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Mittelaltes Paar sitzt auf einem Sofa und liest zusammen Zeitung.

Wer auf eine schadstofffreie Wohnumgebung achtet, kann sich zu Hause richtig wohlfühlen.
© Monkey Business - Fotolia

Gesund wohnen: die besten Tipps

Rund 80 Prozent seiner Zeit verbringt der Mensch in geschlossenen Räumen. Grund genug, sein Zuhause gesund zu gestalten. aponet.de zeigt, welche Gesundheitsgefahren im trauten Heim lauern können, und gibt Tipps, wie man gesünder wohnt.

Die eigenen vier Wände bedeuten Geborgenheit und damit Glück und Wohlbefinden. Umso schlimmer, wenn man sich zu Hause immer unbehaglicher fühlt, ohne eine richtige Erklärung dafür zu finden.

Krank durch Wohngifte

Sie leiden unter Kopfschmerzen, tränenden Augen, Schwindel, Abgeschlagenheit, gereizten Schleimhäuten oder Atemproblemen? Das kann – neben vielem anderen – auch an sogenannten Wohngiften liegen. Dazu zählen Schadstoffe, die in die Raumluft gelangen und damit auch die ihr ausgesetzten Menschen beeinträchtigen. Manche dieser Wohngifte wirken unmittelbar, sie vermitteln beispielsweise allergische Reaktionen. Andere reichern sich im Körper an und verursachen erst im Laufe der Zeit die genannten Beschwerden.

10 Tipps zum richtigen Heizen und Lüften

1. Regelmäßig lüften
Am besten mehrmals am Tag lüften, zumindest nach dem Aufstehen und vor dem Zubettgehen. Zu dieser Zeit ist die Luft im Schlafzimmer besonders feucht.

2. In Bad und Küche häufiger lüften
Hier entsteht viel Feuchtigkeit. Diese möglichst direkt ins Freie abführen.

3. Intensiven Luftaustausch ermöglichen
Am besten Fenster und Zimmertüren für einige Minuten weit öffnen, nicht nur kippen. Diese Querlüftung sorgt für einen intensiven Luftaustausch innerhalb kürzester Zeit. Eine Alternative: "Stoßlüften". Dabei sind nur die Fenster weit geöffnet, es herrscht aber kein Durchzug. Die Länge richtet sich auch nach der Außentemperatur: Bei Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt reichen maximal fünf Minuten, bei ruhigem, wärmeren Wetter zehn bis 15 Minuten.

4. Nicht dauerhaft lüften
Fenster nicht den ganzen Tag auf Kippstellung lassen. Dabei kühlen Wände und vor allem die Fensterlaibungen stark aus. Etwa 30 bis 60 Minuten dauert es so, bis die Raumluft komplett ausgetauscht ist. Zum Vergleich: Beim Querlüften dauert es gerade einmal eine bis fünf Minuten und beim Stoßlüften nur fünf bis zehn Minuten.

5. Auch bei Regenwetter oder Nebel lüften
Die Außenluft ist bei kühlen Außentemperaturen und Regenwetter meist trockener als die wärmere Raumluft. Daher sollte man auch bei diesem Wetter das Lüften der Wohnung nicht unterlassen.

6. Heizung aus beim Lüften
Drehen Sie während des Lüftens die Heizkörperventile zu, um nicht gegen die kalte Luft anzuheizen.

7. Räume einzeln heizen
Zimmertüren zu Räumen mit niedrigerer Temperatur – beispielsweise zum Schlafzimmer – geschlossen halten. So kühlt warme Luft aus anderen Räumen dort nicht aus. Außerdem verhindern Sie damit, dass sich die Feuchtigkeit in der wärmeren Luft in den kühleren Räumen als Kondenswasser niederschlägt.

8. Räume nicht auskühlen lassen
Die Temperatur sollte auch in weniger genutzten Räumen nicht unter 16 Grad Celsius sinken. Leichtes Heizen erwärmt die Raumluft. Diese kann dann mehr Feuchte aufnehmen und durch Lüften abtransportiert werden. Das verhindert, dass die Feuchtigkeit in die Wände übergeht.

9. Nichts vor die Heizung stellen
Vermeiden Sie einen Hitzestau, indem Sie die Wärmeabgabe der Heizung nicht durch vorgestellte Möbel oder lange Vorhänge behindern.

10. Möbel mit Abstand zur Wand stellen
Möbel und Vorhänge in ausreichendem Abstand zu Außenwänden aufstellen oder aufhängen. Es sollten mindestens fünf Zentimeter sein, damit die Luft ungehindert zirkulieren kann. Große Möbelstücke gar nicht an Außenwänden platzieren.

FH

Eine Quelle dieser Gifte können Baumaterialien beispielsweise in Bodenbelägen oder Wänden sein. Hier steckt aber auch eine große Chance zur Vorbeugung: Baubiologen (siehe Kasten am Ende des Texts) stehen beratend zur Seite, wenn man neu baut, saniert oder renoviert. Die Experten helfen, ein gesundes Wohnumfeld zu errichten.

Eine weitere Schadstoff-Quelle: Einrichtungsgegenstände wie Teppiche, Vorhänge oder Möbel. Daher sollte man schon beim Kauf auf Produkte achten, die keine oder kaum Schadstoffe enthalten. Hier geben Gütesiegel wie "eco" und "natureplus" Orientierung.

Schadstoffe aufspüren

Ist das Haus schon gebaut oder saniert und gibt es den Verdacht auf Wohngifte, helfen Raumluftanalysen oder Wohnungsbegehungen, um Schadstoffe ausfindig zu machen. Adressen qualifizierter Messinstitute und Berater findet man bei der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e. V. (siehe Kasten am Ende des Texts).

Erhärtet sich der Verdacht, dass die Beschwerden von Bewohnern tatsächlich durch Wohngifte hervorgerufen werden, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Umweltmediziner sind darauf spezialisiert, durch Umweltgifte hervorgerufene Krankheiten zu erkennen. Ärztekammern und Krankenkassen helfen, Experten vor Ort zu finden.

Lüften ist das A und O

Immer bessere Isolierungen halten zwar die Wärme in den Häusern, die verbesserte Schutzhülle erhöht aber möglicherweise auch die Konzentration der Schadstoffe in der Innenluft. Eine Lösung des Problems: Gerade beim Verlegen eines neuen Bodenbelages, in den Wochen danach oder beim Streichen ist es äußerst wichtig, regelmäßig zu lüften. So können die zu dieser Zeit vermehrt ausgasenden Schadstoffe effektiv abtransportiert werden.

Lüften ist immer wichtig. Denn schlechte Luft kann auch andere Ursachen haben als Schadstoffe aus Möbeln oder Baumaterial. Halten sich Menschen in den Wohnräumen auf, wird Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid reichert sich in der Luft an. Wird gekocht oder geduscht, erhöht sich die Raumfeuchtigkeit. Richtiges Heizen und Lüften sorgen für ein gutes Raumklima (Kasten links) und beugen Schimmel vor. Denn Feuchtigkeit in der Raumluft, die nicht weggeweht wird, droht sich an kälteren Bauteilen wie Zimmerecken, Außenwänden oder Fensterrahmen als Kondenswasser niederzuschlagen – eine ideale Voraussetzung für Schimmelpilzbefall.

Hausstaubmilben entfernen

Gesundheitliche Probleme können auch durch Allergene entstehen, allen voran Hausstaubmilben beziehungsweise deren Kot. In diesem Fall gilt es, das Allergen zu meiden, also die kleinen Plagegeister loszuwerden. Dies gelingt, indem man die Luftfeuchte in den Räumen herabsetzt und Milben die Nahrung entzieht. Dazu geeignete Sanierungsmaßnahmen sollten am Ort des größten Milbenbefalls beginnen, zumeist sind dies die Betten. Die wichtigsten Maßnahmen:

  • Die Matratze, das größte Milbenreservoir, mit einem milbendichten Schutzbezug überziehen.
  • Ein Bettgestell mit Füßen und ohne Bettkasten bevorzugen; das sorgt für bessere Luftzirkulation.
  • Im Schlafzimmer für eine Temperatur von 18 bis 20 Grad Celsius sorgen.
  • Die Luftfeuchte durch Lüften auf 45 bis 55 Prozent einstellen.
  • Bettwäsche wöchentlich bei mindestens 60 Grad Celsius waschen.
  • Decken und Kissen alle drei Monate bei mindestens 60 Grad Celsius waschen.
  • Wenn Sie Kleidung unter 60 Grad Celsius waschen wollen, geben Sie der Wäsche Mittel aus der Apotheke etwa mit Benzylbenzoat zu, die gegen Milben wirksam sind.
  • Allergiegeplagten Kindern sollten die Eltern keine Kuscheltiere mit ins Bett geben.
  • Auf Staubfänger wie offene Regale und schwere Vorhänge verzichten.
  • Pflanzen und Topfblumen gehören nicht ins Schlafzimmer.
  • Teppiche sind in Ordnung, solange man eine Fußbodenheizung besitzt; ansonsten empfiehlt es sich, glatte Böden wie etwa Parkett zu verlegen.
  • Feucht wischen statt saugen, oder Staubsauger mit hoher Saugkraft verwenden. Unter Staubsaugern gibt es Modelle mit speziellen Filtern, die Allergene besser abfangen.
  • Man sollte möglichst keine Haustiere halten beziehungsweise sie nicht ins Schlafzimmer lassen.
  • Es empfiehlt sich gerade für Allergiker, das Rauchen aufzugeben.

Menschen werden mit dem Alter sesshafter. Dies verdeutlichen auch Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Zahlen der Wanderungsbewegungen pro 1.000 Einwohner über Gemeindegrenzen im Jahr 2010 zeigen, dass über 45-Jährige länger an einem Ort leben als jüngere Menschen. Umso wichtiger ist dann ein gesundes Wohnumfeld.

Barrierefrei im Alter

Eine neue Dimension bekommt gesundes Wohnen, wenn wegen Alter oder Behinderungen der Wohnraum angepasst werden muss. Selbstverständlich gelten die Vorteile von Schadstofffreiheit weiter, doch Wohngesundheit wird nun durch Barrierefreiheit ergänzt.

Dieser Begriff steht dafür, Wohnräume so zu gestalten, dass sie ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind. Ähnlich wie bei der Vermeidung von Schadstoffen kann man Barrieren schon bei der Auswahl der zukünftigen Wohnräume vermeiden. Das ist günstiger, als nachträglich bauliche Maßnahmen durchführen zu lassen.

Eine Beratung zum Thema Barrierefreiheit in Form von Mängelanalysen mit Verbesserungsvorschlägen, konkreten Planungstipps, Herstelleradressen und Produkthinweisen sowie Informationen über Kostenträger und mögliche Zuschüsse gibt es unter anderem beim Sozialverband VdK Hessen-Thüringen (siehe Kasten am Ende des Texts). Mit einer planvoll eingerichteten Wohnung können Menschen auch im letzten Lebensabschnitt Sicherheit und Lebensqualität in der vertrauten Umgebung erfahren.

Apotheker Fabian Henkel

Hilfreiche Adressen

Wo finde ich Baubiologen?
Über die Webseite www.baubiologie.net des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen e.V. können Sie Sachverständige in Ihrer Nähe finden. Zudem bietet der Verband unter der Telefonnummer 0800 2001 007 montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr eine kostenfreie telefonische Erstberatung an.

Wer führt Raumluftanalysen durch?
Die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. (AGÖF) bietet unter www.agoef.de im Bereich "Mitglieder" und dann "Schadstoffmessung im Innenraum" eine Liste mit Instituten, die Schadstoffmessungen durchführen. Kontakt per Telefon über 05044 97575 oder per Telefax über 05044 97577 oder per E-Mail über agoef@t-online.de.

Wer berät zu Barrierefreiheit?
Die Fachstelle für Barrierefreiheit des Sozialverbandes VdK Hessen-Thüringen bietet Beratungen zum barrierefreien Wohnen an.
Telefon: 069 15332604
Telefax: 069 15332970
E-Mail: barrierefreiheit.ht@vdk.de
Die Postadresse:
Fachhochschule Frankfurt
FB Soziale Arbeit und Gesundheit
Raum 23, Gebäude 2
Nibelungenplatz 1
60318 Frankfurt/Main

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