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Was sind Kontaktallergie, Neurodermitis und Nesselsucht?
Das allergische Kontaktekzem und die Neurodermitis sind Ekzeme, also Hauterkrankungen, die sich durch eine Entzündung äußern. Bei der Nesselsucht bildet die Haut Quaddeln.
Das allergische
Kontaktekzem ist eine Entzündung der Haut. Das Wort
"Ekzem" ist griechischer Herkunft und bedeutet
"aufbrausen". Der Patient bekommt durch den Juckreiz
das Gefühl, als würde seine Haut "kochen." Auslöser
eines Ekzems können sein: alle Kosmetika, Haarfärbemittel,
Nagellack, Parfüm, Deos, Reinigungsmittel, Lederschuhe (Chrom
gegerbt und gefärbt), Hüte (Chromat), Brillen (Kobalt), Knöpfe,
Nieten, Reißverschlüsse, Ohrringe, Schmuck, insbesondere
Modeschmuck (Nickel), nickelreiche Nahrungsmittel, Nasentropfen
und -salben (Menthol), Zahnpasten, Mundwässer, Lippenstifte,
Farbstoffe aus der Kleidung (eher dunkle Farben), Strümpfe,
Gummihandschuhe (Latex), Wolle, wollfetthaltige Salben, Zement
(Chromat), das Berühren von Fisch, Fleisch, Obst und
Gemüse.
Juckreiz und Entzündung der Haut sind auch
die Hauptsymptome der
Neurodermitis, weshalb auch hier das Wort Ekzem im
Fachbegriff "atopisches Ekzem" auftaucht. Atopisch
heißt, dass die Patienten eine erhöhte Bereitschaft besitzen,
Allergien zu entwickeln. Die Allergie-Veranlagung (Atopie) ist
ererbt. Damit ist die Neurodermitis aber von vornherein keine
Allergie!
Beim Verlauf der Neurodermitis wechseln sich
wiederholt ab: akute Phasen, in denen die Haut extrem juckt und
die Patienten sich ständig kratzen, und chronische Phasen, in
denen die Haut sehr trocken und verdickt ist. Die Auslöser für
die akuten Phasen können Allergien auf verschiedenste Auslöser
(Pollen, Milben, Schimmelpilze, Tiere, Nahrungsmittel) sein, aber
genauso mechanische Reize durch Wolle, Staub, Wasser, Seife,
Chemikalien, Kratzen, Schweiß, Bakterien und Stress.
Die
Nesselsucht (Urtikaria) äußert sich durch Quaddeln der
Haut. Sie ähneln der Hautreaktion nach dem Berühren einer
Brennnessel; daher stammt der Name. Ausgelöst wird eine
Nesselsucht durch Allergien, aber auch durch Wärme (heißes Bad,
Schwitzen, Fieber), Kälte (kalte Luft, Schwimmen, kaltes
Getränk), Anstrengung, Sonnenlicht und Druck. Allergie-Auslöser
sind zum Beispiel Nahrungsmittel wie Shrimps, Krebse, Nüsse,
Früchte, Eier, außerdem Konservierungsmittel und Farbstoffe. Auch
Pflanzen, Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen,
Tierhautschuppen und -haare, Latex, Insektenstiche oder Fisch
können nach einem direkten Hautkontakt eine Nesselsucht auslösen.
Blutpräparate und eine Reihe von Medikamenten führen ebenfalls
zur Nesselsucht, die dann oft verzögert nach Tagen auftritt.
Die folgenden Texte befassen sich parallel
mit diesen drei Krankheitsbildern, da ihre medikamentöse
Behandlung vergleichbar ist.
Wie entstehen die Hautkrankheiten?
Kontaktekzem und Nesselsucht
Das Kontaktekzem und die akute Nesselsucht
sind häufig allergisch bedingt. Das Immunsystem reagiert extrem
komplex. Es besteht aus zahlreichen Botenstoffen und Zellen. Sie
nehmen auf verschiedenen Wegen mit einem Allergie-Auslöser
Kontakt auf, informieren sich untereinander, alarmieren weitere
Stoffe und Zellen und lösen viele unterschiedliche Beschwerden
aus. Je nach Allergie-Auslöser und nach Ort des Kontaktes (Haut,
Nase, Auge, Lunge) treten Beschwerden sofort oder erst nach Tagen
auf. Wenn innerhalb weniger Minuten nach dem Kontakt mit dem
Allergie-Auslöser Symptome auftreten, sprechen Mediziner von
einer Sofort-Reaktion. Ein typische Beispiel dafür ist die
Nesselsucht und der Heuschnupfen. Der wichtigste Botenstoff dabei
ist das Histamin. Das erklärt, warum Antihistaminika bei diesen
Krankheiten so gut wirken. Entsteht dagegen erst ein bis zwei
Tage nach dem Kontakt mit dem Allergie-Auslöser das Hautprobleme,
wird die Allergie als Spät-Typ-Reaktion bezeichnet. So verläuft
beispielsweise das allergische Kontaktekzem. Wie immer bestätigt
die Ausnahme die Regel: So gibt es einige seltene
Nesselsucht-Formen, bei denen Allergie-Auslöser die Quaddeln erst
nach einige Stunden oder Tagen auftreten lassen.
Neurodermitis
Noch komplexer erklären sich die Ursachen
der Neurodermitis. Die Haut der Neurodermitiker unterscheidet
sich von der Haut eines gesunden Menschen:
-
Sie ist extrem trocken, weil die natürliche
Fettbarriere aus Talg gestört ist und deshalb Wasser aus tieferen
Hautschichten verdunsten kann.
-
Sie entwickelt leichter Allergien, weil die Anzahl
verschiedener Zellen des Immunsystems im Blut und in der Haut
stark verändert sind. Die gleichen Veränderungen finden sich
übrigens auch bei einem allergischen Kontaktekzem.
-
Nervenzellen in der Haut reagieren paradox: Beim
Kratzen verengen sich Blutgefäße, die sich in gesunder Haut
erweitern würden.
-
Die Haut juckt deutlich früher.
-
Der Juckreiz wird kaum durch den Botenstoff Histamin
ausgelöst, weshalb die Antihistaminika ihn oft nicht hemmen
können.
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Durch diese Veränderungen reagiert die Haut auf
zahlreiche Reize und Allergie-Auslöser früher mit Juckreiz als
eine gesunde Haut. Der Patient erleichtert sich durch Kratzen,
bis er die Haut zerstört hat. Bakterien und Viren können zu
Infektionen führen.
Wie häufig treten die Hauterkrankungen in der Bevölkerung
auf?
Kontaktekzem
Die Rate der Kontaktekzeme steigt an: So
trifft das Kontaktekzem der Hand heute doppelt so viele Menschen
wie noch vor zwanzig Jahren (laut schwedischen Studien). An einem
Handekzem leiden inzwischen knapp sechs Prozent der Menschen. Für
das allergische Kontaktekzem gibt es trotz groß angelegter
Studien noch keine gesicherten Zahlen zur Häufigkeit in
Deutschland. Es wird aber allgemein angenommen, dass auch die
Zahl der Kontaktallergien ansteigt.
Neurodermitis
Die Anzahl der Neuerkrankungen ist in den
letzten dreißig Jahren von drei auf 15 Prozent gestiegen. Die
Zunahme wurde in vielen Ländern beobachtet (Skandinavien,
Gr0ßbritannien, Japan). In Deutschland leben derzeit rund drei
Millionen Neurodermitiker.
Nesselsucht
Die akute Form befällt jeden vierten
Menschen mindestens einmal im Leben. Unter der chronischen
Nesselsucht leiden in Deutschland etwa 800.000 Menschen.
Verwendete Literatur
TSCH
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