Welche Arzneimittel unterstützen das Immunsystem?
Extrakte verschiedener Heilpflanzen, bakterielle Mittel, homöopathische- und anthroposophische Zubereitungen können die natürlichen Abwehrkräfte anregen.
Präparate, die ganz allgemein die
körpereigene Abwehr steigern sollen – unabhängig von der
Art der Erreger – sollen "paraimmunisieren".
Diese Form der Immunisierung ist nicht erregerspezifisch. Sie
führt zu einem schnellen, aber nur kurz andauernden Schutz. Die
allgemeine Abwehrbereitschaft des Körpers soll aktiviert und
gesteigert werden. Eine Erklärungstheorie ist, dass mehr weiße
Blutkörperchen (Granulozyten und Makrophagen) aktiviert, ihre
"Fressleistung" gesteigert und mehr Botenstoffe
(Interferone, Interleukin 2) produziert werden.
Ein Teil der Immunstimulantien wirkt durch
eine aktive oder passive Immunisierung (wie eine
"Impfung") erregerspezifisch, d. h. bestimmte Erreger
sollen unschädlich gemacht werden.
Heilpflanzen
Die bekannteste Heilpflanze zur Stimulation
des Immunsystems ist der
Sonnenhut (Echinacea purpurea). Der Presssaft, der aus den
frischen blühenden Pflanzen gewonnen wird, wird durch Zusatz von
Alkohol haltbar gemacht, damit er nicht durch Gärung verdirbt.
Zunächst wuchsen die Pflanzen nur im Mittelwesten der USA. Schon
die Indianer verwendeten Echinacea als Heilpflanze bei
fieberhaften Erkrankungen und schlechter Wundheilung. Inzwischen
wird Echinacea auch in Europa angebaut. Nach heutigen
Erkenntnissen sind für die Wirksamkeit verschiedene Inhaltsstoffe
aus dem Presssaft, besonders die Zuckerstrukturen,
verantwortlich.
Weitere Heilpflanzen, die häufig auch mit
Sonnenhut kombiniert werden, sind:
- Wilder Indigo (Baptisia
tinctoria)
-
Lebensbaum (Thuja Occidentalis). Er stammt ursprünglich
im östlichen Nordamerika und wird bei uns als Zierbaum oder
–strauch angepflanzt. Pharmazeutisch verwendet werden die
Zweigspitzen junger Triebe in der Form eines Teeaufgusses oder
als alkoholischer Auszug.
-
Wasserdost (Eupatorium perfoliatum)
Sie sind häufig auch in homöopathischen
Arzneimitteln (siehe unten) enthalten.
Die
Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) gedeiht in
Südsibirien bis Nordchina als zwei bis drei Meter hoher Strauch
mit dornigen Stacheln. Aus der Wurzel wird ein alkoholischer
Extrakt hergestellt. Botanisch ist die Taigawurzel mit dem
Ginseng verwandt. Ihr wird neben immunsteigernder Wirkung auch
ein besseres Anpassungsvermögen an Stress und eine allgemeine
Leistungssteigerung zugeschrieben.
Aus der Wurzel der südafrikanischen
Kapland-Pelargonie - einer Geranienart - wird der Umckaloabo-Extrakt gewonnen, der
immunmodulierende, antimikrobielle und stark schleimlösende
Eigenschaften hat. Die Bezeichnung Umckaloabo stammt aus der
Zulu-Sprache und bedeutet "schwerer Husten".
Prophylaktisch wird der Extrakt für drei bis vier Wochen zur
Vorbeugung von Atemwegsinfekten eingesetzt.
Da noch nicht mit letzter Sicherheit
nachgewiesen werden konnte, welche spezifischen Inhaltsstoffe der
Gesamtextrakte für die Stärkung des Abwehrsystems verantwortlich
sind, konkurrieren verschiedene Präparate mit unterschiedlichen
Herstellungsverfahren am Markt. Mehrfachzucker und Eiweißstoffe (
Polysaccharide, Glykoproteine und Peptide) werden gegenwärtig als
wirksame Bestandteile der pflanzliche Immunstimulantien
betrachtet.
Vitamin C
Vitamin C oder Ascorbinsäure ist eine
Substanz, die das Immunsystem ebenfalls stabilisieren kann.
Vitamin C kann der Körper nicht selbst herstellen, es ist aber
lebenswichtig (essentiell).
Am einfachsten ist es, Vitamin C über die
Nahrung aufzunehmen (frisches Obst und Gemüse, besonders
Zitrusfrüchte, Paprika, Kiwi). Bei einem Mangel kann Vitamin C
auch losgelöst von der Nahrung mit Tabletten o. ä. zugeführt
werden.
Die empfohlene Tagesration für Erwachsene
liegt bei 60 bis 80 Milligramm. Der Körper speichert
Ascorbinsäure nur schlecht. Daher ist es nicht sinnvoll, große
Mengen auf einmal aufzunehmen, da das Meiste davon ungenützt
ausgeschieden wird.
Bakterien und deren Auszüge
Diese Arzneimittel zur Steigerung der
Abwehrkräfte enthalten lebende oder abgetötete Mikroorganismen
oder Auszüge aus Bakterien (Lysate). Sie sollen die Darmflora
stärken und damit das Immunsystem aktivieren. Verwendet werden
beispielsweise:
-
Escherichia coli
- Lactobacillus acidophilus
- Enterococcus faecalis
Im menschlichen Darm leben Milliarden von
Bakterien (Darmflora), die den Körper vor Infektionen schützen.
Diese nützlichen Bakterien stellen unter anderem auch die
Vitamine K und Vitamin B12 her und regulieren die
Darmtätigkeit.
Eine intakte Darmflora verhindert, dass sich
mit der Nahrung aufgenommene Erreger an der Darmwand anheften und
dort ihre krankheitserregenden Eigenschaften entfalten können.
Erst durch die Anwesenheit dieser schützenden Bakterien kann sich
die Darmschleimhaut den Körper vor Infektionen schützen. Aus dem
Darm gelangen sie kontinuierlich ins Körperinnere. Dort treten
sie mit den Zellen des Immunsystems in Verbindung und trainieren
sie. Ein gut trainiertes Immunsystem kann die meisten schädlichen
Einflüsse abwehren und so den Menschen gesund erhalten.
Die Gabe von Bakterien in Kapselform
beeinflusst die Darmschleimhaut und fördert ihre immunologisch
aktive Funktion. Hierzu dienen lebende und abgetötete Bakterien,
die keine krankheitserregenden Eigenschaften haben. Sie sollen
einen Trainingseffekt auf das Immunsystem des gesamten Körpers
ausüben. Bei einem phasenweisen Einsatz der Präparate beginnt der
Patient mit der Einnahme von Arzneimitteln mit abgetöteten
Bakterien. Im späteren Verlauf werden Präparate, die lebende
Bakterien enthalten, eingesetzt.
Erkältungen werden eigentlich durch Viren
ausgelöst, was das Immunsystem weiter schwächt. Diese
Abwehrschwäche nutzen manche Bakterien (missverständlich häufig
"Erkältungsbakterien" genannt)
aus. Sie infizieren den ohnehin schon geschwächten Körper. Als
Immunmodulatoren bei Erkältungen werden diese Bakterien als
gefriergetrocknete Bakterienextrakte gegeben. Hierzu gehören
Extrakte aus:
-
Haemophilus influenzae
-
Diplococcus pneumoniae
-
Klebsiella pneumoniae
- Staphylococcus aureus
- Streptococcus pyogenes
-
Neisseria catarrhalis
Diese Arzneimittel wirken als Immunmodulator
quasi wie eine Impfung mit Tabletten. Abgetötete und nicht mehr
vermehrungsfähige Bakterienteile gelangen in den Körper und
werden dort als Fremdstoffe erkannt. Sie sollen die Bildung von
Antikörpern, sozusagen der körpereigenen Schutzpolizei, auslösen.
Bei einem erneuten Kontakt des Körpers mit diesen Bakterien ist
der Körper dann besser vorbereitet und kann sich schneller gegen
mögliche Infektionen wehren.
Homöopathische und anthroposophische Arzneimittel
Hierunter fallen Einzelsubstanzen, die der
Arzt nach homöopathischer oder anthroposophischer
Einzelfallanamnese (individuelles Krankheitsgeschehen) ermittelt.
Ihr Einsatz richtet sich nach dem homöopathischen oder
anthroposophischen Arzneimittelbild der Substanz.
Fälschlicherweise werden von Laien
pflanzliche Präparate häufig Homöopathika gleichgesetzt.
Homöopathika unterliegen anderen Richtlinien als die meisten
pflanzlichen Arzneimittel.
Die Heilpflanzen werden auch in der
Schulmedizin (siehe oben) angewendet, dort aber in wesentlich
höheren Konzentrationen. In der Homöopathika sind die
lateinischen Namen gebräuchlich. Meist enthalten Sie
Zubereitungen von:
Echinacea
angustifolia (Schmalblättriger Sonnenhut) eignet sich
besonders zur Vorbeugung von Erkältungen.
Aconitum
napellus (Blauer Eisenhut) besitzt entzündungshemmende
Eigenschaften und beeinflusst das Anfangsstadium fieberhafter
Erkrankungen, die durch Schüttelfrost und Kältegefühl
gekennzeichnet ist.
Atropa
belladonna (Tollkirsche) wirkt gegen Erkrankungen der
unteren und oberen Atemwege (z. B. Schnupfen, Halsentzündung).
Sie lindert Kopfschmerzen und den "heißen Kopf"
bei grippalen Infekten.
Eupatorium
perfoliatum (Wasserdost) hat sich bei Fieber mit
allgemeinem Schwächegefühl (Zerschlagenheit, Schwindel) und
Gliederschmerzen bewährt.
Daneben gibt es Präparate, die verschiedene
Substanzen in homöopathischer Verdünnung kombinieren.
Homöopathische Komplexpräparate setzen sich aus verschiedenen
Einzelsubstanzen in unterschiedlicher homöopathischer Zubereitung
zusammen, deren Arzneimittelbilder sich ergänzen. Daher können
sie auch nach klinischen Anwendungsgebieten eingesetzt
werden.
Die Aufnahme der Wirkstoffe erfolgt
besonders gut durch die Mundschleimhaut. Am besten werden diese
Arzneimittel durch Lutschen oder langes Im-Mund-Behalten
aufgenommen.
Wundermittel Immunstimulantien?
Medikamente müssen ihre Wirksamkeit in
Studien beweisen. Sie enthalten konzentrierte und standardisierte
Extrakte. Ziel der Standardisierung ist eine kontrollierbare,
gleichbleibende Wirksamkeit. Verlassen Sie sich nicht auf
Kuriositäten mit zweifelhaftem Nutzen, die in der Boulevardpresse
beworben werden. Algenextrakte, Fruchtkerne oder andere als
Nahrungsergänzungsmittel vermarktete Präparate unterliegen nicht
den Wirksamkeits- und auch nicht den Qualitätserfordernissen für
Arzneimittel.
Beispiel
Apfelessig: Er enthält das Mineral Kalium und soll durch
seinen Kupfergehalt die Bildung von Antikörpern anregen. Seine
abwehrstärkende Wirkung konnte nicht nachgewiesen werden. Studien
unter Laborbedingungen haben vielfach Wirkungen erst in
Dosierungen gezeigt, die in der gewöhnlichen Kost nicht oder nur
schwer erreicht werden.
rswg
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