknüpfung. Sie können nur als Infusion oder Injektion gegeben werden und sind relativ schlecht verträglich. Glykopeptid-Antibiotika können die Nieren schädigen. Weiterhin kann es zu Schädigungen des Innenohrs kommen, was zu Hörverlusten, Schwindel oder Ohrklingen führen kann. Sie werden als Reservemittel bei schweren Infektionen durch bestimmte Bakterien eingesetzt. Wirkstoffe sind beispielsweise:

  • Vancomycin
  • Teicoplanin

Wie wirkt Fosfomycin?

Fosfomycin hemmt den Aufbau der bakteriellen Zellwand. Es ist wirksam gegen ein breites Spektrum von Bakterien, jedoch entwickeln sich relativ schnell Resistenzen gegen Fosfomycin. Fosfomycin kann Leberfunktionsstörungen und allergische Reaktion hervorrufen. Wenn es injiziert wird, kann es zu Reizungen an der Einstichstelle führen. Fosfomycin wird als Reserveantibiotikum eingesetzt.

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Letzte Änderung: 01.07.2005