Wie werden Schlafstörungen eingeteilt und wie äußern sie sich?
Schlafstörungen können Symptome anderer Krankheiten, aber auch ein eigenständiges Krankheitsbild sein. Schlafstörungen werden nach unterschiedlichen Systemen eingeteilt. Werden Schlafstörungen beispielsweise aufgrund ihrer Ursachen kategorisiert, so ergibt sich eine Unterteilung in körperlich bedingte (organische) und seelisch bedingte (nichtorganische).
Die gängigsten Gruppen sind:
Dyssomnien
Dyssomnien sind durch die Psyche verursachte Schlafstörungen. "Dyssomnie" bedeutet übersetzt etwa "Fehlschlaf". Die Dauer, Qualität oder der Zeitpunkt des Schlafes sind beeinträchtigt. Nur zu den Dyssomnien liegen zuverlässigere, umfangreichere Befunde vor. Bei den Dyssomnien werden die Insomnie und die Hypersomnie unterschieden.
Insomnie
Insomnien sind Einschlaf- und Durchschlafstörungen, unerholsamer Schlaf sowie (zu) frühes Erwachen am Morgen. Oft liegen die Störungen kombiniert vor. Insomnien können Symptome anderer Erkrankungen sein, aber auch organisch oder psychisch verursacht werden. Sie werden entsprechend als organische oder nichtorganische Insomnie bezeichnet. Mit Insomnien gehen Leistungs- und Konzentrationsstörungen, erhöhte Tagesmüdigkeit und beeinträchtige Tagesbefindlichkeit einher. Es werden folgende Formen nach der Dauer unterschieden:
- Vorrübergehende Insomnie (nur wenige Tage dauernd),
- Kurzfristige Insomnie (zwei bis drei Wochen andauern) und
- Chronische Insomnie (über Wochen, Monate oder Jahre andauernd).
Hypersomnie
Bei Hypersomnie handelt es sich um eine extreme Müdigkeit am Tage. Sie kann als Symptom anderer psychischer oder neurologischer Störungen (vor allem bei Depressionen) oder isoliert auftreten. Bei der Entstehung der Hypersomnie spielen möglicherweise genetische Einflüsse eine Rolle. Die Ursachen sind jedoch noch weitgehend unklar. Auch bei Hypersomnie wird wieder eine organisch und eine nichtorganische Form unterschieden.
Zu den organisch bedingten Hypersomnien gehört die Schlafapnoe (obstruktives oder zentrales Schlafapnoe-Syndrom). Dabei handelt es sich um wiederholte Atemstillstände von mehr als zehn Sekunden Dauer (siehe unten).
Nichtorganische Hypersomnien haben die Form von starker Schläfrigkeit während des Tages. Typisch sind auch Schlafanfälle, die nicht durch eine unzureichende Schlafdauer erklärbar sind. Ferner können sie sich als verlängerte Übergangszeiten vom Aufwachen aus dem Schlaf bis zum völligen Wachsein manifestieren.
Hypersomnie tritt selten auf. Nichtorganische Hypersomnien werden wesentlich seltener gefunden als organische Hypersomnien und als Hypersomnien, die mit psychiatrischen Erkrankungen einhergehen.
Parasomnien
Parasomnien sind durch ungewöhnliche und auffällige Verhaltensweisen im Schlaf gekennzeichnet. Sie sind häufig im Kindes- und Jugendalter zu beobachten und sind meistens harmlos.
Folgende Parasomnien treten auf:
- Aufwachstörungen
- Aufwachen im Verwirrtheitszustand
- Schlafwandeln
- Essen im Schlaf
- erschrecktes Hochfahren aus dem Bett, Raserei
- erschreckende Traumerfahrungen bei Schlafbeginn
- beim Aufwachen auftretende Bewegungslosigkeit
- nächtliche Anfälle (Schreien, Weinen, fluchen und Umherirren im Raum)
- abnormes Verhalten im Traumschlaf (keine vollständige Bewegungslosigkeit, sondern aktives Ausleben der Träume)
- Einschlafzuckungen (plötzliches, blitzschnelle Zusammenzucken des ganzen Körpers)
- nächtliches Zähneknirschen
- stereotype Bewegungsabläufe im Schlaf wie rhythmisches Kopfschlagen, Kopfrollen und Körperrollen, begleitet von Seufzen und Summen
- Sprechen im Schlaf
- Albträume
- Bettnässen
Manche Parasomnien sind sehr selten, andere sind häufiger zu beobachten. Innerhalb der Parasomnien kommen Schlaftrunkenheit, Schlafwandeln (Somnambulismus) und Schlafterror (Pavor nocturnus), bei denen die Betroffenen nur teilweise erwachen, am häufigsten vor. Dissomnien und Parasomnien haben sowohl organisch als auch nichtorganische Ursachen. Die meisten Schlafstörungen sind jedoch psychisch bedingt.
Schlafstörungen mit hauptsächlich organischen Ursachen
Dazu gehören die Narkolepsie, das Restless-Legs-Syndrom, die Schlafapnoe, Bewegungsstörungen und Myokonien und das Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)
Narkolepsie
Narkolepsie ist eine relativ selten vorkommende Erkrankung, die sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen auftritt. Die Betroffenen sind tagsüber schläfrig und verspüren einen Drang zum Schlafen zu unpassenden Zeiten. Die Schlafanfälle setzen abrupt ein und können vom Betroffenen nicht verhindert werden. Daneben besteht ein kontinuierliches Müdigkeitsgefühl. Die Schlafattacken haben nichts mit Unausgeschlafenheit zu tun und lassen sich daher auch nicht mit viel Schlaf beheben. Die Ursachen für Narkolepsie sind nicht genau bekannt. Vermutet wird eine Störung im zentralen Nervensystem (Steuerung des Schlaf-Wachrhythmus). Narkolepsie wird nicht durch psychische Störungen verursacht. Extremer Stress kann jedoch Schlafattacken auslösen.
Typisch für Narkolepsie sind übermäßige Tagesschläfrigkeit, Kataplexie (plötzlicher Tonusverlust, etwa Wegsacken der Beine, Muskellähmung), Schlafparalyse (Schlaflähmung, Unfähigkeit zu sprechen oder sich zu bewegen) und hypnagoge Halluzinationen (visuelle oder akustische Trugwahrnehmungen). Darüber hinaus wird bei Narkoleptikern automatisiertes Handeln (ohne bewusste Steuerung) beobachtet. Weitere Symptome, von denen Narkoleptiker berichten, sind Sehstörungen (Doppeltsehen), Konzentrationsstörungen und Gedächtnisverlust.
Die Symptome der Narkolepsie können sich über mehrere Jahre langsam entwickeln oder ganz plötzlich und ohne Vorankündigung in Erscheinung treten. Die plötzlichen Schlafattacken führen zu einer erhöhten Unfall- und Verletzungsgefahr. Die Betroffenen können oft ihren Beruf nicht ausüben und am Straßenverkehr nicht teilnehmen. Auch im sozialen Umfeld der Betroffenen ergeben sich Probleme durch Narkolepsie. Für Narkolepsie gibt es keine dauerhafte Heilung. Bei entsprechender Behandlung können die Betroffenen jedoch ein nahezu normales Leben führen.
Syndrom der unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom)
Periodisch wiederkehrende, kurze Muskelkontraktionen lösen Zuckungen in den Beinen aus. Die Bewegungen führen zu einem unruhigen Schlaf, der keine ausreichende Erholung bietet. Es kann sich sowohl auf den Schlaf als auf den Wachzustand auswirken. Die Betroffenen empfinden im Sitzen bzw. Liegen ein unangenehmes Kribbeln in den Waden oder Oberschenkeln.
Schlafapnoe
Bei der Schlafapnoe kommt es zu Atemstillständen von mehr als zehn Sekunden Dauer. Dadurch wird die Sauerstoffsättigung im Blut verringert. Schlafapnoe kann Erkrankungen auslösen, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems. Besonders gefährlich sind Herzrhythmusstörungen.
Bewegungsstörungen und Muskelzuckungen
Vor allem in den Beinen, aber auch in den Armen sind periodische Bewegungen und Muskelzuckungen zu beobachten. Sie treten sowohl sporadisch als auch mit großer Häufigkeit auf. Der Betroffene wacht in der Regel nicht auf, wird aber in seinem Schlaf beeinträchtigt.
Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)
Das Chronische Erschöpfungssyndrom zeigt sich durch eine lähmende geistige und körperliche Erschöpfung/ Erschöpfbarkeit und weitere, individuell unterschiedliche Symptome. Zum Krankheitsbild gehören außerdem Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, nicht erholsamer Schlaf, Empfindlichkeiten der Lymphknoten, Nervenzuckungen und Kribbeln im Körper, Depressionen, Ohrgeräusche, Sehstörungen, Allergien, sowie eine anhaltende Verschlechterung des Zustandes nach Anstrengung und vieles mehr.
Bei der Mehrzahl der Erkrankten entwickelt sich die Krankheit schlagartig nach einem benennbaren Ereignis. Sie kann sich aber auch als schleichende Verschlechterung des Allgemeinzustandes bemerkbar machen. Die Beschwerden können über Jahre hinweg anhalten. Ursachen und Krankheitsmechanismen des CFS sind bis heute nicht bekannt. Es werden Immunfehlfunktionen oder -defekte, Viren, hormonelle Störungen, Pilze, psychische Faktoren, anhaltender Stress oder Umweltgifte als Auslöser vermutet.
Da die Insomnien am besten untersucht und am weitesten verbreitet sind, beziehen sich die folgenden Ausführung vorwiegend darauf. Sie werden aus Gründen der besseren Verständlichkeit als "Schlafstörungen" bezeichnet.
mson
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