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Schlaf- und Beruhigungsmittel kompakt

Viele Menschen, besonders ältere Menschen, überschätzen den notwendigen Schlafbedarf.

Der Schlaf ist für den Körper eine immer wiederkehrende Erholungsphase. Erwachsene benötigen durchschnittlich sieben bis acht Stunden Schlaf. Ältere Menschen benötigen jedoch weniger, sie kommen oft mit vier bis sechs Stunden aus. Der Schlaf ist ein aktiver Vorgang, in dem das Gehirn auch Arbeit leistet.

Die Gehirntätigkeit während des Schlafes läuft in verschiedenen Phasen ab:

  • Der "Tiefschlaf" mit verlangsamten Hirn elektrischen Wellen, der als passiver Erholungsschlaf bezeichnet wird, da in dieser Phase in vielen Organen Regenerations- und Aufbauvorgänge beobachtet werden.
  • Der "Traumschlaf" mit flachen hirne­lektrischen Wellen und raschen Augenbewegungen, auch als REM- Schlaf (rapid eye movement) bezeichnet. Diese Phase dient vor allem der Weiterverarbeitung von tagsüber aufgenommenen Informationen. Der REM-Schlaf ist für die Erholung der Psyche wichtig.
  • Beim normalen Schlaf lösen sich nach dem Einschlafstadium die bei den Schlaf-Phasen vier- bis fünfmal ab.

Schlafstörungen liegen dann vor, wenn die Schlafperioden erheblich gestört werden. Viele Klagen über Schlafstörungen resultieren aber nicht aus körperlichen oder seelischen Störungen, die in der Tat den Schlafablauf beeinflussen können, sondern sie gründen auf falsche Erwartungen an den Schlaf.

Einschlafen oder Durchschlafen gestört?

Allgemein wird zwischen Einschlaf- und Durchschlafstörungen unterschieden. Besonders bei Einschlafstörungen sind es häufig äußere Einflüsse, die nicht schlafen lassen, wie Licht und Lärm. Auch die Zimmertemperatur, zu kalt oder zu warm, eine zu harte oder zu weiche Matratze oder ungewohntes Bettzeug können den Schlaf negativ beeinflussen. Aber auch innere Einflüsse, wie Depressionen, Aufregungen, Medikamente mit zentral anregender Wirkung, wie manches Asthmamittel, anormales Essverhalten oder organische Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Krankheiten können den Menschen um den Schlaf bringen.

Vor dem Griff zur Tablette nach Ursachen forschen

Bevor zur Schlaftablette gegriffen wird, sollte also jeder seine vermeintlichen oder wirklichen Schlafstörungen selbst analysieren und eventuell zunächst die äußeren oder inneren Einflüsse beziehungsweise Ursachen abstellen oder behandeln. Auch ein Einschlafritual kann eine wichtige Rolle spielen, wie vielen aus der eigenen Kindheit noch in Erinnerung ist. Für den Erwachsenen kann es das Lesen eines Buchkapitels oder das Lauschen eines beruhigenden Musikstücks sein.

Sollten diese Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, ist als erste medikamentöse Maßnahme zur Einnahme pflanzlicher Schlafmittel zu raten, die meist Baldrian oder Hopfen enthalten. Diese pflanzlichen Schlafmittel haben den Vorteil, dass sie die Schlafphasen nicht beeinflussen, das heißt, die REM-Phase wird nicht verändert.

Fast alle anderen Schlafmittel verändern den natürlichen Ablauf des Schlafes, indem sie mehr oder weniger den REM-Schlaf, der für die Erholung der Psyche wichtig ist, verändern. Bei Dauergebrauch führen sie zur Abhängigkeit. Viele Mittel wirken bis in den nächsten Tag hinein und setzen das Reaktionsvermögen herab und beeinflussen dadurch die Leistungsfähigkeit. Daraus lässt sich eine Regel für den Gebrauch von Schlafmitteln ableiten: Schlafmittel nur in besonderen Situationen kurzfristig nehmen.

Rezeptfreie Schlafmittel

Rezeptfrei gleich harmlos gilt für die Schlafmittel mit Ausnahme der pflanzlichen nicht. Die gegen Allergien verwendeten Antihistaminika haben eine unangenehme Nebenwirkung: sie machen müde. Diese Nebenwirkung wird in den Schlafmitteln als Hauptwirkung ausgenutzt. Sie sind neben den pflanzlichen Schlafmitteln die einzigen nicht rezeptpflichtigen Arzneimittel. Sie haben den großen Nachteil, nur langsam aus dem Körper ausgeschieden zu werden. Damit beeinflussen sie die Leistungsfähigkeit und das Reaktionsvermögen am nächsten Tag.

Rezeptpflichtige Schlafmittel

Die Benzodiazepine wurden in den späten 50er Jahren entwickelt und als Beruhigungsmittel zur Behandlung von seelischen Spannungen eingesetzt. Sie schirmen den Benutzer von Problemen jeder Art ab. Benzodiazepine haben eine dämpfende Wirkung im Zentralnervensystem, dadurch werden Reize nicht mehr so stark empfunden. Die Konflikte sind zwar noch vorhanden, sie stören aber nicht mehr. Es lag nahe, sie auch als Schlafmittel einzusetzen, denn die Ursache vieler Einschlafstörungen sind seelische Spannungen. Die zahlreichen Benzodiazepine unterscheiden sich in erster Linie in ihrer Wirkungsdauer beziehungsweise in ihrer sogenannten Halbwertszeit, das heißt, die Zeit, in der die Hälfte der Substanz wieder ausgeschieden ist. Sie reicht von wenigen Stunden bis zu mehr als 20 Stunden. Kurz wirkende Benzodazepine eignen sich besonders als Einschlafhilfen. Die länger wirkenden mehr als Durchschlafmittel, wobei auch hier die Nachwirkungen am nächsten Tag beobachtet werden müssen. Auch die Benzodiazepine beeinflussen den REM-Schlaf,  so dass der Schlaf dem Körper nicht mehr die Erholung gewährt, die er nötig hat.

Abhängigkeit bei Dauergebrauch

Auch wenn von vielen behauptet wird, Benzodiazepine machen nicht süchtig, so führen sie bei Dauergebrauch zumindest zur Abhängigkeit, was am besten damit belegt wird, dass beim plötzlichen Absetzen Entzugserscheinungen auftreten.

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Quelle: Hartmut Morck: Arzneimittel verstehen GOVI-Verlag GmbH

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Letzte Änderung: 27.08.2003