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Arzt mit Herzschrittmacher in der Hand

Immer kleinere Herzschrittmacher werden entwickelt. Zur Zeit sind sie noch etwa so groß wie eine Taschenuhr.
© Vitatron

Modernste Technik taktet das Herz

Wie der Dirigent dem Orchester, so geben spezielle Muskelzellen dem Herzen den Schlagtakt vor. Das funktioniert Jahrzehnte tadellos, solange das Herz gesund bleibt. Was Mediziner an modernster Technik einsetzen, wenn das Herz einen gestörten Schlagrhythmus entwickelt, lesen Sie hier.

Herzinfarkte, Herzschwäche, Schilddrüsenleiden, Rheuma, angeborene Herzfehler, Herzentzündungen oder Herzklappen-Erkrankungen: Es gibt viele Faktoren, die den Herzschlag zeitweise oder auf Dauer aus dem Takt bringen können. Mitunter auch bis hin zum Herzversagen.

Lenken Arzneimittel und die Behandlung von Grunderkrankungen den Herzrhythmus nicht in geregelte Bahnen, greifen Mediziner auf modernste Technik zurück. So kann ein nur etwa 70 Gramm schweres Gerät von der Größe einer kleinen Taschenuhr, ein Herzschrittmacher, den gestörten Taktschlag des Herzens regulieren. Unter die obere Brustmuskulatur einoperiert, überwacht das mit modernster Elektronik vollgestopfte Gerät mittels zum Herz vorgeschobener, drahtartiger Sonden die Herzschlagrate. Ist sie deutlich zu langsam, gibt der batteriebetriebene Schrittmacher über die Sonden einen schnelleren Takt vor. Entweder über eine Sonde in der linken Herzkammer oder im rechten Herzvorhof oder an beiden Orten.

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Zudem kann man eine dritte Sonde an die linke Herzkammer legen. Dreikammer-Schrittmacher helfen Menschen mit Herzschwäche, wenn bei ihnen die Herzwände nicht im gleichen Takt arbeiten und so die Herzleistung abnimmt. Man spricht fachlich von kardialer Resynchronisationstherapie (CRT). Auch an wechselnde körperliche Belastungen des Patienten können sich Herzschrittmacher mittlerweile anpassen. Und der Einsatz eines Schrittmachers ist, in Zentren mit ausreichend Erfahrung durchgeführt, ein sicheres Behandlungsverfahren.

Es gibt außerdem Geräte, die nicht nur helfen, wenn das Herz zu langsam ist, sondern auch, wenn es gefährlich schnell schlägt. Betroffene leiden ohne klar erkennbare Ursache unter Herzjagen, Engegefühl in der Brust, Schwindel, Herzstechen und Angst, teils verlieren sie dass Bewusstsein. Die Geräte geben dann einen Stromstoß ab, um den Herzschlag zu normalisieren. Man spricht auch von Defibrillation und bezeichnet die einoperierten Geräte als implantierbare Defbrillatoren, kurz Defis. Ohne das schnelle Ein greifen der kleinen Lebensretter kann das zu schnelle Schlagen der Herzkammern zum Tode führen.

Falschen Alarm verhindern

Um falschen Alarm zu vermeiden, prüfen Geräte moderner Bauart genau, ob der beschleunigte Herzschlag in den Herzkammern anhaltend und damit tatsächlich bedrohlich ist. Denn erfolgt der Stromstoß des Defis fälschlicherweise, kann er mitunter sehr schaden. Und er ist, wenn er bei vollem Bewusstsein erfolgt, alles andere als angenehm. Moderne Geräte versuchen daher zunächst, mit stärkeren Taktsignalen den übersteigerten Herzrhythmus zu überspielen und dem Herzen den richtigen Takt "aufzuzwingen". Oft reicht das bereits, und ein starker, einzelner Stromstoß ist nicht notwendig.

Mittlerweile kann die Elektronik neuerer Gräte sogar unterscheiden, ob "nur" in den Herzvorhöfen ein zu schneller Schlagrhythmus auftritt oder – was deutlich bedrohlicher ist – in den Herzkammern. Zudem lassen sich die Geräte durch leichte Veränderungen im Verlauf der Herzstromkurve nicht mehr so leicht in die Irre führen. So kommt es sehr selten zu unnötigen Stromstößen. Welche der modernen technischen Raffinessen ein Patient genau braucht, hängt von Art und Ausprägung seiner Herzerkrankung ab.

Studie zu den "Alleskönnern"

Einen der "Alleskönner" unter den Schrittmachern, der drei Herzhohlräume überwacht, einen langsamen und schnellen Herzrhythmus taktet und synchronisiert (CRT) sowie im Notfall Stromstöße gegen einen Herzstillstand abgibt, haben Mediziner in einer internationalen Studie an leicht herzgeschwächten Patienten getestet. Diese litten auch unter einem ungleichmäßigen Pumpen der Herzkammern. Etwa hundert Teilnehmer der sogenannten RAFT-Studie kamen aus Deutschland. Der eingesetzte "Alleskönner" senkte das Sterberisiko im Verlauf von fast zwei Jahren gegenüber weniger ausgefeilten Schrittmachern mit Defibrillator nochmals um 29 Prozent.

Kernspin auch mit Schrittmacher

Doch so Beachtliches moderne Schrittmacher leisten, einen Nachteil haben sie: Wer sie trägt, kann nur eingeschränkt oder gar nicht mittels Kernspintomografie durchleuchtet werden. Eine deutliche Einschränkung, denn dieses ohne Röntgenstrahlen auskommende Verfahren ist für den Arzt oft eine wertvolle Hilfe bei der Diagnose unterschiedlichster Erkrankungen. Da bei Kernspin-Untersuchungen aber starke Magnetfelder erzeugt werden, leidet die Elektronik von Schrittmachern, und deren Sonden erhitzen sich, was das Herz schädigt. Nicht so bei einigen aktuell auf den Markt gekommenen, reinen Schrittmachern: Deren Sonden sind besser isoliert, ihre Elektronik ist durch Magnetfelder nicht mehr störbar. Unter bestimmten Bedingungen – die Geräteeinstellung wird angepasst – sind bei Trägern dieser Schrittmacher also Kernspin-Untersuchungen des ganzen Körpers machbar.

Schrittmacher im Herzen tragen

Und was kann noch kommen? Techniker und Forscher eines führenden US-amerikanischen Schrittmacher-Anbieters haben einen winzigen Schrittmacher entwickelt, der ganz ohne drahtartige Sonden auskommt, die immer auch ein Schwachpunkt bisheriger Schrittmacher sein können. Jedenfalls dann, wenn sie verrutschen oder gar brechen, was aber zum Glück selten geschieht. Der drahtlose Schrittmacher sitzt komplett im Inneren des Herzens, in einer Herzkammer, ohne Verbindung nach außen. Der bisher nur an Tieren getestete Prototyp ist kaum größer als eine Arzneimittelkapsel. Zum Herzen wird er durch Blutgefäße mit einem Katheter vorgeschoben, eine offene Operation ist nicht erforderlich. In der Herzkammer an der richtigen Stelle angelangt, kann der Schrittmacher kathetergesteuert winzige Krallen ausfahren und damit an der Herzkammerwand befestigt werden. Dort verbleibt er und taktet das Herz. Nur als Defi arbeitet er nicht. Entfernen muss man das Gerät, wenn die Batterie leer ist, nicht. Es kann gefahrlos an Ort und Stelle verbleiben. Ein neuer Schrittmacher übernimmt dann seine Aufgaben. Bis der Winzling von einem Schrittmacher jedoch beim Menschen eingesetzt werden kann, wird es noch viele Jahre dauern. Aber auch schon mit der bisherigen, stetig verbesserten Technik kann man vielen schwer herzkranken Menschen sehr gut helfen.

Dr. Frank Schäfer

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