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Bakterien gegen Diabetes und Übergewicht

Im Darm jedes Menschen tummelt sich eine unvorstellbar große Zahl von Keimen. Sie bilden die natürliche Darmflora und beeinflussen nicht nur das Immunsystem, sondern auch, ob ein Mensch leicht zunimmt und Diabetes entwickelt. Lesen Sie hier mehr dazu und wie Wissenschaftler versuchen, die Darmflora zu beeinflussen.

Joghurt

Mit einigen Lebensmitteln wie beispielsweise Naturjoghurt nimmt man für den Darm nützliche Bakterien auf.
© MarkFGD - Fotolia

Auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Leipzig stellte Professor Dr. Hubert Kolb von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf aktuelle Studien zu Darmkeimen vor. Diese zeigen, dass sich Menschen auf der ganzen Welt in drei Typen einteilen lassen, was die Keimbesiedlung ihres Darms angeht. Menschen mit einem der drei Besiedlungstypen könnten vermehrt zu Übergewicht und Typ-2-Diabetes neigen, so Kolb. Eine Vermutung, die Wissenschaftler zu belegen versuchen.

So stellte Dr. Nanette Schloot vom Deutschen Diabetes Zentrum in Düsseldorf eine Untersuchung vor, in der 18 Männer mit Übergewicht, hohen Blutzucker- und Blutfettwerten, einem sogenannten metabolischen Syndrom, in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Nach einer Darmreinigung bekam die eine Hälfte den eigenen Stuhl in aufbereiteter Form zugeführt, die andere Hälfte den Stuhl schlanker Menschen. Mit dem Stuhl schlanker Menschen gelangte auch deren Darmflora in die übergewichtigen Probanden. Das Ergebnis: Bei diesen Versuchsteilnehmern besserten sich ohne weitere Maßnahmen die Blutfettwerte sowie die Empfindlichkeit der Körperzellen auf Insulin. Allein die Darmflora der Schlanken war für diese positiven Ergebnisse verantwortlich. Der Effekt hielt über zwölf Wochen an. Womöglich können mikrobiotische Arzneimittel entwickelt werden, die Menschen mit metabolischem Syndrom nutzen.

Weniger Entzündungen

Schon heute gibt es zahlreiche Arznei- und Lebensmittel, die aus sogenannten Probiotika bestehen oder diese enthalten. Probiotika definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Mikroorganismen, die in bestimmten Mengen die Gesundheit unterstützen. Diese allgemeine Formulierung ergänzte Kolb auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse: "Probiotika treten in Wechselwirkung mit der Darmwand und stärken die Verbindung der Darmwandzellen untereinander." Daraus ergebe sich eine geringere Durchlässigkeit der Darmwände für Giftstoffe unterschiedlicher Herkunft. Zudem steige die Konzentration an Darmhormonen an, und Immunfaktoren, die Entzündungen hemmen, würden vermehrt produziert.

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Fett füttert die Falschen

Mögliche Zusammenhänge zwischen Darmflora, Übergewicht und Diabetes stellte Professor Dr. Patrice D. Cani vor. Er arbeitet an der Université catholique de Louvain in Belgien. So verändere eine fettreiche Ernährung die Darmflora. Vermehrt würden von der veränderten Darmflora solche Bestandteile in die Blutbahn gelangen, die eine Entzündungsreaktion auslösten. Diese Bestandteile
heißen Lipopolysaccharide, oder abgekürzt LPS. Die Entzündungsreaktion wiederum spielt nach Dr. Canis Angaben sowohl bei der dem Typ-2-Diabetes zugrunde liegenden Insulinresistenz als auch beim Übergewicht eine Rolle. Aufgabe künftiger Forschungen sei es, diese Hinweise weiter zu untermauern.

Dazu präsentierte Schloot eine Studie, in der 22 gesunden Menschen, fünf Menschen mit einer Diabetesvorstufe und 18 Typ-2-Diabetikern, über vier Wochen das Bakterium Lactobacillus acidophilus ver abreicht wurde. Ergebnis:
Bei den Diabetikern und bei den Teilnehmern mit Diabetesvorstufen hatte sich die so wichtige Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin eindeutig verbessert.

Noch keine Einnahmeempfehlung zur Vorsorge

Eine Empfehlung zur Einnahme spezieller Probiotika zur Vorbeugung von Übergewicht und Diabetes können Wissenschaftler allerdings heute noch nicht geben. Bislang haben Probiotika-Arzneimittel vorrangig einen Anwendungsbereich: Durchfall bei Magen-Darm-Infektionen.

Apothekerin Isabel Weinert

Pro und Prä: Das macht den Unterschied

Neben den Probiotika, also Präparaten mit lebenden Bakterien oder Hefepilzen, gibt es auch eine Reihe von Produkten, die als Präbiotika bezeichnet werden. Dabei handelt es sich in aller Regel um Ballaststoffe. Sie bieten den "guten" Dickdarmbakterien reichlich Nahrung, so dass sich die Dickdarmflora damit positiv verändern lässt. Im Gegensatz dazu scheinen laut Professor Dr. Hubert Kolb von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Probiotika ihre Wirkungen vornehmlich im Zwölffinger- und Dünndarm zu entfalten. Da die einzelnen Darmabschnitte jedoch über verschiedene Substanzen miteinander "kommunizieren" können, ist es laut Kolb durchaus denkbar, dass Bakterienpräparate auch den Dickdarm und umgekehrt Ballaststoff-Präparate auch den Zwölffinger- und Dünndarm beeinflussen können.

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