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Junge Familie

Zwei Teenager

Teenager erkunden die Welt auf eigene Faust.
© mauritius images

Wenn Kinder erwachsen werden

Äußerlich schon fast volljährig, innerlich noch ganz schön kindlich - Pubertierende machen eine schwierige Zeit durch. Ihre Eltern auch. Und diese Zeit dauert zunehmend länger.

Türen knallen, Füße poltern die Treppe zum Obergeschoss hinauf. "Mama, Du verstehst einfach gar nichts", kreischt Inga (13) ihrer Mutter entgegen und rudert theatralisch mit den Armen, bevor sie hinaussaust. "Waren wir früher auch so?", fragt ihre Mutter nach dem filmreifen Abgang ihrer Tochter irritiert. Vermutlich, denn an der Pubertät kommt praktisch niemand vorbei.

Studien zeigen, dass die schwierige Phase deutlich früher beginnt als noch Mitte des vorletzten Jahrhunderts. Durchschnittlich 17 Jahre waren damals die Mädchen alt, wenn sie ihre erste Monatsblutung bekamen. Gut fünf Jahre später als heute. Auch die Jungs starten heute jünger in die Pubertät als noch vor 150 Jahren, insgesamt jedoch ein bis zwei Jahre nach den Mädchen ihres Jahrgangs. Dass die Zeit der Pickel und Probleme früher beginnt, bedeutet jedoch nicht, dass man zeitiger damit durch ist. Nicht nur die Hormone spielen in dieser Zeit verrückt. Der Körper verändert sich, dass mancher sich selbst kaum wieder erkennt. Und auch das Gehirn baut sich in dieser Zeit um: Bis nach dem 20. Geburtstag kann es dauern, bis der letztes Bauabschnitt der "Baustelle Gehirn" abgeschlossen ist.

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Ruhe bewahren

"Alles Phasen", sagt sich Ingas Mutter. "Ist ja schließlich nicht die erste." Sie hat sich vorgenommen, sich nicht aufzuregen und nichts persönlich zu nehmen, was ihr manchmal gar nicht leicht fällt. "Für meine Kleine ist das ja auch schwierig", sagt sie sich dann. "Kleine" dürfe sie aber nicht mehr sagen. Aber alles durchgehen lassen kann sie ihrer Tochter auch nicht. "Natürlich muss Inga lernen, sich durchzusetzen", weiß ihre Mutter. "Aber eben nicht auf 'Teufel komm raus'. Andere haben schließlich auch ihre Rechte." Nach einiger Zeit kommt Inga zurück. "Duuu, Mama", sagt sie vorsichtig. "Lisa hat gerade angerufen. Darf ich mit ins Kino?"

Warum die Pubertät immer früher einsetzt, können die Forscher bislang nur vermuten. Einige führen es auf eine bessere Ernährung und medizinische Versorgung zurück. Andere haben eher eine Überernährung, vor allem mit Fast food, in Verdacht. Wieder andere tippen auf Umweltchemikalien in Lebensmitteln oder Trinkwasser, zum Beispiel das Bisphosphenol A, die wie Hormone wirken könnten. Studien, die eine Theorie mit letzter Sicherheit als die richtige belegen, gibt es derzeit noch nicht.

Vertrauen als Basis

Ingas Mutter setzt auf klare Absprachen und verlässt sich darauf, dass ihre Tochter sich daran hält. Vertrauen muss sein. "Das klappt nicht immer gleich gut", erzählt sie. "Aber im Großen und Ganzen kann ich ganz zufrieden sein." Schließlich gehe das ja jetzt noch ein paar Jahre so weiter. Ihre Tochter hat nach anfänglichem Widerstand gemerkt, dass sie mit der sprichwörtlichen "langen Leine" ganz gut fährt, auch wenn sie selbst sie manchmal etwas zu kurz findet. Aber dann fällt ihr Lisa ein, ihre beste Freundin. Lisas Mutter habe einen Kontrolltick. "Das ist total schrecklich", erzählt Inga. "Sie räumt immer Lisas Zimmer auf. Und sie liest Lisas Tagebuch!"

Ingas Zimmer sieht meistens aus wie nach einem Hurrikan. "Es juckt mich doch manchmal in den Fingern", sagt ihre Mutter augenzwinkernd. "Mama, nein", ruft ihre Tochter entsetzt, aber sie kann sich darauf verlassen, dass keiner ihr privates Reich betritt, auch nicht, wenn sie nicht zu Hause ist. Auch über Geschmack wird dort nicht gestritten. Dafür bezieht Inga regelmäßig ihr Bett selbst. "Übrigens habe ich meine Hausaufgaben fertig", lächelt Inga erwartungsvoll. Ingas Mutter überlegt und nickt schließlich. "An richtig schwierigen Tagen", sagt Ingas Mutter, als ihre Tochter schon draußen ist, "wenn's mal wieder richtig rund geht, denke ich immer: besser so, als wenn sie zu brav wäre." Aber das verrät sie Inga vorsichtshalber nicht.

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