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Gruppe von Senioren mit einer Pflegerin im Garten.

Wenn es im Pflegeheim so aussieht, kann man sich rundum wohlfühlen.
© Robert Kneschke - Fotolia

Im Pflegeheim leben wie in einer Familie

Ein Ort voller Lebendigkeit: So wirbt der Arbeiter-Samariter-Bund für seine Pflegeeinrichtung Marie-Anne Clauss in München. Hier leben pflegebedürftige und größtenteils demente Senioren unter sehr guten Bedingungen zusammen.

Mal weht frischer Brot- oder Kuchenduft durch den Luganoweg 8. An anderen Tagen klingen Lieder durch die Räume, die Bewohner malen Bilder, und in einem Zimmer tönt der Ruf "Eichel-Ass" durch die Schafkopf-Runde. Wer um sechs Uhr früh aufstehen möchte, kann das gerne tun. Doch einen Weckruf, wie in manch anderen Einrichtungen, gibt es nicht. Man darf ausschlafen und am späten Vormittag im Bademantel frühstücken. Sogar ein Nachtcafé wird es demnächst in der hauseigenen Cafeteria geben – für Senioren mit weniger Schlafbedarf.

Kein Wunder, dass die hier betreuten Senioren bei der Bewertung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen vor einem halben Jahr ihrem Haus die Traumnote 1,0 gaben.

Diese "Zensur" erfüllt Einrichtungsleiter Stephan Lützel mit besonderem Stolz. "Die wirklich hohe Zufriedenheit bei unseren Senioren zeigt, dass unser Konzept ankommt und sich die Menschen hier wohlfühlen", erklärt er. "Ganz wie in der Familie dreht sich in unseren Hausgemeinschaften im Haus alles um Küche und Herd – im Gegensatz zum traditionellen Pflegeheim, wo dies zentral ausgelagert ist", so Lützel.

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Wie in einer Familie

Die 133 älteren Damen und Herren leben in sogenannten stationären Hausgemeinschaften, kleinen überschaubaren Wohngruppen von bis zu zwölf Personen – ähnlich wie in einer Familie. Um jede dieser Gemeinschaften kümmern sich feste Pflegekräfte.

Bisher gibt es diese Betreuungsform, die führende Altersforscher als Wohn- und Pflegemodell der Zukunft sehen, deutschlandweit noch nicht sehr oft. Genaue Zahlen fehlen. Schätzungen gehen davon aus, dass von den knapp über 700.000 stationären Pflegeplätzen in Deutschland nur etwa 10.000 in Hausgemeinschaften wie in München organisiert sind.

Einheitskost ist hier Mangelware: Im Marie-Anne Clauss dürfen die Senioren backen. Soweit möglich kümmern sie sich selbst um die Zubereitung des Essens. "Ganz wichtig ist, dass unsere Betreuer die Mahlzeiten gemeinsam mit den Senioren einnehmen", so Lützel. Das hilft vor allem den schwer Demenzkranken, die vergessen haben, wie man isst und die Ess-Bewegungen dann quasi spiegeln können.

Ein Kakadu auf Besuch

Auch nicht alltäglich für ein Pflegeheim: Tiere sind erlaubt, ja sogar erwünscht. Im hauseigenen Garten wohnt ein Hase, ein Hausbewohner hat einen Hund, und sogar ein Kakadu einer Mitarbeiterin kommt gelegentlich als Gast vorbei. Auch eigene Initiativen von Bewohnern fördern Lützel und sein Team. So hat die Pflegeeinrichtung für die reich mit Kupferdrähten verzierte "Sternenuhr", die der 91-jährige Peter S. in vielen Stunden selbst angefertigt hat, eigens eine Werkbank und das Material angeschafft.

Seit 2010 leitet der Diplom-Pflegewirt Stephan Lützel sehr engagiert das Haus und nimmt sich trotz seiner hohen Arbeitsbelastung regelmäßig Zeit für Schafkopf-Runden mit den männlichen Bewohnern. Die Kartenrunden sind ihm besonders wichtig, weil es gerade für männliche Bewohner in Pflegeeinrichtungen bisher nur wenige Angebote gibt. Und das, obwohl heute der Männeranteil immer mehr ansteigt: Kamen früher noch acht Frauen auf zwei Männer, liegt heute der Anteil bei sechs zu vier.

"Die Alltagsnormalität, die Wohn- und Lebensqualität bei gleichzeitiger Selbstbestimmtheit, stehen bei uns tatsächlich mehr im Zentrum als das medizinisch-pflegerische Element", fasst Lützel zusammen. Das alles zeigt sich vor allem an Kleinigkeiten, beispielsweise am "Raum der Stille": ein sehr ansprechendes und pietätsvolles Zimmer im Erdgeschoss für sensible Gespräche oder das Abschiednehmen von verstorbenen Bewohnern.

Peter Erik Felzer

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