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Eine übergewichtige Frau isst eine kleine Portion Salat.

Bei krankhaftem Übergewicht verspricht Adipositas-Chirurgie vergleichsweise gute Abnehmerfolgen.
© Samuel Borges - Fotolia

Kleiner Magen, kleiner Hunger

Bei krankhaftem Übergewicht haben Betroffene oft kaum eine Chance, mittels Diäten oder Ernährungsumstellung dauerhaft deutlich Gewicht zu verlieren. In diesen Fällen können nach genauer Prüfung Magenverkleinerungen und -umgehungen oder einoperierte Magenbänder helfen. Mit dieser sogenannten Adipositas-Chirurgie lassen sich die Essmenge und je nach Verfahren der Appetit und die Nährstoffaufnahme über den Darm vermindern.

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Schlagen Ärzte übergewichtigen Patienten vor, sich zur Gewichtsabnahme an Magen und Darm operieren zu lassen, geht es nicht um ein paar Pfunde zu viel. Es geht um deutliches Übergewicht. Wie deutlich, steht in medizinischen Leitlinien zur Adipositas-Chirurgie. Empfohlen wird dort eine Operation ab einem Körpermasse-Index (BMI) von 40 und mehr. Zweite Bedingung: Betroffene konnten zuvor mit Ernährungsumstellung, Bewegungstraining und psychologischer Betreuung keinen dauer haften Erfolg erzielen. Außerdem kann eine Operation laut Leitlinien bei einem BMI zwischen 35 und 40 helfen, wenn zugleich eine oder mehrere mit starkem Übergewicht verbundene Erkrankungen vorliegen − etwa Typ-2-Diabetes. Auch hier sollten zuvor andere Abnehmstrategien erfolglos geblieben sein.

Vergleichsweise gute Abnehmerfolge durch OP

Die Adipositas-Chirurgie kann mit vergleichsweise guten Abnehmerfolgen aufwarten – zumindest nach bisheriger Datenlage. Im Rahmen einer US-amerikanischen Studie hatten 137 fettleibige Diabetiker im Verlauf von drei Jahren nach einer Operation gegenüber einer nicht operierten Vergleichsgruppe fünfmal so viel Körpergewicht abgebaut. Und nicht nur das: Auch der Diabetes besserte sich. Der Langzeit-Blutzuckerwert HbA1C lag bei den operierten Patienten je nach Verfahren bei 6,7 beziehungsweise 7,0 Prozent, bei den nichtoperierten Patienten bei 8,4 Prozent. Ähnliche Ergebnisse erbrachten auch andere Studien. Der Diabetes besserte sich nach einer Magenverkleinerung – bedingt durch hormonelle Umstellungen – oft schon vor der Gewichtsabnahme. Allerdings zeigte eine rückblickende Auswertung der Daten operierter Typ-2-Diabetiker in den USA, dass diese Erfolge nicht immer garantiert werden können. Bald nach der Operation verschwand der Diabetes bei 68 Prozent der Patienten. Doch nach fünf Jahren war nur noch die Hälfte der Operierten frei von Diabetes. Rückfälle erlitten vor allem diejenigen, bei denen der Typ-2-Diabetes zum Zeitpunkt der Operation schon fortgeschrittener war.

Neben dem Blutzucker bessern sich nach Operation und Gewichtsabnahme ein Bluthochdruck sowie ungünstige Blutfettwerte. Zudem werden die Gelenke entlastet, und die Lebensqualität nimmt zu. Eine schwedische Studie zeigte, dass innerhalb eines Untersuchungszeitraums von 16 Jahren operierte gegenüber nicht operierten Übergewichtigen ein verringertes
Sterberisiko hatten. Viele Vorteile der Übergewichtsoperation also, und keine Nachteile? Das wohl nicht. So sollte man wissen, dass der Zustand nach der Adipositas-Operation nicht umkehrbar ist. Nur ein einoperiertes Magenband, das den Zugang zum Magen variabel einengt, lässt sich wieder entfernen. Zudem kann, je nach Operationsverfahren ("mal absorptive Verfahren"), die Aufnahme wichtiger Vitamine und Spurenelemente beeinträchtigt sein, so dass man dauerhaft Nahrungsergänzungsmittel benötigt. Dazu kommen regelmäßige Blutuntersuchungen, um die Versorgung mit Vitaminen und Spurenelementen zu kontrollieren. Verändern kann sich auch die Aufnahme von Medikamenten, daher muss der Arzt bei Bedarf andere Darreichungsformen oder Dosierungen wählen. Ebenfalls nicht völlig auszuschließen sind Nachoperationen und bei Bedarf Eingriffe, um nach starkem Gewichtsverlust die "zu weite" Haut zu straffen. Dazu kommen die bei allen Operationen bestehenden Risiken durch Narkose, Infektionen, Thrombosen oder Komplikationen bei der Wundheilung.

Regelmäßige Nachsorge ist wichtig

Nach dem Eingriff benötigt man regelmäßige Nachsorge, die man oft selbst organisieren muss. Am besten erkundigt man sich vorher in der Klinik, die die Operation durchführt, ob sie Hilfestellungen für die Nachsorge anbietet. Auch Selbsthilfegruppen für Übergewichtige können dazu Tipps geben. Um den Erfolg der Operation zu erhalten, bleiben mehr Bewegung und eine bewusste Ernährung notwendig. Wichtig ist eine psychologische Betreuung. Schwierig ist die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen, die der Patient vor der Operation im Einzelfall beantragen muss. Dafür haben selbst über Jahre hinweg krankhaft Übergewichtige zu belegen, dass nichtoperative Maßnahmen im Rahmen eines umfassenden Behandlungskonzeptes ihr Körpergewicht nicht ausreichend verringern konnten.

Beratung bieten Kliniken, die auf Adipositas-Chirurgie spezialisiert sind und damit viel Erfahrung haben. Dort sollte man sich operieren lassen, wenn man sich dazu entschlossen hat. In den Spezialkliniken erfahren Patienten dann auch, welches Verfahren für sie das passendste ist. Man kann sich zudem an Selbsthilfegruppen zu Adipositas wenden, um zusätzliche Informationen einzuholen. Es empfiehlt sich, über eine mögliche Operation gegen Übergewicht mit Ärzten zu sprechen, die einen schon länger kennen und behandeln – nicht zuletzt auch wegen der Nachsorge.

Dr. Frank Schäfer

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