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Heiserkeit: Flüstern schadet der Stimme

So mancher hätte gern eine sonore, tiefe Stimme. In Herbst und Winter geht dieser Wunsch oft unfreiwillig in Erfüllung, wenn Erkältungsviren die Stimmbänder angreifen. Heiserkeit kann aber auch ganz andere Ursachen haben.

Mann flüstert Frau etwas ins Ohr.

"Schweigen ist Gold" gilt bei Heiserkeit. Flüstern schadet der Stimme mehr als es nutzt.
© Peterchen - Fotolia

Wenn einem eine Erkältung die Stimme verschlägt, handelt es sich um ein entzündliches Geschehen. Dr. Michael Deeg, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Freiburg und Pressesprecher des Berufsverbands der HNO-Ärzte, erklärt, was dabei passiert: "Durch die entzündlichen Veränderungen sind die Stimmbänder gerötet und geschwollen. Sie können ihre Schwingungen nicht mehr wie gewohnt ausführen, und die Stimme klingt heiser und belegt."

Normalerweise schwingen die Stimmbänder mit der Frequenz des Tones, den sie hervorbringen. Wer zum Beispiel eine mittlere Sprechstimmlage von etwa 150 Hertz hat, bei dem vibrieren sie 150 Mal pro Sekunde. Sind die Stimmbänder beeinträchtigt, bewegen sie sich langsamer, und die Stimme klingt tiefer.

Ganz ähnlich geht es auch vielen Fußballfans, wenn sie nach dem Heimspiel ihres Lieblingsvereins nach Hause gehen. 90 Minuten Anfeuerungsrufe und Schlachtgesänge haben die Stimmbänder an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. "Die 150 Schwingungen pro Sekunde sind schon eine Hochleistungsfunktion", sagt Deeg. "Wenn die Stimme dabei noch besonders laut sein soll, wird ein sehr hoher Druck ausgeübt, der die Stimmlippen ganz enorm mechanisch belastet. Sie werden gereizt und sind hinterher ebenfalls gerötet und geschwollen."

Schwiele auf den Stimmbändern

Auch Sänger muten ihrer Stimme viel zu. Wenn sie ständig sehr laut und mit ungenügender Technik singen, kann das zu sogenannten Schrei- oder Sängerknötchen führen. Diese Knötchen bilden sich an den Stellen der Stimmbänder, an denen die stärkste Belastung auf die Oberfläche einwirkt. "Man kann sich das wie eine Schwiele an den Händen vorstellen, wenn man zu hart gearbeitet hat", erklärt der HNO-Arzt. Diese Schwiele an den Stimmlippen macht ebenfalls heiser.

Menschen, die beruflich viel reden müssen, überlasten ihre Stimmbänder vielfach. Dem lässt sich jedoch vorbeugen. Deeg: "Wenn jemand nach längerer Stimmbelastung regelmäßig heiser wird, empfehle ich eine Stimmbildung. Dabei feilt man an der Stimm- und Sprechtechnik und lernt, die Stimme richtig einzusetzen." So etwas wird zum Beispiel an Pädagogischen Hochschulen für Lehrer angeboten. Aber auch im Rahmen einer Gesangsausbildung oder einer logopädischen Behandlung ist das bei Bedarf möglich.

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Stimmbildung lässt Knötchen verschwinden

Eine Stimmbildung dient auch als erster Schritt zur Behandlung von Sängerknötchen. Wenn sie sich damit nicht beseitigen lassen, kann man die Knötchen operativ abtragen und danach versuchen, mittels einer logopädischen Therapie die Stimmtechnik wieder zu verbessern.

Wenn die Heiserkeit von einem Infekt herrührt, ist die Behandlung laut Deeg sehr einfach: "Stimmschonung und viel trinken, bis sich die Stimme wieder gebessert hat. Denn wenn man sie vorher belastet, kann es zu Schäden wie den erwähnten Knötchen kommen." Die Stimme zu schonen bedeutet, entweder nicht oder nur mit geringer Lautstärke zu sprechen. Inhalationen mit Kamille oder Salbei unterstützen die Heilung, indem sie die Stimmbänder schneller abschwellen lassen.

Vom Flüstern hält Deeg nichts: "Beim Flüstern werden die Stimmlippen so angespannt, dass sie vorne geschlossen und hinten offen sind. Das ist eine ganz unnatürliche Art, die Stimme einzusetzen. Wer das über lange Zeit macht, hat hinterher Schwierigkeiten, wieder normal zu sprechen, denn es behindert die Stimmbänder in ihrer Funktion."

Die beste Strategie, schnell wieder zu Stimme zu kommen, ist also nach wie vor, einfach mal die "Klappe zu halten". Wenn das nach drei bis vier Tagen keine Besserung bringt, kann der HNO-Arzt weiterhelfen.

Apotheker Rüdiger Freund

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