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Frau im mittleren Alter mit Brille steht mit gefüllter Papiereinkaufstüte an der Obst- und Gemüsetheke eines Supermarktes und blickt in die Kamera

Die richtige Ernährung gehört bei Nierenkranken mit zur Therapie.
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Bei Nierenleiden richtig essen

Nierenkrankheiten sind bei Diabetes die zweithäufigste Komplikation. Worauf Diabetiker mit eingeschränkter Nierenfunktion bei der Ernährung achten sollten, war auch Thema auf der letztjährigen Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Berlin.

Etwa 40 bis 50 Prozent aller Diabetiker entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine Funktionsstörung der Nieren, eine diabetische Nephropathie. Ohne arbeitsfähige Nieren ist ein Mensch aber nicht lebensfähig, da sich dann Abfallprodukte des Stoffwechsels im Blut ansammeln und den Organismus vergiften. Treten Nierenschäden auf, sollte sie ein darauf spezialisierter Facharzt, ein sogenannter Nephrologe, frühzeitig behandeln. Dies verzögert den Krankheitsverlauf und verringert die Sterblichkeitsrate.

Zur Behandlung gehört eine Ernährungstherapie. Professor Dr. Eberhard Ritz vom Nierenzentrum in Heidelberg erläuterte in Berlin neue Erkenntnisse: "In der Vergangenheit sollten Typ-1- und Typ-2-Diabetiker nach Auftreten einer diabetischen Nephropathie ihre Eiweißzufuhr beschränken. Dies wird heute wegen fehlender Effektivität und der Gefahr einer Fehlernährung nicht mehr empfohlen."

Ein neu erkannter Risikofaktor bei chronisch Nierenkranken sei die Aufnahme von freien Phosphaten über die Nahrung und erhöhte Phosphatspiegel im Blutserum: "Hier gibt es Hinweise darauf, dass Phosphat zu Nierenversagen, Gefäß- und Herz-Erkrankungen führen kann", warnte Ritz. "Ein erhöhter Phosphatspiegel im Blut kann bei Menschen mit Diabetes auch die Wirkung von blutdrucksenkenden Medikamenten wie ACE-Hemmern verringern oder gar aufheben." Daher sollten Betroffene Lebensmittel mit hohem Phosphatgehalt möglichst meiden.

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Phosphate sind vermehrt beispielsweise in Schmelzkäse, in bearbeitetem Fleisch wie etwa Schinken und Wurst, in Eigelb, Hülsenfrüchten, Nüssen, Pilzen, Fischkonserven, Kakao/Schokolade, Backwaren, Fertiggerichten wie Tiefkühlpizza oder Softdrinks enthalten. Die Liste phosphatreicher Lebensmittel ist damit noch nicht vollständig, daher ist zur Phosphatverminderung eine gezielte Ernährungsberatung hilfreich. Ritz kritisierte vor diesem Hintergrund die weitgehend fehlende Deklaration von Phosphatzusätzen in Lebensmitteln. Hier bestehe dringender Änderungsbedarf. Genügt Dialysepatienten oder nicht dialysepflichtigen Personen mit chronischer Nierenschwäche und erhöhten Phosphatwerten im Blut eine Phosphatsenkung über die Ernährung nicht, können sie zusätzlich Phosphatbinder einnehmen. Ärzte und Apotheker beraten dazu.

Diskutiert wird von Experten auch die Frage der Kochsalzzufuhr bei Diabetes. Ritz hob hervor, dass eine Salzbeschränkung nicht zu empfehlen ist, solange noch keine Nierenschädigung vorliegt. Anders jedoch bei Diabetikern mit eingeschränkter Nierenfunktion und Eiweiß im Urin: Bei niedrigerer Kochsalzzufuhr und der Einnahme von Blutdrucksenkern, die auf das Renin-Angiotensin-System wirken (etwa ACE-Hemmer), besserte sich Studien zufolge die Nierenfunktion – zum Teil sogar unabhängig vom Blutdruck. Auch Herzgefäßleiden wurden seltener beobachtet.

Daneben haben erhöhte Serum-Harnsäure-Werte eine potenziell nierenschädigende Wirkung. Erhöhte Harnsäure-Konzentrationen im Blut können das Risiko für ein frühzeitiges Auftreten diabetischer Nierenschäden erhöhen. Bekanntermaßen steigern sie auch die Gefahr für Gichtanfälle. Erste Untersuchungen lassen vermuten, dass eine Harnsäuresenkung zu einem günstigeren Verlauf einer Nephropathie führt. Harnsäure entsteht im Körper beim Abbau von sogenannten Purinen aus der Nahrung. Daher sollten Menschen mit hohen Harnsäurespiegeln im Blut die Purinaufnahme begrenzen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät für eine purinarme Kost, Innereien, Krustentiere, bestimmte Fischarten wie etwa Ölsardinen, Sardellen oder Heringe, die Haut von Geflügel und Fisch sowie Schweineschwarte generell zu meiden. Praktisch purinfrei sind der DGE zufolge Eier, Milch und Milchprodukte. Durch eine entsprechende Umstellung der Eiweißzufuhr lasse sich bereits eine deutliche Reduktion der Purinaufnahme erreichen. Da auch pflanzliche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohl und Spinat hohe Puringehalte aufweisen können, sind diese ebenfalls sorgfältig auszuwählen beziehungsweise selten zu verwenden.

Wichtig ist bei Nierenschwäche auch, auf schwankende Kaliumspiegel im Blut zu achten. Überhöhte oder zu niedrige Werte können bedrohliche Herzrhythmusstörungen hervorrufen.

Die Ernährung bietet nierenkranken Diabetikern somit einige Möglichkeiten, etwas gegen ein Fortschreiten der Nierenschäden zu tun. Zusätzlich müssen Blutdruck, Blutzucker und die Blutfette gut eingestellt sein.

Dr. Frank Schäfer

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