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Junge Familie

Familie beim Spiel

Spielen macht Spaß, aber Verlieren will gelernt sein.
© KKH-Allianz

Verlieren will gelernt sein

Glück im Spiel auch den anderen gönnen, das müssen Kinder erst lernen. Doch es gibt Tricks, wie das Verlieren leichter fällt und das Gewinnen noch mehr Spaß macht.

Rot zeigt der Würfel. Leider die falsche Farbe, um die noch fehlende Zwergenkarte zu finden. Eigentlich sollte Laura jetzt ihrem Vater den Würfel geben, denn der ist jetzt dran. Stattdessen fliegt der Würfel vom Tisch. "Immer verliere ich. Das ist gemein!", schreit Laura und schaut ihren Vater böse an. Was als gemütlicher Spielenachmittag begann, endet bereits nach wenigen Minuten. "Eine ganz typische Reaktion", findet Regina Lindhoff, Pressesprecherin des Vereins "Mehr Zeit für Kinder".

Verlieren macht niemandem Spaß, selbst Erwachsenen nicht. Aber besonders kleinen Spielern fällt es schwer, den Kürzeren zu ziehen. "Es gibt zwar Kinder, die freuen sich, spielerisch etwas Neues zu entdecken. Das Gewinnen steht für sie nicht im Vordergrund. Sie akzeptieren die Regeln und verstehen: Verlieren muss eben auch einmal sein", erklärt Lindhoff. "Es gibt aber auch Kinder, die das schlechter verkraften."

So macht das Spielen Spaß

Regina Lindhoff vom Verein "Mehr Zeit für Kinder" gibt folgende Ratschläge:

  • Auf die Kinder eingehen. Was spielen sie besonders gerne?
  • Kindern ihrem Alter entsprechend auch mal neue Spiele anbieten.
  • Sich beim Spielen mit den Kindern ausreichend Zeit nehmen.
  • Auf die Tageszeit und damit auf die Konzentration der Kinder Rücksicht nehmen. Abends, wenn die Kinder müde sind, ein kurzes Spiel einplanen, das nur ein paar Minuten dauert.
  • Die Regeln festlegen. Wenn man sie ändert, dann vor dem Spiel und gemeinsam.
  • Wenn Kinder Mühe haben, sich zu konzentrieren und unruhig sind, eine kurze Bewegungsrunde einbauen. Oder das Spiel verkürzen, indem man eine bestimmte Frist setzt.
  • Auf das jüngste Kind Rücksicht nehmen. Es kann bei bestimmten Spielen, die es noch nicht so gut kennt, mit einem Erwachsenen ein Team bilden.

Nicht immer liegt es am Verlieren, wenn Würfel in die Ecke fliegen. Gerade ältere Kinder haben oft andere Probleme, etwa ein mangelndes oder ein übersteigertes Selbstwertgefühl. Oder sie machen in der Schule gerade die Erfahrung, dass sie zu kurz kommen oder abgelehnt werden. "Wenn es dann auch im Spiel heißt: Ich verliere wieder, dann kann eine Überreaktion die Folge sein", erklärt Lindhoff.

Schmollpause einlegen

Laura sitzt jetzt schmollend in einer Ecke ihres Kinderzimmers. "Wollen wir vielleicht etwas anderes spielen? Wie wäre es denn mit Memory?", fragt der Vater. Bei ihrem Lieblingsspiel kann Laura dann doch nicht widerstehen. Lauras Vater hat es richtig gemacht. Er hat einige Minuten gewartet, bis sich der erste Rauch verzogen hat. Auch dass er das Spiel mit den Zwergen nicht noch einmal angeboten hat, war aus Expertensicht richtig.

Lindhoff: "Gerade jüngere Kinder müssen erst lernen, dass sie nicht immer vorne, nicht immer Erste sein können." Das Vorbild der Eltern spielt eine wichtige Rolle. Wenn Papa oder Mama nicht verlieren können und unwirsch reagieren, können Kinder nicht begreifen, dass das Verlieren auch dazu gehört. Und das Kind absichtlich gewinnen lassen, damit es erst gar keinen Spielefrust gibt? Lindhoff: "Gerade wenn Kinder das gemeinsame Spielen lernen, sollte man nicht so verbissen spielen. Kinder verlieren sonst schnell den Spaß. Wenn man sich aber zuvor auf Regeln verständigt hat und das Kind verliert, dann kann man nicht sagen, wir setzen jetzt die Regeln einfach außer Kraft."

Informationen

Mehr Zeit für Kinder e. V.
Fellnerstraße 12
60322 Frankfurt/M
Tel.: 069 15 68 96 0
Fax: 069 15 68 96 10

Die Aktion "Mehr Zeit für Kinder e. V." finden Sie im Internet unter www.mzfk.net. Über spezielle Spielprojekte in Schulen informiert www.spielen-macht-schule.de.

Lieber Memory spielen

Verlieren lernen muss laut Lindhoff auch sein. Denn Kinder bekommen in ihrem späteren Leben auch nicht alles auf dem Silbertablett serviert. Spielanfängern hilft es bei einem Brettspiel zum Beispiel bestimmte Felder herauszunehmen. Etwa indem man dort nicht oder nur in jeder zweiten Runde aussetzen muss. Lindhoff ermuntert Eltern, zu Memory-Karten oder Würfeln zu greifen. "Spielen macht Kindern grundsätzlich Spaß. Eltern sollten sie dabei unterstützen." Zudem sorgt Spielen für Entspannung und stärkt die Gemeinschaft in der Familie. Laura findet das letzte Memory-Pärchen: zwei Fische. "Jetzt lass uns unsere beiden Stapel vergleichen", sagt sie zu ihrem Vater. Gespannt schaut sie auf die Karten. "Sie sind gleich hoch", freut sich die Vierjährige. "Dann haben wir ja beide gewonnen!"

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