Abführmittel kompakt
Abführmittel sind die Arzneimittelgruppe, die am häufigsten bewusst oder unbewusst falsch angewandt wird. Das hängt damit zusammen, dass über den normalen Stuhlgang in der breiten Bevölkerung falsche Vorstellungen herrschen.
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gilt
als normal, wenn mindestens alle drei Tage Stuhlgang erfolgt. Die
Frequenz des Stuhlgangs hängt in erster Linie von den
Nahrungsgewohnheiten ab. Wenig Faserstoffe oder Ballaststoffe
bedeutet geringere Stuhlfrequenz. Deshalb sollte man bei einer
vermeintlichen Verstopfung zunächst seine Essgewohnheiten ändern.
In der Regel stellt sich dann der Stuhlgang von selbst wieder
ein. Bei den Überlegungen, wodurch die Verstopfung verursacht
wurde, müssen auch andere Medikamente einbezogen werden. So
können Herzmittel oder Antidepressiva die Darmträgheit und damit
eine Verstopfung fördern.
Eine schwere Verstopfung liegt erst dann
vor, wenn mit Füll- und Quellstoffen nach acht Tagen noch kein
Stuhlgang provoziert werden kann.
Erst dann sollte man Abführmittel wie
-
Anthrachinone aus Aloe, Faulbaumrinde, Senna und
Rhabarberwurzel oder
-
Bisacodyl und
-
Natriumpicosulfat einsetzen.
Sie reizen die Darmschleimhaut und steigern
dadurch die Beweglichkeit des Darmes. Dies regt den Darm zu einer
vermehrten Wassersekretion an. Die kurzfristige Gabe kann als
unbedenklich angesehen werden. Kritisch ist der Dauergebrauch.
Denn mit der Wassersekretion werden auch Natrium- und Kaliumionen
ausgeschieden. Die Niere reagiert auf den Natriumverlust mit
Rückresorption der Natriumionen und scheidet zusätzlich
Kaliumionen aus, was zu einer Unterversorgung mit Kalium führt,
der sogenannten Hypokaliämie. Folge dieser Unterversorgung ist
eine Muskelschwäche, zum Beispiel der Darmmuskulatur, unter
Umständen aber auch der Herzmuskulatur. Mit anderen Worten, der
Dauergebrauch dieser Abführmittel kann die Verstopfung fördern,
denn der Darm ist durch die Hypokaliämie unbeweglich
geworden.
Abführmittel dürfen also nur kurzfristig
eingenommen werden. Am besten wird der Darm durch reichliche Gabe
von Ballaststoffen in der Nahrung oder durch zusätzlich gegebene
Quell- und Füllstoffe wie Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamen
trainiert. Dabei ist darauf zu achten, dass ausreichend
Flüssigkeit getrunken wird.
Quelle: Hartmut Morck: Arzneimittel verstehen GOVI-Verlag GmbH
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