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Gemüse

In der Regel ist eine vegetarische Ernährung kalorienärmer und damit besser fürs Gewicht.
© DAK/Kohlbecher

Gesund auch ohne Fleisch

Ob sich eine vegetarische Ernährung für Diabetiker eignet, und was es zu beachten gibt, erklärt Dr. Astrid Tombek, Diabetes- und Ernährungsberaterin der Diabetes Klinik Bad Mergentheim.

Frau Dr. Tombek, dürfen sich Diabetiker vegetarisch ernähren?

Tombek: Definitiv ja. Auch Diabetiker können sich gerne vegetarisch ernähren. Allerdings empfehlen wir von den Formen der vegetarischen Ernährung die ovo-lakto-vegetarische Ernährung. Dabei wird auf Fisch, Fleisch und Wurstprodukte verzichtet. Eier und Milchprodukte dürfen aber trotzdem gegessen werden. Diese Form kann auch ein Laie gut durchführen, ohne Mangelerscheinungen davonzutragen.

Wie sieht es mit veganer Ernährung aus, bei der überhaupt keine Produkte vom Tier auf den Teller kommen?

Tombek: Vegan ist kritisch. Nicht nur für Diabetiker, sondern allgemein, weil bei einer veganen Ernährung sehr schnell ein Mangel an Calcium, Eisen und den B-Vitaminen B12, B6 und B1 entstehen kann. Bei der ovo-lakto-vegetarischen Form werden hingegen alle Nährstoffe über Milch, Milchprodukte, Eier, Vollkornprodukte sowie Obst und Gemüse ausreichend abgedeckt.

Vegetarische Ernährung ist in der Regel eher reich an Kohlenhydraten, weil mehr pflanzliche Produkte gegessen werden. Ein Problem für Diabetiker?

Tombek: Wenn man vollwertige Getreideprodukte, Gemüse und Obst isst, hat man zwar einen hohen Anteil an Kohlenhydraten. Das sind aber komplexe Kohlenhydrate, die ein Diabetiker genauso zu sich nehmen kann wie jeder andere gesunde Mensch. Beim Typ-2-Diabetes sind die Kohlenhydrate insgesamt nicht das Problem. Diese Diabetiker profitieren davon, wenn weniger tierische Fette und damit weniger gesättigte Fettsäuren gegessen werden. Damit wird in der Regel die Insulinresistenz geringer, und damit bessert sich der Diabetes.

Bei Typ-1-Diabetikern ist es auch kein Problem, weil sie die Kohlenhydrat-Einheiten (KE) berechnen, und ihre Insulindosis anpassen können. In Gemüse werden die KE ohnehin nicht angerechnet, sondern nur in Kartoffeln, Brot, Reis, Nudeln oder anderen Getreideprodukten. Gemüse ist nur in absoluten Ausnahmefällen zu berücksichtigen, so zum Beispiel bei Hülsenfrüchten oder roter Beete, wenn sie in größeren Mengen gegessen werden.

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Welche Vorteile haben Diabetiker von einer vegetarischen Ernährung noch?

Tombek: In der Regel ist diese Ernährung kalorienärmer und damit besser fürs Gewicht. Vegetarier haben durchschnittlich ein geringeres Körpergewicht, was positiv für den Typ-2-Diabetes ist. Das gesamte metabolische Syndrom profitiert von der Reduktion von gesättigten Fettsäuren und einer Gewichtsreduktion, auch der Blutdruck und die Blutfettwerte.

Wie gelingt die Umstellung auf vegetarische Kost?

Tombek: Wer gerne Fleisch isst, dem fällt die Umstellung wahrscheinlich schwer. Da empfehle ich eine vegetabile Ernährung, das heißt, nur ein oder zwei Fleischgerichte pro Woche zu essen oder ein bis zwei Vegi-Tage in der Woche einzulegen.

Manche Diabetiker leiden unter einer Gastroparese, bei der die Beweglichkeit des Magens auf - gehoben oder vermindert ist. Sollte man in diesem Fall auf eine vegetarische Ernährung verzichten?

Tombek: Bei einer Magenlähmung ist es sehr individuell, was derjenige gut verträgt und was nicht. Manche haben Probleme, wenn sie sehr fettreich essen, dann profitieren sie von einer vegetarischen Ernährung. Andere haben eher Probleme mit den Faserstoffen, und dann haben sie einen Nachteil mit der vegetarischen Ernährung. Es ist also abhängig von der jeweiligen Person, welche Ernährungsform geeignet ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Apotheker Fabian Henkel.

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