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Herzförmiges Manometer vor einem Rohrleitungssystem

Blutgefäße sind wie Wasserleitungen. Sind sie verstopft, kommt in nachfolgenden Streckenabschnitten kein Tropfen mehr an. Im Falle des Herzens bedeutet das dann einen Herzinfarkt.
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Neue Therapien gegen den Herzinfarkt

Immer noch gehört er zu den häufigsten Todesursachen: der Herzinfarkt. Neue Behandlungsstrategien sollen die tödliche Gefahr in Schach halten. Aponet.de erklärt, wie diese Therapien funktionieren.

Das Herz ist der Motor unseres Körpers. Es schlägt und schlägt und schlägt. Dazu benötigt der faustgroße Muskel in der Brust aber eine gute Durchblutung, sonst kommt es zum Herzinfarkt. Viele Menschen trifft er unvermutet. Doch häufig leiden sie schon seit Längerem an der wichtigsten Ursache für einen Infarkt: einer Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Die Blutgefäße, die den Herzmuskel versorgen, haben sich dann durch Ablagerungen verengt. Wenn an diesen Stellen Blutplättchen verklumpen, kann das Gerinnsel die Blutbahn verstopfen. Der Herzmuskel bekommt zu wenig Sauerstoff und signalisiert "Infarkt".

Gefäße schnell wieder öffnen

"Nach einem Herzinfarkt ist es am wichtigsten, das verschlossene Herzkranzgefäß wieder zu öffnen", erklärt Dr. Thomas Voigtländer, Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum im Bethanien-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Bei der Standardbehandlung, die sich für die meisten Patienten eignet, schiebt der Arzt durch ein Blutgefäß in der Leiste einen dünnen Katheter bis zu den Herzkranzgefäßen vor. Damit kann der Arzt beurteilen, in welchem Ausmaß sich die Blutgefäße verschlossen haben. Mit Hilfe eines dehnbaren Ballons weitet er das verstopfte Blutgefäß wieder. Häufig reicht das aber nicht aus: "In mehr als 85 Prozent aller Fälle setzen wir zusätzlich einen Stent, eine kleine Gefäßstütze in Röhrchenform, ein, um das Gefäß dauerhaft offen zu halten", sagt der Kardiologe.

Inzwischen haben Voigtländer und seine Kollegen die Wahl zwischen mehreren Arten von Stents. "Wenn sehr schmale Gefäße verstopft sind, bevorzugen wir die medikamentenbeschichteten Stents", informiert der Herzspezialist. Sie senken das Risiko für eine erneute Verstopfung der Herzkranzgefäße. Allerdings müssen die Patienten für einen längeren Zeitraum Medikamente gegen die Bildung von Blutgerinnseln einnehmen. Damit steigt wiederum das Risiko für Blutungen. "Bei Patienten, die sowieso schon ein erhöhtes Blutungsrisiko haben, benutzen wir deshalb die reinen Metall-Stents", sagt Voigtländer. Dazu gehören etwa Menschen, die Blutverdünner einnehmen oder die unter angeborenen Störungen der Blutgerinnung leiden.

Neue Medikamente für freie Gefäße

Mit der Stent-Einlage beginnt auch die Nachbehandlung mit Medikamenten. Sie verhindern, dass sich die Blutplättchen in den Herzkranzgefäßen zusammenlagern. Sonst verstopft der Stent, oder es bilden sich neue Blutgerinnsel. Die Standardtherapie besteht in der täglichen Einnahme einer geringen Dosis des Plättchenhemmers Acetylsalicylsäure, kurz ASS, und dem Mittel Clopidogrel. Es verstärkt die Wirkung von ASS. Herzinfarkt-Patienten sollen ASS in der Regel lebenslang einnehmen. Die Dauer der Clopidogrel-Gabe hängt von der Vorbehandlung und persönlichen Risikofaktoren ab.

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Seit einiger Zeit gibt es mit den Wirkstoffen Ticagrelor und Prasugrel Alternativen zu Clopidogrel. "Die beiden Substanzen haben in Studien das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt etwas stärker gesenkt als Clopidogrel", sagt Dr. Stephan Schirmer, Kardiologe am Universitätsklinikum
des Saarlandes. Im Gegensatz zu Clopidogrel muss der Körper die neueren Substanzen nicht oder nur wenig verändern, bevor sie wirken können. Wichtig zum Beispiel für Patienten, die nicht so gut auf Clopidogrel ansprechen.

Arzneimittel allein reichen nicht

Doch ohne Nebenwirkungen sind auch die neuen Substanzen nicht: "Aus Studien wissen wir, dass bei Patienten ohne Bypass-Operation nach der Gabe von Ticagrelor und Prasugrel ein höheres Risiko für Blutungen als mit Clopidogrel besteht", erklärt Schirmer. Er hält Ticagrelor und Prasugrel vor allem für Patienten geeignet, die ein hohes Risiko haben, erneute Gefäßverschlüsse zu erleiden. Allerdings sind die neueren Substanzen derzeit noch deutlich teurer als Clopidogrel.

Spätestens nach einem Herzinfarkt heißt es, weitere Risikofaktoren zu kontrollieren, damit kein weiterer Infarkt auftritt. Eine Arteriosklerose entsteht häufig bei zu hohen Cholesterinwerten. Deshalb erhalten diese Patienten in der Regel Mittel, die die Blutfette senken, bei Bedarf auch blutdrucksenkende Medikamente. Bei Diabetikern überprüft der Arzt, ob sich die Stoffwechsellage weiter verbessern lässt.

Arzneimittel allein reichen aber nicht aus: Die Betroffenen müssen und können selbst mithelfen, um den gefürchteten zweiten Herzinfarkt zu vermeiden. Die Deutsche Herzstiftung rät dazu, sofort mit dem Rauchen aufzuhören. Zigarettenrauch schädigt die Herzkranzgefäße und provoziert mitunter einen weiteren Herzinfarkt. Auch Ausdauersport empfehlen Kardiologen ihren Herzinfarkt-Patienten, aber nur nach ärztlichem Okay. Das gelte auch für Präparate mit Knoblauch. Gut eignen sich beispielsweise sogenannte "Koronar-Sportgruppen". Sie bieten unter medizinsicher Aufsicht Übungen an, die die körperliche Fitness verbessern.

Mittelmeerkost statt Vitamintabletten

Viele Betroffene greifen nach einem Herzinfarkt zu Nahrungsergänzungsmitteln. Der Kardiologe Dr. Oliver Weingärtner vom Universitätsklinikum des Saarlandes sieht darin jedoch wenig Vorteile: "Für diese Mittel gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Belege, dass sie einen erneuten Herzinfarkt verhindern können", erklärt der Mediziner. Eine gesunde Ernährung trägt jedoch dazu bei, einen weiteren Herzinfarkt zu verhindern. Experten empfehlen besonders die Mittelmeerkost mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse. Fleisch und tierische Fette wie Butter sollten nur selten auf den Tisch kommen. Bevorzugt dagegen pflanzliche Öle wie Oliven- oder Rapsöl sowie fetter Seefisch.

Die Betroffenen bemerken den Infarkt in der Regel an starken Schmerzen in der Brust, die in Arme, Schultern, Hals, Kiefer und Oberbauch ausstrahlen können. Dazu kommt ein starkes Engegefühl, Druck oder Brennen im Brustkorb. Bei vielen Herzinfarkt-Patienten bricht der Schweiß aus, sie leiden unter Übelkeit oder Atemnot. Bei Frauen oder Diabetikern kommt der Herzinfarkt dagegen eher leise. Häufig fehlt der starke Schmerz, stattdessen überwiegen Übelkeit, Erbrechen und Druckgefühl.

Bei solchen Symptomen kommt es auf eine schnelle Reaktion an. Jetzt ist die Gefahr groß, dass das Herz ins Stolpern gerät und der Herzmuskel geschädigt wird. Ein Kreislaufstillstand droht. Immer noch endet in Deutschland jeder dritte Herzinfarkt tödlich – auch weil die Betroffenen zu lange zögern. Experten raten bei dem geringsten Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Notarzt unter der 112 zu rufen.

Apothekerin Dr. Iris Hinneburg

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