Welche Arzneimittel werden gegen zu schnelle Herzfrequenz und zusätzliche Herzschlägen eingesetzt?
Gegen Herzrhythmusstörungen mit zu raschen Herzschlägen oder zusätzlichen Schlägen werden viele verschiedene Wirkstoffe eingesetzt. Sie werden daher nach ihrem Wirkungsmechanismen in verschiedene Klassen eingeteilt. Dazu gehören die Klasse-I-Antiarrhythmika (Natriumkanalblocker), die Klasse-II-Antiarrhythmika (Beta-Rezeptorenblocker), die Klasse-III-Antiarrhythmika (Kaliumkanalblocker) und die Klasse-VI-Antiarrhythmika (Kalziumkanalblocker). Daneben werden Herzglykoside, Adenosin, Magnesium und Kalium angewandt.
Wie wirken Klasse-I-Antiarrhythmika?
Die Klasse-I-Antiarrhythmika werden auch als Natriumantagonisten, Natriumkanalblocker, membranstabilisierende Antiarrythmika oder Antifibrillantien bezeichnet. Allen Stoffen dieser Klasse ist gemeinsam, dass sie durch Blockade von Natriumkanälen in den Nervenzellen die Geschwindigkeit der elektrischen Weiterleitung verringern und die Art der Weiterleitung verändern. Dadurch verlangsamt sich die Herzschlagfolge. Die Kontraktionskraft des Herzens wird jedoch ebenfalls herabgesetzt.
Die Klasse-I-Antiarrythmika werden nochmals in Klasse-I-A, Klasse-I-B und Klasse-I-C untergliedert.
Die Bindungszeiten der verschiedenen Substanzen an die Natriumkanäle sind unterschiedlich. Bei kurzer Bindungszeit wird die Herzschlagfolge nur bei hohen Frequenzen verlangsamt. Arzneistoffe mit langen Bindungszeiten sind dagegen auch bei Ruhefrequenz wirksam. Die Dauer der Weiterleitung eines einzelnen Nervensignals sowie das Ausmaß und die Dauer der Hemmung des schnellen Natriumeinstromes durch die Kanäle in die Nervenzellen werden unterschiedlich beeinflusst.
Klasse-I-A-Antiarrythmika
Klasse-I-A-Antiarrythmika sind dadurch charakterisiert, dass sie den schnellen Natriumeinstrom blockieren und die Dauer der Weiterleitung eines einzelnen Nervenimpulses verlängern.
Diese Gruppe der "Chinidin-artig" wirkenden Verbindungen zeigen auch Nebenwirkungen am vegetativen Nervensystem, wie Magen-Darm-Störungen, Mundtrockenheit, erschwertem Harnlassen und Störungen des Einstellens der Sehschärfe (Akkomodation). Bei Überwiegen dieser Komponente kann teilweise eine gegenteilige Wirkung auftreten: die Herzfrequenz nimmt zu und die Überleitung wird verbessert.
Bei Überdosierung können Störungen der Erregungsleitung, eventuell eine Blockade des Atrioventrikularknotens und zusätzliche Herzschläge auftreten. Die durch die Gabe des Antiarrythmikums hervorgerufene Herabsetzung der Kontraktionskraft des Herzens ist bei Patienten ohne Schädigungen am Herzmuskel wenig bedeutsam. Bei Patienten mit Herzschwäche kann sie bedrohlich sein und muss bei der Behandlung berücksichtigt werden.
Nicht angewendet werden sollten Klasse-I-A-Antiarrythmika bei nicht ausgeglichener Herzschwäche, langsamer Herzschlagfolge, Erregungsleitungsstörungen und Vergiftungen mit Digitalis-Herzglykosiden.
Wirkstoffe sind beispielsweise:
- Chinidin
- Ajmalin
- Detajmium
- Prajmalium
- Disopyramid
Klasse-I-B-Antiarrythmika
Die Klasse-I-B-Antiarrythmika greifen vorwiegend an den Herzkammern und weniger im Vorhofbereich an. Im Gegensatz zu den "Chinidin-artig" wirkenden Stoffen beeinflussen sie die Dauer der Weiterleitung eines einzelnen Nervensignals nur wenig. Ihr Einfluss auf die Signalweiterleitung ist bei krankhaft veränderten Voraussetzungen stärker als bei normalen. Sie verlängern die Erholungszeit der Natriumkanäle bei hohen Frequenzen. Dadurch verlangsamt sich die Herzschlagfolge. Nebenwirkungen treten wie bei den Klasse-I-A-Antiarrythmika auf, daneben kann es nach hohen Dosen zu zentraler Erregung und Krämpfen kommen.
Wirkstoffe sind beispielswiese:
- Lidocain
- Tocainid
- Mexiletin
Klasse-I-C-Antiarrythmika
Die Klasse-I-C-Antiarrythmika blockieren den schnellen Natriumeinstrom bei der Weiterleitung eines einzelnen Nervensignals sehr stark. Seine Dauer beeinflussen sie kaum. Propafenon besitzt zusätzlich Kalziumkanal- und ß-Rezeptoren-blockierende Eigenschaften.
Wirkstoffe sind beispielsweise:
Wie wirken Klasse-II-Antiarrhythmika?
Die Klasse-II-Antiarrhythmika sind die Beta-Blocker, die auch ß-Blocker, ß-Adrenozeptor-Antagonisten, ß-Adrenozeptorenblocker, ß-Rezeptorenblocker oder ß-Sympatholytika genannt werden.
Sie hemmen in Konkurrenz mit anderen Stoffen die ß-Adrenozeptoren. Durch Blockade der ß1-Rezeptoren wird die Wirkung der körpereigenen Botenstoffe Katecholamine am Herzen aufgehoben, die eigentlich die Kontraktionskraft des Herzens und die Herzfrequenz steigern. Durch Blockade der ß2-Rezeptoren wird deren erschlaffende Wirkung an der glatten Muskulatur aufgehoben. Außerdem werden durch die ß-Rezeptorblockade Stoffwechseleffekte der Katecholamine unterdrückt. Therapeutisch erwünscht ist vor allem die Blockade der ß1-Rezeptoren. Eine unregelmäßige Herzschlagfolge soll sich dadurch normalisieren. Daher wurde versucht, Stoffe zu finden, die eine besonders große Affinität zum Rezeptortyp ß1 haben (ß1-Selektivität).
Sie eignen sich zur Therapie von schnellen Herzschlagfolgen, die vom Sinusknoten ausgehen, anfallsweisem Herzjagen und zusätzlichen Herzschlägen, die von den Kammern ausgehen. Einzig für diese Substanzklasse konnte - neben Amiodaron (siehe Klasse-III) - eine Verringerung der Sterblichkeit im Verlauf der Therapie gezeigt werden. Wegen ihrer bei Beachtung der Gegenanzeigen guten Verträglichkeit gelten sie bei den genannten Anwendungsgebieten als Basismedikamente. Zu beachten ist, dass sie die Überleitung am Atrioventrikalarknoten herabsetzen.
Unspezifische Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Symptome wie Oberbauchbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, ferner zentralnervöse Störungen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Benommenheit und Kopfschmerzen sowie verhältnismäßig selten allergische Reaktionen in Form von Hautausschlägen oder Juckreiz. Spezifische Nebenwirkungen durch die Blockade der ß-Rezeptoren sind Zunahme des Atemwiderstandes, Abnahme der Kontraktionskraft des Herzens, verlangsamte Herzschlagfolge, Kreislaufstörungen mit niedrigem Blutdruck, Verschlechterung peripherer Durchblutungsstörungen sowie klinisch wenig bedeutsame Veränderungen der Fettwerte (Lipide). Daher ist bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen äußerste Vorsicht geboten. Weitere Gegenanzeigen bestehen bei Herzrhythmusstörungen mit verlangsamter Herzschlagfolge und atrio-ventrikulärem Block II. und II. Grades. Beta-Blocker verzögern den Wiederanstieg des Blutzuckerspiegels nach Gabe von Insulin oder von oralen Antidiabetika. Dadurch besteht bei jugendlichen Diabetikern (Diabetes mellitus) die Gefahr verlängerter Unterzuckerung, wobei die normalerweise ausgelösten Warnsymptome unterdrückt werden. Die Wirkung zahlreicher Antiarrhythmika wird durch Beta-Blocker verstärkt, deren Effekt der verlangsamten Herzschlagfolge durch Narkosemittel gesteigert.
Nichtselektive ß-Adrenozeptor-Antagonisten sind beispielsweise:
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Oxprenolol
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Penbutolol
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Bupranolol
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Propranolol
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Nadolol
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Pindolol
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Mepindolol
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Carteolol
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Carvedilol
ß1-selektive-Adrenozeptor-Antagonisten sind beispielsweise:
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Metoprolol
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Bisoprolol
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Atenolol
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Acebutolol
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Celiprolol
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Talinolol
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Esmolol
Wie wirken Klasse-III-Antiarrhythmika?
Die Substanzen dieser Gruppe verlängern die Dauer der Weiterleitung eines einzelnen Nervensignals vorrangig durch Blockade von Kaliumkanälen. Eine seltene, jedoch bedeutsame Nebenwirkung ist die Auslösung einer charakteristischen Herzrhythmusstörung, Torsade-de-pointes-Arrhythmie genannt, die lebensbedrohlich sein kann.
Zu dieser Gruppe gehören die Substanzen Sotalol und Amiodaron.
Sotalol blockiert sowohl die Kaliumkanäle als auch die ß-Adrenozeptoren (siehe Klasse-II-Antiarrhythmika).
Amiodaron wirkt sowohl bei Herzrhythmusstörungen, die von den Vorhöfen ausgehen, als auch bei Herzrhythmusstörungen, die von den Kammern ausgehen. Hervorzuheben ist seine Wirksamkeit bei Herzrhythmusstörungen, die mit anderen Antiarrhythmika nicht behandelt werden können. Neben den ß-Blockern (siehe Klasse-II) ist es bisher das einzige Antiarrhythmikum, dass die Sterblichkeit im Vergleich zu Placebo, einem unwirksamem Scheinmedikament, senken konnte. Ein erheblicher Nachteil ist die schlechte Steuerbarkeit der Dosierung aufgrund der langen Halbwertszeit, d. h. der Körper braucht lange, um den Stoff wieder auszuscheiden, und der starken Anreicherung im Gewebe. Als erhebliche Nebenwirkung tritt häufig eine gelbbraune Ablagerung auf der Vorderfläche der Hornhaut auf. Außerdem kann es zu Lichtempfindlichkeit, Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie zu Veränderungen der Lungen mit Atembeschwerden und Leberfunktionsstörungen kommen.
Wie wirken Klasse-IV-Antiarrhythmika?
Diese Substanzen hemmen an den langsamen, spannungsabhängigen Kalziumkanälen der Nervenzellen den Einstrom von Kalziumionen. Dadurch beeinflussen sie die Erregungsbildung im Sinusknoten und die Erregungsleitung im Atrioventrikularknoten. Sie vermindern die Frequenz am Sinusknoten (negativ chronotrope Wirkung) und senken die Reizleitungsfähigkeit am Atrioventrikularknoten (negativ dromotrope Wirkung). Klasse-IV-Antiarrhythmika werden bei Herzrhythmusstörungen mit zu schneller Herzschlagfolge, die von den Vorhöfen ausgehen, eingesetzt.
Als Nebenwirkungen werden Verstopfung, allergische Hautreaktionen, Hautrötung sowie Überleitungsstörungen (Block am Atrioventrikularknoten), langsame Herzschlagfolge, unerwünschter Blutdruckabfall und Verstärkung einer Herzschwäche beobachtet.
Wirkstoffe sind beispielsweise:
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Verapamil
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Gallopamil
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Diltiazem
Wie wirken Herzglykoside?
Herzglykoside erniedrigen die Kammerfrequenz. Sie werden zur Behandlung von schnellen Herzschlagfolgen, die von den Vorhöfen ausgehen, sowie Vorhofflimmern und Vorhofflattern mit schneller Überleitung am Atrioventrikularknoten eingesetzt. Neuere Studien haben gezeigt, dass eine zusätzliche Gabe von Kalium und Magnesium die Verträglichkeit deutlich verbessert. Bei Herzrhythmusstörungen, die von den Kammern ausgehen, dürfen sie wegen der Gefahr des Kammerflimmerns nicht verwendet werden.
Wie wirkt Adenosin?
Adenosin eignet sich zur Therapie von behandlungsbedürftigem anfallsweisem Herzjagen, vor allem wenn andere Antiarrhythmika nicht in Betracht kommen. Über spezielle Angriffspunkte im Herzen (alpha1-Rezeptoren) wirkt es am Sinusknoten stabilisierend und unterdrückt die Überleitung am Atrioventrikularknoten, so dass die Herzfrequenz sinkt. An den Herzkammern wirkt Adenosin nicht. Adenosin muss intravenös injiziert (in eine Vene gespritzt) werden.
Als Nebenwirkungen treten häufig Atemstörungen, Erröten, Übelkeit und Schwindel, gelegentlich Schwitzen, Herzklopfen, Hitzegefühl und Benommenheit auf. Bei AV-Block II. oder III. Grades, Vorhofflattern und Vorhofflimmern sowie obstruktiven Lungenerkrankungen darf Adenosin nicht angewendet werden.
Wie wirken Magnesium und Kalium?
Neben der einzelnen Gabe von Magnesium oder Kalium scheint nach neueren Untersuchungen die kombinierte Gabe beider Stoffe in vielen Fällen sinnvoll zu sein. Insbesondere bei zusätzlichen Herzschlägen kann ihr Einsatz sinnvoll sein. Bei Patienten, die zu niedrigen Blutspiegeln dieser Mineralien neigen, werden sie zur Therapie und Prophylaxe von Herzrhythmusstörungen genommen. Eine mögliche Ursache für Mineralienverlust ist die Einnahme von wasserausschwemmenden Medikamenten, der Diuretika. Kalium und Magnesium unterstützen die Therapie und verbessern die Verträglichkeit bei der gleichzeitigen Anwendung von Antiarrhythmika aus der Klasse I und III oder Herzglykosiden.
Hohe Konzentrationen von Kalium und Magnesium im Serum stabilisieren die elektrischen Eigenschaften der Herzmuskelzellen. Dadurch vermindert sich das Risiko für Herzrhythmusstörungen. Bei Einnahme von Kalium und Magnesium mit der Nahrung oder in zusätzlichen therapeutischen Mengen ist bei normaler Nierenfunktion nicht zu erwarten, dass über die Normgrenze hinausgehende Blutspiegel mit eventuellen schädlichen Nebenwirkungen erreicht werden. Die Hauptmenge an Kalium befindet sich in der Muskulatur, die von Magnesium im Knochen, der als Speicher dient. Aufgenommenes Kalium und Magnesium wird fast vollständig über die Nieren ausgeschieden.
beke
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