Welche Arzneistoffgruppen werden gegen hohen Blutdruck eingesetzt?
An der Regelung des Blutdrucks sind neben den Gefäßen auch Botenstoffe, Enzyme und übergeordnete Zentren im Gehirn beteiligt. Die verschiedenen Arzneistoffe greifen auf unterschiedliche Art in dieses komplexe System ein.
Zur Behandlung werden folgende Arzneistoffgruppen eingesetzt:
- Betablocker
- Alpha1-Blocker
- Alpha2-Agonisten
- Calciumantagonisten
- ACE-Hemmer
- AT1-Hemmer
- Diuretika
- Nitropräparate
Wie wirken Betablocker?
Betablocker senken den Blutdruck durch Angriff am Herzen. Bei Stress schüttet der Körper das Hormon Adrenalin aus. Diese Substanz lässt das Herz schneller schlagen und steigert den Blutdruck. Am Herzen befinden sich Bindungsstellen, die sogenannten Beta-Rezeptoren. An diesen dockt das Stresshormon an und verrichtet seine Wirkung. Wenn diese Rezeptoren blockiert werden, kann das Hormon nicht mehr angreifen. Die Folge ist eine Senkung der Pulsfrequenz und des Blutdruckes. Auf diesem Wege wirken Betablocker. Einige dieser Medikamente steigern auch die Herzkraft. Bei Asthma sollten Betablocker nicht eingesetzt werden. Man kann die Arzneistoffe in selektive und nicht-selektive einteilen. Ein selektiver Betablocker (oder Beta1-Blocker) wirkt überwiegend am Herzen und weniger an anderen Organen, wie beispielsweise der Lunge. Diese Stoffe haben vergleichsweise weniger Nebenwirkungen als die ni htselektiven.
Selektive Betablocker sind beispielsweise
- Acebutolol
- Atenolol
- Betaxolol
- Bisoprolol
- Celiprolol
- Esmolol
- Metoprolol
- Nebivolol
- Talionolol
Nicht-selektive Betablocker sind beispielsweise
- Alprenolol
- Bupranolol
- Carazolol
- Carteolol
- Carvedilol
- Mepindolol
- Metipranolol
- Oxprenolol
- Penbutolol
- Pindolol
- Propanolol
- Sotalol
Wie wirken Alpha1-Blocker?
Diese Arzneistoffe senken den Blutdruck durch Angriff an den Gefäßen. Um die Wirkung zu verdeutlichen kann man sich zwei (Garten)Schläuche vorstellen. Einen mit einem kleinen und einem mit einem weiten Durchmesser. Wenn durch beide Schläuche Wasser fließt, ist der Druck in dem engen Schlauch größer. Beim Blutdruck ist es ähnlich. Über Alpha1-Bindungsstellen kann im Körper die Weitstellung von Blutgefäßen reguliert werden. Deshalb setzt man Alpha1-Blocker ein, die die Gefäße erweitern und somit den Blutdruck senken.
Beispiele für Alpha1-Blocker
- Alfuzosin
- Doxazosin
- Prazosin
- Tamsulosin
- Terazodin
- Urapidil
Wie wirken zentral angreifende Alpha2-Agonisten?
Diese Stoffe regulieren den Blutdruck durch Angriff im Gehirn. Clonidin wird auch zur Behandlung von Suchterkrankungen eingesetzt.
Beispiele für Alpha2-Agonisten
- Clonidin
- Guanfacin
- Methyldopa
- Moxonidin
Wie wirken Calciumantagonisten?
Das Mineral Calcium steigert am Herzen die Kraft, mit der es sich zusammenzieht. Calciumantagonisten vermindern die Wirkung des Minerals und lassen das Herz weniger kräftig schlagen. Wenn das Herz weniger stark arbeiten muss, braucht es auch weniger Sauerstoff. Deshalb wird der Sauerstoffbedarf und der Blutdruck gesenkt. Besonders für ältere Patienten sind diese Medikamente sehr sinnvoll. Bei einem krisenhaften Anstieg des Blutdruckes können einige Präparate in Kapselform zerbissen werden, damit die Wirkung schneller eintritt. Der Inhalt soll dann mit Kapselhülle geschluckt werden. Heute wird nicht mehr empfohlen, das Arzneimittel zu lutschen oder unter der Zunge zu belassen. Die Wirkung wäre unzuverlässig. Bei dem Verdacht auf einen Herzinfarkt dürfen diese Medikamente nicht angewendet werden.Beispiele für Wirkstoffe sind:
- Amlodipin
- Felodipin
- Isradipin
- Lacidipin
- Nicardipin
- Nifedipin
- Nilvadipin
- Nimodipin
- Nisoldipin
- Nitrendipin
Die oben aufgeführten Arzneistoffe helfen bei Bluthochdruck und einer Verengung der Herz-Kranzgefäße. Daneben gibt es noch Calciumantagonisten, die zusätzliche Wirkungen haben. Beispielsweise zählen dazu:
- Diltiazem
- Fendilin
- Gallopamil
- Lercandipin
- Verapamil
Wie wirken ACE-Hemmer?
Wie bereits erwähnt, sind an der Regulierung des Blutdruckes die Nieren beteiligt. Wichtige körpereigene Stoffe sind dabei Renin, Angiotensinogen und Angiotensin I und II. Die Substanz Angiotensin II verengt die Gefäße und steigert den Blutdruck. Damit der Stoff gebildet werden kann, ist ein Enzym notwendig. Es trägt den schwierigen Namen Angiotensin-Converting-Enzym, abgekürzt ACE. ACE-Hemmer blockieren es und senken somit den Blutdruck. Außerdem werden sie eingesetzt, wenn das Herz nicht kräftig genug schlägt.
Eine häufige Nebenwirkung der ACE-Hemmer ist ein hartnäckiger Reizhusten. Selbst wenn das Medikament nicht mehr genommen wird, hält er noch mehrere Wochen an. Eine Weiterentwicklung der ACE-Hemmer sind die AT1-Hemmer (siehe unten).
Wirkstoffe sind beispielsweise
- Benazepril
- Captopril
- Cilazapril
- Enalapril
- Fosinopril
- Lisinopril
- Moexipril
- Perindopril
- Qunalapril
- Ramipril
- Spirapril
- Trandolapril
Wie wirken AT1-Blocker?
Diese Substanzen werden auch wegen ihrer Namensendung als Sartane oder auch als Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten bezeichnet. Sie wirken spezifischer als die ACE-Hemmer. Diese recht neuen Medikamente haben unter anderem den Vorteil, dass sie keinen Reizhusten verursachen. Sie sind deshalb besonders für die Patienten geeignet, die ACE-Hemmer nicht vertragen haben.
AT1-Blocker sind beispielsweise
- Candesartan
- Losartan
- Irbesartan
- Valsartan
- Telmisartan
- Eprosartan
Wie wirken Diuretika?
Diuretika werden auch als Entwässerungsmittel bezeichnet. Sie leiten das Mineral Natrium aus dem Körper aus. Wasser bindet sich an Natrium und verlässt ebenfalls den Organismus über die Nieren. Dadurch wird das Herz entlastet und der Blutdruck gesenkt. Je nachdem, wo Diuretika im Körper angreifen und wie sie wirken, teilt man sie in unterschiedliche Klassen ein.
Thiazide sind beispielsweise
- Bemetizid
- Bendroflumethiazid
- Butizid
- Hydrochlorthiazid
- Triamchlormethiazid
Thiazid-Abkömmlinge sind beispielsweise
- Chlortalidon
- Clopamid
- Indapamid
- Mefrusid
- Xipamid
Schleifendiuretika sind beispielsweise
- Azosemid
- Bumetanid
- Furosemid
- Piretanid
- Torasemid
Sonstige
Kaliumsparende Diuretika sind beispielsweise
- Amilorid
- Canrenon
- Spironolacton
- Triamteren
Wie wirken Nitrate?
Nitrate wie Nitroglycerin erweitern die Gefäße und senken den Blutdruck. Sie werden überwiegend bei Herzerkrankungen eingesetzt. Bei einem krisenhaften Anstieg des Blutdruckes werden sie unter die Zunge gesprüht und wirken sehr rasch. Eine andere schnell wirkende Arzneiform sind Zerbeißkapseln.
Wichtig: Sie dürfen auf keinen Fall gemeinsam mit dem Potenzmittel Sildenafil (Handelsname Viagra®) eingenommen werden. Der Blutdruck würde massiv sinken, für den Patienten besteht Lebensgefahr.
Verwendete Literatur
mba
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