Wie stellt der Arzt eine Blutarmut fest?
Da nicht jeder blasse Patient, der über Kopfschmerzen und Schwindel klagt, zwingend an einer Anämie leiden muss oder eine Anämie nicht immer mit ausgeprägten Symptomen einhergeht, gehört die genaue Diagnose in die Hand eines Facharztes. Ihm stehen eine Reihe Untersuchungsmethoden zur Verfügung.
Zuerst wird sich der Arzt ein Bild von der
äußeren Erscheinung seines Patienten machen; er wird eingehend
die Handinnenflächen, die Schleimhäute und die Bindehaut
betrachten und er wird Pulsfrequenz und Blutdruck erfassen.
Vermutet er, dass hinter den Störungen eine Anämie steckt, wird
er seine Diagnose mittels einer genauen Blutuntersuchung zu
bestätigen versuchen. Bereits das rote Blutbild liefert ihm
wichtige Informationen.
Einen Hinweis, mit welcher Anämieform er es
im Einzelfall zu tun hat, bekommt der Arzt, indem er Größe, Form
und Aussehen der roten Blutkörperchen im Mikroskop untersucht und
den Gehalt an Hämoglobin bestimmt. Daneben muss der prozentuale
Anteil aller roten Blutkörperchen am Gesamtblutvolumen stimmen
(Hämatokrit).
Eine exakte Diagnose liefern anschließend
spezifische Einzeluntersuchungen:
Beispielsweise findet der Spezialist bei
einer Eisenmangelanämie zu wenig Ferritin im Körper. Ferritin ist
eine Verbindung, mit der der Organismus überschüssiges Eisen
speichert, um in Notzeiten darauf zurückgreifen zu können.
Gleichzeitig ist bei einer Eisenmangelanämie der Gehalt an
Transferrin, einer Eiweißverbindung, mit deren Hilfe der Körper
Eisen transportiert, erhöht. Um der Ursache des Eisenmangels auf
den Grund zu gehen, wird der Arzt beispielsweise:
-
Den Stuhl auf Blut untersuchen (Hämoccult-Test)
-
Eine Magen- und Darmspiegelung einleiten
-
Eine gynäkologische oder urologische Untersuchung
anschließen
-
Mit einem speziellen Eisenresorptionstest nachweisen,
ob eine Aufnahmestörung im Darm vorliegt
Megaloblastäre Anämien gehen je nachdem mit
einem verminderten Gehalt an Folsäure oder Vitamin B12
im Blut einher.
Wenn im Rahmen von hämolytischen Anämien
Blutzellen im Übermaß absterben, steigt automatisch der Gehalt an
Bilirubin (Gelbsucht) im Serum an.
Eine Thalassämie und Sichelzellanämie
erkennt der Arzt mittels Hämoglobin-Elektrophorese, einem
besonderen Verfahren, bei dem sich beobachten lässt, wie schnell
sich eine Verbindung auf einem Gel fortbewegt.
Um eine aplastische Anämie aufzudecken, wird
der Arzt das Knochenmark untersuchen (Knochenmarkbiopsie).
Bei Nierenversagen und gleichzeitig
niedrigem Hämatokritwert (weniger rote Blutkörperchen im Blut
enthalten) kann eine renale Anämie vorliegen.
ssch
|