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Arzt und Patientin im Gespräch

Für eine erfolgreiche Therapie brauchen Diabetologe und Diabetiker den Dialog miteinander.
© Barmer GEK

Diabetes individuell behandeln

Für Diabetes gilt: Kein Fall ist wie der andere. Wie man den Betroffenen individuell gerecht werden kann, darüber tauschten sich Experten im Rahmen einer Presseveranstaltung miteinander aus. Das Stichwort: Personalisiertes Diabetes-Management.

Diabetologe und Diabetiker brauchen den Dialog miteinander, denn für eine erfolgreiche Therapie gilt es, verschiedenste Faktoren zu berücksichtigen, so Dr. med. Friedrich Wilhelm Petry, Diabetologe in Wetzlar. Dazu gehören Faktoren, die vom Diabetiker selbst abhängen, also sein Alter, der Diabetestyp, die Erkrankungsdauer, Begleit- und Folgeerkrankungen, seine seelische Verfassung, seine Lebensumstände und sein Lebenswandel. Neben diesen Individualfaktoren kommen als Therapiefaktoren hinzu: Therapieziele, Schulung, mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen von Arzneimitteln, der Arzt und sein Team sowie die Selbstkontrolle durch den Patienten.

Freie Wahl gemäß der Leitlinien
Die Vielfalt der Aufzählungen zeigt, dass es nicht die eine Therapie gibt, die für jeden Patienten passt, sondern dass jeder Patient eine Therapie braucht, die maßgeschneidert zu ihm passt, erklärte Petry. Die Wahl richtet sich nach den wissenschaftlich basierten Therapieleitlinien von Fachgesellschaften wie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

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Den ganzen Menschen sehen
Welche Rolle allein die Lebensumstände eines Patienten spielen können, erläuterte vor Journalisten Diplom-Medizinerin Ingrid Dänschel, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Wechselburg. Die Ärztin schilderte den Fall eines Typ-2-Diabetikers, der sich bei ihr mit sehr schlechten Blutzuckerwerten, hohem Blutdruck, hohen Blutfettwerten und Übergewicht vorstellte. Es gelang über einen längeren Zeitraum, seine Werte auf ein normales Niveau einzupendeln, auch weil der Mann seinen Lebenswandel in Teilen änderte. Doch dann schien die Therapie doch noch zu scheitern – die Werte des Mannes verschlechterten sich wieder deutlich. Dänschel hätte nun die Dosis der Medikamente steigern und ihrem Patienten ins Gewissen reden können. Doch sie nahm einen anderen Weg und befragte ihn, wie es ihm seelisch ginge. Seine Antwort erklärte den Knick im Therapieerfolg. Durch große familiäre Probleme war der Diabetiker in eine Depression gerutscht. Eine Erkrankung, bei der den Betroffenen die Motivation abhanden kommt, sich gut um ihren Diabetes zukümmern. Mithilfe therapeutischer Gespräche besserte sich die psychische Verfassung des Mannes derart, dass er auch sein Leben mit Diabetes wieder aktiv in die Hand nahm. Ein Fall, der laut Dänschel einmal mehr verdeutliche, wie wichtig es ist, in der Therapie von Diabetes alle Einflussgrößen zu berücksichtigen.

Gute Dokumentation für gute Werte
Das gilt auch, wenn es um Kinder mit Diabetes geht, weiß Dr. med. Ralph Ziegler, der eine Diabetologische Schwerpunktpraxis für Kinder und Jugendliche in Münster leitet. Tagtäglich kümmert er sich um Kinder und Jugendliche mit Diabetes und kennt deshalb die Schwierigkeiten, die auftreten können. Für ihn wie auch für die anderen Experten entscheidet die Dokumentation der Blutzuckerwerte maßgeblich mit über den Therapieerfolg. "Mit einem modernen Diabetes-Management, das unter anderem die Werte der Blutzuckermessungen, die Insulindosis und die eingenommenen Kohlenhydrate speichert und in verständlicher Weise am Computer grafisch aufbereitet, können die gemeinsame Besprechung des Therapieerfolges und notwendige individuelle Therapieanpassungen optimal umgesetzt werden", so Ziegler. Diese Hilfsmittel trügen zum Erfolg einer personalisierten Diabetestherapie bei. Auch Ziegler kennt die Bedeutung des sozialen Umfelds für einen guten Umgang eines Kindes mit seinem Diabetes. Eltern dürften Kinder mit Diabetes nicht zu früh in die völlige Eigenverantwortung entlassen, sondern müssten sie unterstützen, auch wenn das anstrengend sei, betonte der Diabetologe.

Moderne Selbsthilfe
Neben der ärztlichen Verantwortung spielt auch diejenige des Diabetikers für sich selbst eine entscheidende Rolle. Diabetiker proftieren dafür auch von den modernen Medien. So stellte Bastian Hauck, Deutsche Diabetes Online Community (#dedoc), Berlin, sein 2012 initiiertes Portal dedoc.de vor. Hier können sich Diabetiker jeden Alters zu gesetzten Themen via Twitter oder Facebook miteinander austauschen. Gerade jüngeren Diabetikern sagt diese Form der Selbsthilfegruppen zu. Dass dennoch nichts über den persönlichen Kontakt geht, zeigt die Tatsache, dass aus dedoc.de bereits einige Diabetiker-Stammtische in verschiedenen Städten der Bundesrepublik entstanden sind. Zwanglos kommen Diabetiker hier zusammen und tauschen sich auch, aber nicht nur, über das Leben mit Diabetes aus.

IW

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