Wie teilt man Herzrhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag ein?
Die Herzrhythmusstörungen, bei denen der Herzschlag erhöht ist, werden unterteilt nach dem Ausgangspunkt der Arrhythmie. Man unterscheidet Tachykardien, die vom Sinusknoten, von den Vorhöfen oder von den Kammern ausgehen.
Schnelle Herzschlagfolgen, die vom Sinusknoten ausgehen (Sinustachykardien)
kommen bei körperlicher Belastung und Aufregung vor. Vor allem das untrainierte Herz reagiert auf eine erhöhte Anforderung mit einer unökonomisch schnellen Herzschlagfolge. Durch Fieber wird die Herzfrequenz um etwa zehn Schläge pro Minute pro Grad Temperaturanstieg erhöht. Eine schnelle Herzschlagfolge findet man zudem als Reaktion im Schockzustand, nach Herzinfarkt, bei Herzinsuffizienz, Herzmuskelentzündung und Blutarmut (Anämie). Eine schnelle Herzschlagfolge ist ferner ein wichtiges Symptom bei der Schilddrüsenüberfunktion.
Die Folge der schnellen Herzschlagfolge ist zunächst eine Steigerung des Herzzeitvolumens, d.h. der vom Herzen gepumpten Blutmenge. Überschreitet jedoch die Herzfrequenz einen Grenzwert (Faustregel: 210 minus Alter des Patienten in Jahren), so werden die Herzkammern nicht mehr richtig mit Blut gefüllt. Die Durchblutung des Herzens selbst wird ebenfalls vermindert.
Anfallweises Herzjagen (paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien)
mit einer Herzfrequenz im Vorhof von 150 bis 220 Schlägen pro Minute tritt bei psychovegetativ labilen Patienten, ferner nach Herzmuskelentzündungen, bei Sauerstoffmangel, erniedrigtem Kaliumspiegel und einer mit Vorhofstauung einhergehenden Herzleistungsschwäche auf. Die Förderleistung des Herzens nimmt ab. Häufig ist daher die Durchblutung lebenswichtiger Organe, insbesondere die des Gehirns und der Nieren, eingeschränkt.
Vorhofflattern und Vorhofflimmern sind verhältnismäßig häufige Störungen der Erregungsbildung der Vorhöfe mit besonders hoher Erregungsbildungsfrequenz. Vorhofflattern mit einer Frequenz von 200 bis 300 pro Minute entsteht fast immer aufgrund organischer Herzerkrankungen, vor allem bei verkalkten Herzkranzgefäßen (Koronarsklerose), nach Herzinfarkt sowie bei Klappenfehlern. Bei dem noch häufiger vorkommenden Vorhofflimmern mit Frequenzen von 350 bis 600 pro Minute ist jede wirksame Vorhofkontraktion aufgehoben und das Blut kann nicht mehr weitergepumpt werden. Kammerkontraktionen treten in unregelmäßigen Abständen auf (absolute Arrhythmie). Vorhofflimmern findet man vor allem bei linksseitigen Herzklappenfehlern, insbesondere bei verengter Mitralklappe (Mitralstenose).
Schnelle Herzschlagfolgen, die von den Kammern ausgehen (ventrikuläre Tachykardie),
kommen bei schweren organischen Herzschädigungen, z.B. beim Herzinfarkt, vor. Sie sind stets lebensbedrohlich, da sie vielfach in Kammerflattern oder Kammerflimmern übergehen. Dabei ist ein geordnetes Zusammenziehen der Herzkammern nicht mehr möglich. Beim Kammerflattern wird noch eine geringe Menge Blut befördert, trotzdem tritt Bewusstlosigkeit und Schock ein. Kammerflimmern führt dazu, dass überhaupt kein Blut mehr weitergepumpt wird (funktioneller Herzstillstand) und somit nach kurzer Zeit zum Tod, sofern nicht durch sofortige externe Herzmassage die Zeit bis zu weiteren therapeutischen Maßnahmen (Defibrillation) überbrückt wird. Neben den genannten Schädigungen des Herzmuskels kann Kammerflattern bzw. Kammerflimmern durch Sauerstoffmangel, Unterkühlung, Überdosierung von Narkosemitteln u.a. ausgelöst werden. Es ist auch die häufigste Todesursache bei einem Unfall mit elektrischem Strom.
beke
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