Wirkung hängt auch von der Erwartung ab

 

Von nichts kommt nichts. Von wegen. Auch Medikamente ohne einen Arzneistoff, sogenannte Placebos, können eine Wirkung entfalten. Denn es kommt bei Medikamenten nicht nur auf den Arzneistoff an, sondern auch auf das, was der Patient erwartet. Über diese Zusammenhänge informierten sich Apotheker auf einem internationalen Fortbildungskongress in Meran. Die Neue Apotheken Illustrierte berichtet über dieses Thema in ihrer aktuellen Ausgabe vom 15. September 2016.

 

Eine positive Erwartungshaltung trägt zur Wirkung eines Medikamentes bei. »Der Effekt ist positiv und sollte vermehrt eingesetzt werden«, informierte Professor Dr. Christian Büchel, Neurowissenschaftler vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Vor allem die Schmerztherapie, aber auch die Behandlung von Juckreiz und Parkinson könne von den Placeboeffekten profitieren.

 

Dass Placebos wirken, beweist etwa eine große US-amerikanische Analyse einer Reihe von Studien zur Behandlung von Rückenschmerzen. Opioide, besonders starke Schmerzmittel, linderten die Beschwerden um durchschnittlich 26 Prozent. Rund 20 Prozent betrug der Wert für Placebos. »Placebos fördern die Ausschüttung von Endorphinen«, erklärte Büchel. Diese körpereigenen Botenstoffe wirken ähnlich wie schmerzlindernde Opioide.

 

Wissenschaftler wie Büchel machen sich darüber hinaus Gedanken, wie sich die Placebowirkung noch weiter verstärken lässt. So erhielt in einer Versuchsanordnung eine Patientengruppe ein Scheinmedikament, über das die Ärzte berichten, dass es finanziell sehr  günstig sei. Die andere Gruppe bedachten die Mediziner mit einem vermeintlichen Luxusmittel. Das scheinbar teurere Mittel funktionierte besser und minderte den Schmerz um mehr als das Doppelte, berichtete Büchel. Auch das Wissen um eine Therapie beeinflusse den Erfolg einer Therapie. Infusionen seien grundsätzlich effektiver als Tabletten.

 

Aber: Eine Behandlung mit Placebos sei kein Freibrief für teure Quacksalberei, warnte Büchel. »Die Wirkung basiert auf dem Vertrauen zwischen Therapeut und Patienten«, ist sich der Experte sicher.

 

Außerdem in diesem Heft: Die perfekte Behandlung von Husten +++ Schlaglicht auf Diabetesmedikamente – 2. Teil +++ Nach der Krankheit: Wann darf das Kind wieder in die Schule oder den Kindergarten?

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