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Gesundheit und Beruf

Mädchen auf dem Sofa beim Fernsehen

Protest garantiert: Kinder, die den Spruch der Eltern "Du sollst nicht so viel fernsehen!" hören, sind wenig begeistert. Doch die Eltern haben recht. Denn zu viel fernsehen ist ungesund.
© Wanja Jacob - Fotolia

Jede Stunde Fernsehen erhöht das Herzinfarkt-Risiko

Wenn die Tage kürzer, dunkler und kühler werden, machen es sich manche vor dem TV gemütlich. Doch zu viel Zeit vor dem Fernseher schadet der Gesundheit, wie mehrere Studien zeigen.

Als am 22. März 1935 der Deutsche Fernseh-Rundfunk das erste regelmäßige TV-Programm ausstrahlte, gab es gerade 250 Fernsehempfänger. Die Bildschirme waren 18 mal 22 Zentimeter groß. Das Bild wackelte und flackerte, besaß wenig Kontrast und zeigte das Programm in Schwarz-Weiß. Nicht gerade ein Anlass, um lange vor der Glotze zu sitzen.

Kein Programm-Problem

Und heute? Es locken bunte Großbildschirme und Dutzende TV-Kanäle über Kabel und Satellit. Und für viele geht der erste Griff, sobald man die eigenen vier Wände betreten hat, zur Fernbedienung. "Ich bin fernsehsüchtig", gibt zum Beispiel der Übersetzer, Schriftsteller und Schauspieler Harry Rowohlt zu. "Zigaretten, Armbanduhren und Fernsehen muss sein, sonst werde ich hibbelig." Durchschnittlich sehen rund 7,65 Millionen Personen in Deutschland täglich mehr als vier Stunden fern, ergab eine Studie aus dem letzten Jahr.

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TV schadet mitunter der Gesundheit. Das wusste bereits die US-Schauspielerin Bette Davis. "Fernsehen ist fabelhaft. Man bekommt nicht nur Kopfschmerzen davon, sondern erfährt auch gleich in der Werbung, welche Tabletten dagegen helfen." Dass nicht nur der Kopf wehtut, liegt nicht am vermeintlich schlechten Programm. Es liegt an der Zeit, die Fernsehfreunde untätig vor dem Bildschirm verharren, wie eine australische Untersuchung herausfand. "Zu viel Sitzen ist ungesund", betont Studienleiter Professor Dr. David Dunstan vom Herz und Diabetes-Institut im australischen Victoria. "Der menschliche Körper ist darauf ausgerichtet, sich zu bewegen, und nicht darauf, längere Zeit herumzusitzen."

Er nahm mit seinem Team über mehrere Jahre 8.800 Männer und Frauen unter die Lupe und befragte sie nach ihrem TV-Konsum. Das Ergebnis: Jede täglich vor dem Fernsehgerät verbrachte Stunde ließ die Gefahr, im Untersuchungszeitraum zu versterben, um elf Prozent ansteigen. Das Risiko, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erliegen, nahm sogar um 18 Prozent zu.

Die Eltern hatten recht

"Du sollst nicht so viel fernsehen!" Diesen Spruch haben viele inzwischen Erwachsene von ihren Eltern gehört. Als Kind empfanden sie es als ungerecht. Doch Mutter und Vater hatten, wissenschaftlich gesehen, recht, wie kanadische Forscher in der Fachzeitschrift 'American Medical Association’s Archives of Pediatrics and Adolescent Medicine' berichten. Schwach in der Schule, schlecht im Sport, schluderig im Rechnen, lautet salopp formuliert die Prognose der Studie der Universität Montreal für Fernseh-Kinder. Zudem werden sie öfter von Klassenkameraden gehänselt und nehmen mehr gezuckerte Getränke und Süßigkeiten zu sich. Besonders, wenn die Glotze bereits früh ins Spiel kommt. Fazit der Studie: "Fernsehen im Vorschulalter ist eine passive Aktivität zu einer Zeit, wenn Schlüsselerfahrungen bei der Aufmerksamkeit und im selbst gesteuerten Verhalten gemacht werden sollten."

"Über die angeblichen Gefahren des Fernsehens kann ich nur lachen. Ein Knopfdruck genügt, und jede Gefahr ist vorüber", rät die US-Schauspielerin und Sängerin Liza Minnelli. Das wusste schon Peter Lustig, der über lange Zeit die Kindersendung "Löwenzahn" im ZDF moderiert hat. Zum Schluss jeder Folge schaute er ernst durch seine Nickelbrille und sagte immer den gleichen Satz: "Ihr könnt jetzt abschalten!"

Peter Erik Felzer

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