Welche depressionslösenden Arzneimittel werden eingesetzt?
Der genaue Wirkungsmechanismus der Antidepressiva ist noch nicht geklärt. Vermutlich greifen sie in den Botenstoffhaushalt des Gehirns ein.
Antidepresiva werden nach ihrer chemischen Struktur eingeteilt
und danach, welchen Botenstoff sie besonders beeinflussen.
Antidepressiva entfalten ihre Wirkung erst
nach zwei bis drei Wochen. Die Behandlung ist grundsätzlich
langfristig und dauert einige Monate bis Jahre, teilweise sogar
lebenslang an. Die Nebenwirkungen treten aber sofort ein. Zu
Beginn einer Therapie kann das Reaktionsvermögen verändert sein,
daher sind die aktive Teilnahme am Straßenverkehr zu vermeiden.
Alkohol sollte während der Therapie vermieden werden. Bei
Antidepressiva besteht keine Suchtgefahr, das bedeutet, dass man von diesen
Medikamenten nicht abhängig wird.
Die Antidepressiva werden in Untergruppen
unterteilt. Diese sind:
-
Tricyclische und tetracylische Antidepressiva
-
MAO-Hemmer
-
Selektive Serotonin - Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
-
Sonstige synthetische Antidepressiva
-
Lithium
-
Johanniskraut
Die Behandlung einer Depression gehört
grundsätzlich in die Hand des Arztes. Bis auf Johanniskraut
müssen alle Antidepressiva vom Arzt verschrieben werden. Je nach
Wirkstoff wirken die Antidepressiva beruhigend oder aktivierend.
Bei der Auswahl werden diese Wirkungen mit berücksichtigt.
Außer gegen Depressionen werden
Antidepressiva eingesetzt bei:
-
Panikstörungen
-
Angststörungen
-
Zwangsstörungen
-
chronischen Schmerzen
-
Entzugssyndrome
-
Beruhigende Antidepressiva werden auch gegen
Schlafstörungen eingesetzt.
Tricyclische und tetracyclische Antidepressiva
Die tricylischen und tetracyclische
Antidepressiva sind nach ihrer chemischen Struktur benannt. Sie
ähneln sich in ihrer Wirkung. Diese Medikamentengruppe hat sich
seit Jahren bewährt. Sie wirkt auf verschiedene Botenstoffe im
Gehirn wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Zu den häufigsten
Nebenwirkungen gehören Blutdruckabfall mit Schwindelanfällen,
Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit und Gewichtszunahme.
Wirkstoffe (wenn nicht anders vermerkt,
gehören sie zu den
tricyclischen Antidepressiva) sind insbesondere:
- Mianserin
(tetracyclisch)
- Maprotilin
(tetracyclisch)
- Mirtazapin
(tetracyclisch)
MAO-Hemmer
Die MAO-Hemmer hemmen das Enzym
Monoaminoxidase (MAO), das Botenstoffe abbaut. Wird dieser Abbau
gehemmt, liegen mehr Botenstoffe vor. MAO-Hemmer erhöhen also die
Konzentration verschiedener Botenstoffe im Gehirn.
Das Enzym MAO existiert in zwei Unterformen,
A und B. Die verschiedenen MAO-Hemmer unterscheiden sich unter
anderem darin, welche Unterform sie hemmen. Verschiedene
MAO-Hemmer können das Enzym entweder dauerhaft oder zeitweise
hemmen. Bei einer dauerhaften Hemmung hält ihre Wirkung nach Ende
der Einnahme noch etwa zwei Wochen an. So lange dauert es, bis
sich genug neue Enzyme gebildet haben.
Wirkstoffe
- Tranylcypromin hemmt
beide Unterformen des Enzyms dauerhaft. Wird dieser Arzneistoff
eingenommen, sollte auf Lebensmittel, die die Aminosäure Tyramin
enthalten, verzichtet werden. Sonst kann es zu Blutdruckanstieg
kommen. Tyraminreiche Lebensmittel sind zum Beispiel Rotwein oder
Käse.
- Moclobemid hemmt nur
die Unterform A für kurze Zeit.
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Bei Depressionen wird ein Mangel an dem
Botenstoff Serotonin vermutet. Die SSRI erhöhen die
Serotoninmenge im Gehirn. Sie wirken, indem sie eine
Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzelle verhindern. Durch
diese Unterbrechung des natürlichen Kreislaufs liegt mehr
Serotonin im Spalt zwischen zwei Nervenzellen vor. Dadurch wird
der Serotoninmangel aufgehoben.
Die SSRI sind seit einigen Jahren auf dem
Markt. Auch ihre Wirkung setzt erst ein bis zwei Wochen ein.
Wirkstoffe sind insbesondere
Weitere synthetische Antidepressiva
- Reboxetin steigert die Aktivität
von Noradrenalin und Serotonin und gehört zu Klasse der
Spezifische Noradrenalin –Wiederaufnahmehemmer (NRI).
- Venlafaxin steigert
die Aktivität von Serotonin und Noradrenalin. Dieser Wirkstoff
gehört zu den Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
(SNRI)
- Oxitriptan (eine
Vorstufe des Botenstoffes Serotonin)
- Viloxazin
Lithium
Lithiumsalze werden vor allem bei manisch-depressiven
Erkrankungen eingesetzt. Der Wirkungsmechanismus ist noch nicht
vollständig geklärt. Die Wirkung setzt erst nach einigen Wochen
ein. Die Dosis wird individuell angepasst und durch den Arzt
genau kontrolliert.
Johanniskraut
Johanniskraut ist eine einheimische
Heilpflanze. Ihre Extrakte werden gegen leichte Depressionen
eingesetzt. Die verantwortlichen Inhaltsstoffe sind noch nicht
restlos erforscht. Johanniskraut wirkt erst nach einigen Tagen.
Wichtig ist eine ausreichend hohe Dosierung, die sich nach dem
verwendeten Extrakt richtet. Die Nebenwirkungen sind geringer als
bei den meisten synthetischen Antidepressiva.
Johanniskraut sollte nicht angewendet werden
bei schweren Depressionen. Tritt nach vier bis sechs Wochen keine
Besserung ein, wird der Arzt auf ein stärker wirksames
Antidepressivum ausgeweichen.
Verwendete Literatur
sell
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