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Welche Ursachen hat Blutarmut?

Die verschiedenen Formen der Anämie haben unterschiedliche Ursachen. Anämien gehen entweder auf defektes Hämoglobin, auf eine unzureichende Bildung roter Blutkörperchen im Knochenmark, ihren frühzeitigen Zerfall oder auf akute und chronische Blutungen zurück.

Ursachen einer Eisenmangelanämie

Eisenmangel ist die weltweit am häufigsten verbreitete Mangelerkrankung überhaupt, wobei sich ein klares geographisches Gefälle abzeichnet. Vor allem in den Entwicklungsländern, leiden Menschen durch die unzureichende Ernährung unter Eisenmangel. Daneben sind besonders gefährdet:

  • Menstruierende Frauen
  • Schwangere
  • Ausdauersportler
  • Heranwachsende
  • Ältere Menschen
  • Vegetarier
  • Schmerzpatienten, die häufig nichtsteroidale Antirheumatika, wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, einnehmen.

In der Hauptsache führen Blutungen dazu, dass das wichtige Mineral fehlt. So begründet bereits ein täglicher Verlust von vier bis fünf Milliliter Blut einen Eisenmangel. Wichtige Ursachen für einen Blutverlust sind:

  • Blutungen aus dem Verdauungstrakt, zum Beispiel durch ein Magengeschwür, eine Gastritis, bösartige Tumore, Hämorrhoiden oder Darmpolypen
  • Verletzungen oder Operationen
  • Häufige Blutspenden
  • Menstruation oder hoher Blutverlust bei der Geburt
  • Dialyse
  • Häufiges Nasenbluten

Daneben fehlt dem Körper Eisen beispielsweise durch:

  • Eine eisenarme Ernährung mit wenig oder gar keinem Fleisch, weil der Körper Eisen aus Pflanzen nur schlecht verwerten kann.
  • Eine verminderte Aufnahme von Eisen aus dem Magen-Darmtrakt als Folge von Erkrankungen.
  • Einen erhöhten Eisenbedarf während der Schwangerschaft, der Stillzeit, bei Kindern und bei Sportlern.

Ursachen einer perniziösen Anämie

Der Körper braucht täglich etwa ein Mikrogramm Vitamin B12 (Cyanocobalamin). Zu einem Mangel kommt es meistens dann, wenn der sogenannte Intrinsic Factor fehlt. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der in der Schleimhaut des Magens gebildet wird und der das Vitamin aus dem Dünndarm heraus ins Blut schleust.

Das Transportmolekül fehlt zum Beispiel:

  • Wenn sich Antikörper gegen die Zellen, die den Intrinsic Factor produzieren, richten und sie zerstören (Autoimmungastritis).
  • Nach der totalen Entfernung des Magens, beispielsweise bei Magenkrebs.

Daneben mangelt es an Vitamin B12:

  • Im Rahmen von Dünndarmerkrankungen (Morbus Crohn).
  • Wenn sich im Verdauungstrakt der Fischbandwurm oder krankmachende Bakterien ansiedeln.
  • Wenn größere Abschnitte des Dünndarms entfernt wurden.
  • Auch Menschen, die zu wenig Fleisch, Fisch oder Eier verzehren, laufen Gefahr, den Körper unterzuversorgen.

Ursachen einer Folsäuremangelanämie

Der Tagesbedarf liegt bei 400 Mikrogramm Folsäure. Ursachen für eine Folsäuremangelanämie ist ein Ungleichgewicht zwischen Bedarf und Zufuhr.

  • Erhöhter Bedarf während der Schwangerschaft.
  • Erhöhter Bedarf bei Kindern, die stark wachsen.
  • Erhöhter Bedarf bei Dialysepatienten.
  • Verminderte Aufnahme bei Dünndarmerkrankungen.
  • Behandlung mit Arzneimitteln, die die Aufnahme von Folsäure verhindern.
  • Folsäurearme Ernährung mit zuwenig frischem Obst und Gemüse häufig bei Alkoholikern, Drogenabhängigen und älteren Menschen.

Ursachen hämolytischer Anämien

Die Überlebenschance der roten Blutkörperchen sinkt, wenn bestimmte Enzyme fehlen, (Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase beim Favismus) oder wenn die Form der roten Blutkörperchen von der Norm abweicht (Kugelgestalt bei der Spärozytose aufgrund einer Störung in der Außenwand des Erythrozyten). Beim Favismus sterben die Erytrozyten erst ab, wenn die Patienten bestimmte Medikamente oder Speisen zu sich nehmen.

Daneben geht der  krankhafte Zerfall der roten Blutkörperchen auf Einflüsse von außen zurück. Mögliche Ursachen sind:

  • Mikroorganismen (Erreger der Malaria, Streptokokken, Erreger der Cholera),
  • Chemikalien wie Blei oder Arsen, manche Schlangengifte, das Gift des Knollenblätterpilzes,
  • Arzneistoffe (Zytostatika, Cephalosporine, Indometacin),
  • Manchmal zerstört das Immunsystem die roten Blutkörperchen (Autoimmuhämolytische Anämie).

Bei der Sichelzellanämie und der Thalassämie führt ein Defekt im Hämoglobinmolekül dazu, dass die Erythrozyten nur kurz überleben.

Bei der Sichelzellanämie hat sich in eine der vier Hämoglobinketten eine falsche Aminosäure geschmuggelt. Die Erkrankung wird vererbt und grassiert vor allem unter der Bevölkerung des tropischen Afrikas. Betroffene leiden meist schon im Kindesalter unter lebensbedrohlichen Thrombosen in allen Organen.

Bei der Thalassämie läuft die Synthese der Hämoglobinketten fehlerhaft ab. Auch diese Anämieform wird vererbt und ist besonders im Mittelmeerraum, dem Nahen Osten, Afrika und Teilen Südostasiens verbreitet. Manche bezeichnen sie deshalb auch als Mittelmeeranämie.

Bei einer hämolytischen Anämie filtert die Milz die abnormen roten Blutkörperchen aus dem Blut heraus und baut sie ab. Um diesen Vorgang zu kompensieren, vergrößert sich das Organ.

Ursachen der aplastische Anämie

Häufig gibt es keinen ersichtlichen Grund, warum Blutzellen nur unvollständig heranreifen. Die Veranlagung für die Erkrankung liegt vielfach in den Genen. Manchmal bringen aber auch Medikamente oder bestimmte Chemikalien den Stein ins Rollen. Auch Bestrahlungen oder Infektionen können die Blutbildung im Knochenmark empfindlich beeinträchtigen. Die Erkrankung ist akut lebensbedrohlich.

Ursachen der renalen Anämie

Im Rahmen eines chronischen Nierenversagens produziert die Niere zu wenig Erythropoetin – ein lebenswichtiges Hormon, das die Bildung von roten Blutkörperchen im Knochenmark anregt. Die Folge: Der Nachschub an Erythrozyten kommt ins Stocken, was sich negativ auf die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff auswirkt. Die roten Blutkörperchen leben nämlich nur begrenzt und müssen ständig nachgebildet werden. Vor allem Diabetiker entwickeln häufig eine chronische Niereninsuffizienz.

Ursachen der sideroachrestischen Anämie

Bei dieser Unterart der Blutarmut kann der Körper das Eisen, das ihm zur Verfügung steht, nicht richtig verwerten. Obwohl die Speicher genügend Eisen beinhalten, werden Hämoglobinmoleküle mit dem Mineralstoff unterversorgt.

Krankheiten als Ursache

Verschiedene Krankheiten gehen mit Blutarmut einher. Bei einer Infektion oder einem Karzinom, beansprucht das retikuloendotheliale System – ein netzförmiges Gewebe, das zum Lymphsystem zählt – das Eisen für sich. Im Zuge dessen bleibt kaum mehr etwas übrig für die Produktion von Hämoglobin. Manche Tumoren verdrängen die Vorläuferzellen der Erythrozyten aus dem Knochenmark und es bilden sich in der Folge kaum noch rote Blutkörperchen. Auch zerstört die Chemo- oder Strahlentherapie Nierenzellen, die Erythropoetin hervorbringen.

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Letzte Änderung: 20.08.2003