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Frau mit gelbem Top bürstet sich das nasse, dunkle Haar

Haare zählen unnötig: Die meisten Frauen merken durch den täglichen Blick in den Spiegel selbst, wenn sich etwas mit ihren Haaren verändert.
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Haarausfall: "Quatsch, die Haare zu zählen"

Bei Männern gelten "Kränzchenfrisur" oder Glatze als salonfähig. Frauen leiden dagegen besonders, wenn sie Haare verlieren. Die Neue Apotheken Illustrierte extra sprach mit Dr. med. Uwe Schwichtenberg, niedergelassener Hautarzt in Bremen, über mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

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Es gibt die bekannte Regel: Wenn Frauen täglich mehr als 100 Haare verlieren, ist das nicht mehr normal. Müssen sie jetzt ihre Haare in Kamm, Bürste und Ausguss zählen?

Schwichtenberg: Natürlich kenne ich diese Regel, aber es ist Quatsch, seine ausgefallenen Haare zu zählen. Das müssen Frauen auch überhaupt nicht. Die meisten merken durch den täglichen Blick in den Spiegel selbst, wenn sich etwas mit ihren Haaren verändert.

Welche wichtigen Ursachen für Haarausfall können Sie nennen?

Schwichtenberg: Es gibt vier Hauptgründe für Haarausfall bei Frauen: Entzündungen der Haarwurzeln, Erkrankungen des Immunsystems, die die Haare angreifen, genetische, also familiäre Ursachen und den sogenannten diffusen Haarausfall.

Fangen wir mit der ersten Ursache an. Was passiert bei Entzündungen der Haarwurzeln?

Schwichtenberg: Hierzu zählen Entzündungen mit verschiedenen Ursachen. Ihnen gemeinsam: Sie zerstören die Zellen, die die Haare produzieren. Am Ende bleibt nur noch eine vernarbte Kopfhaut übrig. Wir Hautärzte versuchen, mit Kortison die Entzündungen zu bekämpfen, es gibt aber auch verschiedene ausgefeilte Ansätze mit Antibiotika.

Welche Rolle spielt das Immunsystem?

Schwichtenberg: Man nimmt an, dass Immunzellen, die sich eigentlich um die Abwehr von Viren, Bakterien und Pilzen kümmern sollen, ihre Aktivität gegen die Zellen in den Haarwurzeln des eigenen Körpers richten. Sie schalten die Haarwurzeln auf schlafend, machen sie aber nicht kaputt. Sie sind also wieder erweckbar. Dies führt zu kreisrundem Haarausfall. Besonders in der Anfangsphase kann er wieder verschwinden, als wäre nichts gewesen. Eine Kortisonbehandlung kann den Haarausfall stoppen. Andere Ansätze verwenden Präparate, die das Immunsystem ablenken, sodass die eigenen Haare wieder in Ruhe wachsen können. Beides ist aber keine Dauertherapie.

Wenn die Mutter oder Großmutter bereits unter Haarausfall gelitten hat, steigt ebenfalls das Risiko,vermehrt Haare zu verlieren?

Schwichtenberg: Etwa 20 bis 30 Prozent der Frauen leiden unter diesem erblich bedingten Haarausfall. Es gibt eine dafür zugelassene Behandlung. Man trägt den Wirkstoff Minoxidil auf die betroffenen Stellen auf. Idealerweise hält dies den Haarverlust auf.

Was versteckt sich hinter diffusem Haarausfall?

Schwichtenberg: Bei diffusem Haarausfall handelt es sich um die am häufigsten auftretende Form des Haarausfalls. Die Haare gehen nicht nur an bestimmten Stellen aus, etwa am Hinterkopf oder den sogenannten Geheimratsecken, sie werden insgesamt immer weniger. Ursachen können Hormonschwankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel, Infektionen, Kopfhauterkrankungen, Stress oder eine Fettunterversorgung sein. Einige Medikamente können ebenfalls dazu führen. Hier therapiert der Hautarzt gezielt die jeweilige Ursache.

Viele Ursachen, viele Behandlungsmöglichkeiten. Was halten Sie von Nährstoffen, die die Haare unter stützen sollen?

Schwichtenberg: Die Haarwurzeln benötigen besonders viele Nährstoffe. Ihre Zellen gehören zu denen, die sich besonders aktiv teilen. Dazu benötigen sie unter anderem Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Wer von einem Mangel weiß, kann diesen über eine veränderte Ernährung oder bei Bedarf mit Präparaten aus der Apotheke ausgleichen.

Ihr Rat an Frauen, die unter Haarausfall leiden?

Schwichtenberg: Ich rate ihnen, fachliche Hilfe zu suchen, sobald sie merken, dass sie mehr Haare als üblich verlieren. In der Regel gelingt es uns Ärzten dann, die noch verbleibenden Haare zu erhalten. Sind Haare allerdings bereits verloren gegangen, können wir keine neuen wachsen lassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Peter Erik Felzer.

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